Battery Pass Konsortium veröffentlicht Content Guidance für den EU- Batteriepass
Ein Konsortium aus elf führenden internationalen Organisationen aus
Industrie, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft hat heute den ersten
öffentlich zugänglichen Leitfaden (Content Guidance) für den EU-
Batteriepass veröffentlicht. Er unterstützt die Umsetzung des in der neuen
EU-Batterieverordnung vorgeschriebenen Batteriepasses in einer Weise, die
industriell machbar ist und die ökologischen wie wirtschaftlichen Vorteile
eines digitalen Produktpasses gewährleistet.
Die vom Projekt Battery Pass mit Kofinanzierung des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) herausgegebene Content Guidance richtet
sich in erster Linie an Organisationen, die für die Implementierung des
Batteriepasses verantwortlich sind (“responsible economic operators”),
sowie an andere Teilnehmer der Batterie-Wertschöpfungskette. Sie bietet
eine zeitnahe und umfassende Anleitung, wie die Einhaltung der
Batterieverordnung erreicht und mehr Nachhaltigkeit und Zirkularität
ermöglicht werden kann.
Die Content Guidance wurde auf der Hannover Messe offiziell im Rahmen des
Bühnenprogramms des Ministeriums zum Förderschwerpunkt
„Batteriezellenproduktion in Deutschland: Nachhaltige
Batteriezellenproduktion – ein Grundstein für die klimafreundliche
Mobilität der Zukunft“ an Michael Kellner, Parlamentarischer
Staatssekretär im BMWK, übergeben.
Anlässlich der Übergabe sagte Michael Kellner:
„Die Ergebnisse des Batteriepass-Projekts sind ein wichtiger Meilenstein
in der dreijährigen Projektlaufzeit, sowie für digitale, nachhaltige
Batterie-Wertschöpfungsketten insgesamt. Sie werden Unternehmen, die
Batteriepässe entwickeln, helfen, diese effizient und EU-rechtskonform zu
gestalten. Es kann auch eine solide Grundlage für die allgemeine
Entwicklung von digitalen Produktpässen sein, die in Zukunft in anderen
Sektoren eingeführt werden. Nicht zuletzt ist es ein Paradebeispiel für
einen Beitrag mehrerer Interessengruppen zur europäischen Agenda des
ökologischen und digitalen Wandels der Wirtschaft.”
In dem Bestreben, Transparenz und Unterstützung für die Industrie und das
erweiterte Ökosystem des Batteriepasses zu schaffen,
- fasst die Content Guidance die inhaltlichen Anforderungen der EU-
Batterieverordnung zusammen, interpretiert und bewertet sie. Dies
beinhaltet das Hervorheben von Unklarheiten und Unstimmigkeiten des
Gesetzestextes und des Geltungsbereichs sowie die Sicherstellung eines
angemessenen Ausgleichs zwischen Nachhaltigkeitszielen und industrieller
Umsetzbarkeit;
- untersucht der Leitfaden weitere wichtige rechtliche Rahmenbedingungen
wie die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, um
Harmonisierungspotenziale mit anderen Gesetzgebungen aufzuzeigen;
- und schlägt die Content Guidance zusätzliche wertschöpfende Aspekte vor,
die über den verbindlichen Regelungsbereich hinausgehen, um mehr
Nachhaltigkeit und eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen.
Die Content Guidance wird durch zwei weitere Dokumente ergänzt: eine
kompakte und benutzerfreundliche ‘Battery Passport Data Longlist’, die die
ca. 90 in der EU-Batterieverordnung aufgeführten obligatorischen
Datenattribute sowie weitere freiwillige Vorschläge enthält; und Regeln
für die Berechnung des CO2-Fußabdrucks der Batterie-Lebenszyklusphasen
„Distribution“ und „Lebensende und Recycling“. Letzteres wurde in
Zusammenarbeit mit der Global Battery Alliance (GBA) entwickelt und
ergänzt das bereits veröffentlichte ‘GBA GHG Rulebook‘ (Version 1.4). Die
Kombination beider Dokumente stellt das erste ‘Cradle-to-Grave Product
Carbon Footprint Rulebook’ dar, das für die Etablierung einer
kreislauforientierten Batteriewirtschaft entwickelt wurde (parallel von
der GBA als Version 1.5 veröffentlicht). Dies ist die Grundlage,
Unternehmen bei der Sammlung und Aggregation von unternehmensspezifischen
Product-Carbon-Footprint-Daten zu unterstützen und somit reale
Emissionsreduzierungen zu ermöglichen.
Sophie Herrmann, Partnerin der Systemiq GmbH und Programmdirektorin des
Battery Pass-Konsortiums, sagte: „Digitale Batteriepässe können dazu
beitragen, die Auswirkungen der Batterieherstellung, wie z.B.
Treibhausgasemissionen, zu verringern, die Ressourceneffizienz entlang der
gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen und die Einhaltung von
Menschenrechtsstandards besser zu gewährleisten. Sie sind ein
entscheidender Aspekt bei der Sicherstellung einer stabilen Versorgung mit
kritischen Rohstoffen für die Mobilitätswende in Europa. Die Content
Guidance ist für alle Teilnehmer des Ökosystems des digitalen Passes
gedacht – von Akteuren der Batteriewertschöpfungskette bis hin zu
Standardisierungsorganisatione
enge Zusammenarbeit mit letzteren, insbesondere mit der Global Battery
Alliance, CIRPASS und Catena-X, war im letzten Jahr sehr fruchtbar, und
das Battery Pass Projekt wird diese Beziehungen weiter vertiefen, um
Harmonisierungs- und Synergiepotenziale zu maximieren.“
Prof. Dr.-Ing. Thomas Weber, Präsident, acatech – Deutsche Akademie der
Technikwissenschaften, sagte: „acatech freut sich, gemeinsam mit unseren
langjährigen Partnern zum Battery Pass beizutragen. Wir wollen den
digitalen Produktpass als Teil des entstehenden europäischen digitalen
Ökosystems gestalten. Der Battery Pass ergänzt weitere acatech Aktivitäten
wie Gaia-X oder den Mobility Data Space und ist ein Baustein zur Umsetzung
einer Datenökonomie. Der vertrauenswürdige Informationsaustausch in der
Batterie-Wertschöpfungskette, wie er in dieser Content Guidance
beschrieben wird, ist ein Eckpfeiler für eine Kreislaufwirtschaft: Er
bringt den doppelten Wandel von Nachhaltigkeit und Digitalisierung
zusammen.“
Im Laufe des Jahres 2023 wird das Battery Pass-Projekt erkunden, wie die
Content Guidance in Zusammenarbeit mit anderen Interessengruppen
weiterentwickelt werden kann. In der Zwischenzeit wird es sich darauf
konzentrieren, den ersten technischen Bezugsrahmen in Übereinstimmung mit
den EU-Anforderungen zu gestalten. Dieser wird es jedem
Wirtschaftsbeteiligten und anderen Batteriepass-Rahmenwerken ermöglichen,
konforme und interoperable Pässe zu entwickeln.
