Umzüge für den Job belasten Menschen mit geringer Bildung stärker als Hochgebildete
Jedes Jahr verlegen gut 3,9 Millionen Menschen in Deutschland ihren
Wohnsitz in eine andere Gemeinde – viele davon aus beruflichen Gründen.
Neben Vorteilen wie bessere Karrierechancen können Umzüge auch mit
Belastungen einhergehen, etwa durch die Organisation des Umzugs,
Schwierigkeiten bei der Pflege bereits existierender oder dem Aufbau neuer
sozialer Beziehungen oder Gefühle von Heimweh und Einsamkeit. Dies alles
kann sich auf das Wohlbefinden der betroffenen Personen auswirken.
Wissenschaftler aus dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) und
der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg haben in einer neuen Studie
die Zusammenhänge von beruflich bedingten Umzügen mit der körperlichen und
mentalen Gesundheit untersucht. Dazu wurden Daten aus dem Sozio-
oekonomischen Panel (SOEP) verwendet, um die gesundheitsbezogene
Lebensqualität vor und nach dem Umzug zu ermitteln. Die Ergebnisse wurden
jetzt in der Fachzeitschrift Health & Place veröffentlicht.
Bildungsabschluss ist entscheidend
Wie aus der Studie hervorgeht, schätzen Menschen ihre körperliche
Gesundheit direkt nach dem Umzug deutlich besser ein als zwei Jahre vor
dem Ortswechsel. Bei der mentalen Gesundheit konnte hingegen nur eine
leichte Verbesserung festgestellt werden. Dabei spielen vor allem
Bildungsunterschiede eine zentrale Rolle: Während Personen mit
Hochschulbildung noch bis zu vier Jahre nach dem Umzug über eine
Verbesserung des eigenen Gesundheitszustands berichten, verspüren Personen
mit höchstens Haupt- oder Realschulabschluss ohne Berufsausbildung eine
Verschlechterung der körperlichen und mentalen Gesundheit, die in der
Größenordnung mit dem Effekt einer Ehescheidung vergleichbar ist. Die
Ursachen dafür sind vielfältig: „Beruflich bedingte Umzüge gehen für
besser Gebildete häufig mit Lohnanstiegen sowie einer Verbesserung der
Arbeitssituation einher, was die Gesundheit positiv beeinflussen kann“,
erklärt Dr. Nico Stawarz vom BiB. Außerdem sind Beschäftigte mit
akademischem Abschluss eher in der Lage, den Arbeitgeber oder den
Arbeitsplatz selbst zu wählen. Bei Menschen mit schlechteren Jobchancen
erfolgt ein Umzug hingegen öfter, weil es bestimmte Umstände erfordern.
„Unter solchen Bedingungen können Ortswechsel vermehrt zu Belastungen und
Stress beitragen“, so Stawarz. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin,
dass bestehende soziale Unterschiede hinsichtlich der Bildung die Folgen
von beruflichen Umzügen beeinflussen und damit gesundheitliche
Ungleichheiten zwischen den Bildungsgruppen verstärkt werden können.
