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Urban Supply Chain Symposium: Solarboot, Drohne, autonomes Lastenrad? Lösungen für eine nachhaltige Stadtlogistik

Urban Supply Chain Symposium am Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin  Maurice Renois  HTW Berlin
Urban Supply Chain Symposium am Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin Maurice Renois HTW Berlin
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Urban Supply Chain Symposium am Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin  Maurice Renois  HTW Berlin
Urban Supply Chain Symposium am Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin Maurice Renois HTW Berlin

75 Expert*innen der urbanen Logistik aus Praxis, Politik und Wissenschaft
tauschten am 27. und 28. April auf dem 2. Urban Supply Chain Symposium der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin erfolgreich Perspektiven,
Visionen und konkrete Lösungen für eine nachhaltige Stadtlogistik aus. Die
zentrale Erkenntnis: Nachhaltige Konzepte können nur im kooperativen Stil
entwickelt und umgesetzt werden. Key Notes und Podiumsdiskussionen waren
hochrangig mit Vorständen, Politiker*innen und erfahrenen
Wissenschaftler*innen besetzt. Referiert wurde in drei Themenblöcken:
Ziele, Steuerung und Regulation von Wirtschaftsverkehr (1), Flächen und
Mikro-Hubs (2) und Innovative Transportmittel (3).

Auf dem von Prof. Dr. Stephan Seeck (HTW Berlin) ausgerichteten Urban
Supply Chain Symposium debattierten 75 Expert*innen der Urbanen Logistik
aus ganz Deutschland über Herausforderungen und Lösungen für die
nachhaltige Belieferung von urbanen Räumen. Politik, kommunale Verwaltung,
Verbände, Logistikdienstleister, Versender, Technologieanbieter und die
Wissenschaft behandelten die drei Themen aus unterschiedlichen
Perspektiven: Ziele, Steuerung und Regulation von Wirtschaftsverkehr (1),
Flächen und Mikro-Hubs (2), Innovative Transportmittel (3). Die
Veranstaltung bestätigte, dass neue Konzepte und Lösungen für die urbane
Logistik nur ganzheitlich und im kooperativen Stil entwickelt werden
können. “Wir haben nicht genug getan. Optimieren, reduzieren, vermeiden.
Jeder von uns, sofort!”, rief Key-Note Speaker Marco Schlüter (COO, Hermes
Germany) die Akteure zum aktiven Handeln auf.

Erkenntnis Thema 1: Ziele, Steuerung und Regulation von Wirtschaftsverkehr

31 Prozent der Berliner Emissionen entstehen durch Verkehr. Private
Mobilität nimmt ab, der Wirtschaftsverkehr zu. Best Practice-Beispiele
seitens Kommunen sind z. B. Liefer-/Ladezonen und multifunktionale Mikro-
Depots, die nicht nur als Logistikfläche fungieren, sondern auch einen
sozialen Charakter als Nachbarschaftstreffpunkt erfüllen. Auch
Paketstationen stehen sie offen gegenüber, sofern diese anbieterneutral
sind. Regulierung wird kontrovers diskutiert, Einigkeit besteht jedoch im
Punkt, dass zuerst Lösungen angeboten werden müssen, bevor die
Regulierung, z. B. durch Einfahrtsbeschränkungen kommt. Ein White-Label-
Logistikdienst sieht die Wirtschaft als unrealistisch an, unter anderem
aufgrund der Datenaustausch-Problematik. An Key Notes und/oder
Podiumsdiskussionen in diesem Themenblock waren beteiligt Carola Pahl
(Projektleitung nachhaltige Stadtlogistik, Wiesbaden), Christoph Wurth
(Geschäftsbereichsleiter Auslieferung, Deutsche Post DHL), Dr. Meike
Niedbal (Staatssekretärin Mobilität, Berliner Senat), Heike Bunte
(Klimamanagerin Mobilität, Hamburg-Altona), Oliver Igel
(Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick), Sebastian Czaja (FDP).

