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Historische „Kuprejanov-Sammlung“ wird mit Fördermitteln erschlossen

Dr Ivonne Kaiser mit Objekt INV0212  Landesmuseum Natur und Mensch
Dr Ivonne Kaiser mit Objekt INV0212 Landesmuseum Natur und Mensch
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Dr Ivonne Kaiser mit Objekt INV0212  Landesmuseum Natur und Mensch
Dr Ivonne Kaiser mit Objekt INV0212 Landesmuseum Natur und Mensch

In etlichen Museumssammlungen des globalen Nordens haben
Objekte überdauert, die in den Regionen ihrer Herkunft aufgrund
systematischer Entnahme kaum noch zu finden sind. Im Landesmuseum Natur
und Mensch Oldenburg wird nun ein solcher Bestand – die sogenannte
Sammlung Kuprejanov – im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts
erschlossen und digitalisiert. Das Museum sucht hierfür auch den Kontakt
mit den Herkunftsgesellschaften der Objekte. Die Sammlung kam bereits in
den Jahren 1843/44 zu Zeiten des russischen Zarenreichs in das Oldenburger
Museum. Sie umfasst rund 140 ethnologische und naturkundliche Objekte aus
dem heutigen Alaska und angrenzenden Kanada.

Möglich wird die Bearbeitung der Sammlung durch die Förderung im Programm
„Pro*Niedersachsen – Kulturelles Erbe“ des Niedersächsischen Ministeriums
für Wissenschaft und Kultur.

„Die Sammlung Kuprejanov ist das Herzstück unseres ethnologischen
Bestandes. Ist sie digital verfügbar, sind die Objekte endlich breit
recherchierbar und nutzbar. Wir wollen, dass die Angehörigen der First
Nations von der Existenz ihres kulturellen Erbes in unserem Museum
erfahren können. Und auch für die weitere Beforschung dieser besonderen
Sammlung ist dieser Schritt essenziell. Mithilfe des Förderprogramms wird
das nun möglich“, sagt die projektverantwortliche Wissenschaftlerin, Dr.
Ivonne Kaiser.

Das Projekt „Russisch-Amerika in Oldenburg – Provenienzforschung und
Digitalisierung der Sammlung Kuprejanov im Landesmuseum Natur und Mensch
Oldenburg“ hat im Februar begonnen. Im Förderzeitraum von zwei Jahren wird
Dr. Ivonne Kaiser zu jedem Objekt Informationen ermitteln, zusammenführen
und in die Museumsdatenbank aufnehmen. Bereits jetzt hat sie Kontakt mit
Angehörigen der Herkunftsgesellschaften aufgenommen, damit auch originäres
Wissen zu den Objekten in die wissenschaftliche Bearbeitung einfließen
kann. Mit Abschluss des Projekts will das Landesmuseum Natur und Mensch
Oldenburg die Daten zur Kuprejanov-Sammlung digital veröffentlichen.

Die Sammlung Kuprejanov

Bis auf wenige Einzelstücke, die bereits in Sonderausstellungen zu sehen
waren, ist die Sammlung kaum erschlossen. Die Objekte stammen aus frühen
kolonialen Zusammenhängen und weisen Techniken, Farbmuster und Materialien
auf, die es heute in den Herkunftsgebieten so nicht mehr gibt. Das macht
die Sammlung umso wichtiger für die Nachkommen der Hersteller:innen der
Objekte und für die Wissenschaft.

Die genauen Erwerbsumstände der Sammlung sind ungeklärt. Bekannt ist, dass
die ethnologischen und naturkundlichen Exponate von Ivan Antonovich
Kuprejanov (1794-1857) erworben wurden. Kuprejanov war in den Jahren 1835
bis 1840 Gouverneur im heutigen Alaska, damals Russisch-Amerika. Erste
Station der Objekte nach Verlassen ihrer Herkunftsregionen an der
Nordwestküste Amerikas, war St. Petersburg. Der Weg ins Oldenburger Museum
wurde aufgrund der dynastischen Beziehungen des Hauses Oldenburg zum
russischen Zarenhof möglich. Wegen dieser Verbindung konnte der damalige
Museumsvorstand, Alexander von Rennenkampff, die Objekte für das
Großherzogliche „Naturalien-Cabinett“ erhalten. Sie kamen 1843/1844 ins
Haus und bilden den Grundstock der ethnologischen Sammlung des 1836
gegründeten Museums, dem heutigen Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg.