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Mach mal leise“ – 18. Jenaer Akustik-Tag am 26. April 2023 an der Ernst- Abbe-Hochschule Jena

Dr. Martin Fischer referiert über akustische Anforderungen bei der Fahrwerksentwicklung  Christina Nolte  EAH Jena
Dr. Martin Fischer referiert über akustische Anforderungen bei der Fahrwerksentwicklung Christina Nolte EAH Jena
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Dr. Martin Fischer referiert über akustische Anforderungen bei der Fahrwerksentwicklung  Christina Nolte  EAH Jena
Dr. Martin Fischer referiert über akustische Anforderungen bei der Fahrwerksentwicklung Christina Nolte EAH Jena

Am 26. April 2023 führte der Jenaer Akustik-Tag wieder Menschen aus
Wissenschaft, Industrie, Verwaltung und Öffentlichkeit in der Aula der
Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena zusammen. Zu den etwa 60 Gästen gehörten
auch 20 Studierende. Der Tag gegen Lärm findet seit vielen Jahren Ende
April statt. Das diesjährige Motto beschreibt das Anliegen positiv: „Mach
mal leise“.

Die Fähigkeit Geräusche wahrzunehmen ist eine geniale Möglichkeit der
Orientierung für Tier und Mensch. Vieles passiert unbewusst. Das Ohr ist
immer auf Empfang. Unerwünschter Hörschall, also Lärm, kann da zu
Belästigungen, Beeinträchtigungen oder gar Schäden führen, die das
seelische und körperliche aber auch soziale Wohlbefinden beeinträchtigen.
Störungen in Erholungsphasen erzeugen beispielsweise Stress und belasten
das Herzkreislaufsystem. Behinderung von Kommunikation kann zu
Missverständnissen und Gefahrensituationen und Gehörverlust zur Isolation
führen. Es gibt also ausreichend Motivation, für die Fragen der Entstehung
und Wirkung von Geräuschen zu sensibilisieren und ggf. nach Ansätzen ihrer
Vermeidung oder Reduktion zu suchen. Genau das ist Ziel der Aktionen zum
Tag gegen Lärm. Als eine davon versteht sich der mittlerweile zur
Tradition gewordene Jenaer Akustik-Tag.
In mehreren Vorträgen wurden die Schwerpunkte Schallemission,
Schallausbreitung, Lärmwirkung und Geräuschminderung in konkreten
praktischen Zusammenhängen betrachtet. Prof. Christian Dobel von der HNO-
Klinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter der
Tinnituszentrums berichtete zum Beispiel aus seinem Arbeitsumfeld über
„Die Messung des Tinnitus als Verhaltensphänomen“. Dabei war interessant
zu erfahren, dass der Tinnitus an sich eigentlich nicht zu behandeln ist,
sondern die Therapie auf ein Leben mit dieser Erscheinung abzielt. Der
individuelle Leidensdruck ist die medizinische Messgröße. Für die
Entwicklung von Maßnahmen zur Lärmreduktion ist die Lokalisierung von
Schallquellen eine wichtige Grundlage. Dr. Thomas Rittenschober von der
Firma Seven Bel aus Linz stellte dazu eine effektive Methode mit bewegten
Mikrofonen vor. Bei der Fahrzeugentwicklung spielt die Verbindung von
Luft- und Körperschall eine wesentliche Rolle. Zu konkreten Anforderungen
in diesem Bereich trug Dr. Martin Fischer von Thyssenkrupp Automotive in
Eschen vor.
Zahlreiche Rückfragen aus dem Publikum zu den Vorträgen verdeutlichten das
rege Interesse an diesen Themen. Dr. Fischer, ehemaliger Promovend der EAH
Jena, resümierte: „Ich bin gern nach Jena zum Akustik-Tag gekommen, denn
ich möchte Menschen für Akustik begeistern. Es war eine tolle Gelegenheit,
alte Kolleginnen und Kollegen wiederzutreffen und mich mit neuen
Akustikfachleuten zu vernetzen.“
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden den Gästen entsprechende Labore an
der EAH Jena gezeigt. Besonders beeindruckte die Wirkung des schallarmen
Halbraums mit sehr geringen Nachhallzeiten. Im Hallraum bemerkten Gäste
vom IDMT (Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie) Ilmenau:
"Gut zu wissen, dass es so etwas in Thüringen gibt."
In allen Beiträgen fand sich mehr oder weniger die Botschaft: Mach mal
leise!