Erkenntnis Thema 2: Flächenknappheit und Mikro-Depots

Die dringend benötigten Flächen für Mikro-Depots und Paketboxen sind
knapp. Kommunen nehmen sich vor, kreativ zu werden, um vorhandene Flächen
anzubieten, können dies jedoch nur zeitlich begrenzt tun. Gleichzeitig
wächst das privatwirtschaftliche Angebot an Flächen, z. B. in Parkhäusern.
Wichtig in der Planung von Mikro-Depots ist, diese gemeinsam mit
Logistikprozessen zu denken, um einen effizienten und reibungsfreien
Betrieb zu ermöglichen. Attraktive Mikro-Depot-Standorte liegen primär im
Inneren der Stadt, aber auch verdichtete Außenbezirke können hohe
Potenziale bieten. Insbesondere Lastenräder können in solchen Gebieten
wirtschaftlich sein, wenn ca. 100 Sendungen pro km² erreicht werden und
die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs < 15 km/h ist.
Logistikdienstleister fordern von den Kommunen eine klare Strategie und
klare Ansprechpartner*innen, um nicht nur temporäre Pilotprojekte zu
starten, sondern langfristig und planbar Prozesse umzustellen, kurz: ein
„Ja“ zur Logistik. Konsens herrscht, dass Logistik-Flächen in Neubauten
berücksichtigt werden sollen. An Key Notes und/oder Podiumsdiskussionen in
diesem Themenblock waren beteiligt Inga Töller (CMO, Onomotion), Kathrin
Zabel (Vorstand, ProPaketBox), Marco Schlüter (COO, Hermes), Martin
Schmidt (CEO, Cycle Logistics), Nico Keinath (Referent Wirtschaftsverkehr
Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz
Berlin), Niels Christ (Director, Apcoa), Saskia Ellenberg
(Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg).

Erkenntnis Thema 3: Innovative Transportmittel – der Mix macht’s

Innovative Transportmittel wurden in Pilotprojekten erprobt und
Einsatzszenarien aufgezeigt: Mit Solarboten liefert DHL 350 Pakete täglich
zum Berliner Westhafen und von dort mit Lastenrädern aus. Autonome
Lastenräder eignen sich zur Unterstützung der Zusteller*innen in
hochverdichteten Gebieten. Komplett autonome Fahrzeuge können in
Kombination mit Zustellrobotern kleinere Sendungsmengen effizient
zustellen. Die Paketzustellung per Tram und Lastenrad soll weiter in einem
Frankfurter Mischgebiet getestet werden. Die Drohne eignet sich für eher
schlecht angebundene ländliche Bereiche. Doch es wird keine
allgemeingültige Lösung geben, es muss einen Mix an innovativen
Transportmitteln und weiteren Maßnahmen geben. Die Politik muss
Rahmenbedingungen schaffen, Wissenschaft und Praxis ganzheitliche Konzepte
entwickeln und die Praxis die Lösungen in die Breite bringen. Dies gelingt
nur kooperativ. An Key Notes und/oder Podiumsdiskussionen in diesem
Themenblock waren beteiligt Andreas Schwager (Projektmanager, Deutsche
Post DHL), Prof. Dr. Birte Malzahn (HTW Berlin), Gerd Seber
(Sustainability Manager, DPD), Julian Maas (Wissenschaftlicher
Mitarbeiter, TU Berlin), Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke (UAS Frankfurt),
Martin Schmidt (Cycle Logistics), Dr. Tom Assmann (Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg).

Über das Urban Supply Chain Symposium:

Das Urban Supply Chain Symposium schafft einen Raum, um Akteure aus
Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen und auf fachlich
hohem Niveau über gemeinsame Visionen, Herausforderungen und konkrete
Lösungen für eine nachhaltige urbane Logistik zu debattieren. Dies
geschieht in einem einzigartigen Format aus Key Notes, Podiumsdiskussionen
und Round Tables, in denen jeder und jede zur Wort kommt. Die Begrenzung
auf 75 Teilnehmer*innen ermöglicht einen qualitativ hochwertigen
Austausch. Die Veranstaltung ist deutschsprachig und findet seit 2022
jährlich statt.