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Sucht im Fokus: verschiedene Erscheinungsformen und die daraus resultierenden Probleme untersuchen

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Frankfurt UAS feiert 25-jähriges Bestehen des Instituts für Suchtforschung
(ISFF)

Das Institut für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied
Sciences (Frankfurt UAS) hat am 22. Mai 2023 sein 25-jähriges Bestehen
gefeiert. Aus diesem Anlass hatte das Team um Institutsleiter Prof. Dr.
Heino Stöver ein wissenschaftliches Symposium organisiert. Unter dem Titel
„25 Jahre ISFF – Erfahrungen, Erkenntnisse, Perspektiven“ waren zahlreiche
Gäste geladen, die dem Institut seit langem durch persönliche Kontakte und
wissenschaftliche Arbeit verbunden sind. Förderer und Partner gratulierten
und es wurde sich zu aktuellen (Forschungs-)Projekten und dem Stand der
Suchtforschung ausgetauscht.

Das ISFF wurde 1997 von Prof. Dr. Volker Happel, Prof. Dr. Dieter Henkel
und Prof. Dr. Irmgard Vogt ins Leben gerufen. Es sieht seine Aufgabe
darin, Sucht in ihren verschiedenen Erscheinungsformen sowie die mit Sucht
in Zusammenhang stehenden Probleme und Aspekte zu erforschen. Das Institut
fördert den Ausbau von interdisziplinären Beziehungen zu
Kooperationspartnern auf regionaler, nationaler, europäischer und
internationaler Ebene. Forschungsprozesse und -resultate finden in Lehre
und Studium Berücksichtigung. Seit dem Amtsantritt von Stöver im Jahr 2009
sind insgesamt rund 10 Millionen Euro Forschungsmittel eingeworben worden,
davon 9,45 Millionen Euro Drittmittel. In den letzten 15 Jahren sind
allein elf EU-Projekte durchgeführt worden, bei denen das ISFF entweder
die Leitung innehatte, oder als Partner fungierte.

„Eingebunden in die Frankfurt UAS verkörpert das ISFF den Anspruch einer
Hochschule für Angewandte Wissenschaften einen Theorie-Praxis-Transfer zu
leisten in herausragender Weise“, erklärt Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke,
Präsident der Frankfurt UAS. Die vielen Forschungsprojekte, die
zahlreichen Konferenzen, Fachtagungen und Workshops zeigten dies ebenso
wie die engen Verknüpfungen des Instituts mit Praxispartnern im In- und
Ausland. Bei allen Projekten geht es am Ende immer um einen Transfer der
Ergebnisse zur Zielgruppe bzw. den wichtigen Schlüsselinstitutionen, der
in Form von Handlungsempfehlungen, Handbüchern, Ratgebern und Beispielen
guter Praxis übermittelt wird.

Aktuelle Forschungsarbeiten des ISFF sind unter anderem: Take-Home Naloxon
in Deutschland, Motive und Hintergründe für den Konsum von Shishas, Harm
reduction in prisons in Europe sowie Drogen und HIV/Aids in Zentralasien;
hier insbesondere das Projekt SOLID (Social work and strengthening of NGOs
in development cooperation to treat drug addiction). Zu den
abgeschlossenen Projekten gehören beispielsweise: Konsum von
elektronischen Dampferzeugnissen (eDe) unter Jugendlichen, Drogenkonsum
und Sucht bei Menschen nicht-heterosexueller Orientierung (LGBQ und
Sucht), Erhebung von Ansätzen guter Praxis zur Integration und Aktivierung
suchtkranker Leistungsberechtigter nach dem SGB II sowie Flüchtlinge und
Suchtproblematik. Das ISFF hat ein Doktorandenkolloquium aufgebaut mit
zurzeit acht Promovendinnen und Promovenden. Die Ergebnisse dieser
Dissertationen fließen in die Lehre und weitere Forschung ein. Zu den
Förderern des ISFF gehören unter anderem die Stadt Frankfurt am Main, das
Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), das
Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF), die Europäische Union (EU) und die
Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zu den Projektpartnern gehören
beispielsweise das Drogenreferat der Stadt Frankfurt, der Verein
Integrative Drogenhilfe und die Deutsche Aids-Hilfe sowie der
Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik
(akzept). Darüber hinaus bestehen aber auch viele langjährige
Forschungskooperationen, etwa zum Centre for Drug Research der Goethe-
Universität Frankfurt, dem Deutschen Institut für Sucht- und
Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule Nordrhein-
Westfalen, Abteilung Aachen, dem Zentrum für interdisziplinäre
Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg und dem Institut für Public
Health und Pflegeforschung der Universität Bremen.

„Forschung im Bereich des Konsums psychotroper Substanzen tut dringend
Not. Vor allem der Konsum der Volksdrogen Tabak und Alkohol stellt uns vor
große Herausforderungen, denen sich das ISFF gestellt hat und weiterhin
stellen wird“, betont Stöver. Beim Thema Tabak spreche man über jährlich
127.000 rauchbedingte frühzeitige Sterbefälle und ca. 450.000
rauchbedingte stationäre Behandlungen sowie 2,9 Millionen an der
Lungenkrankheit COPD Erkrankte, davon wiederum 80 bis 90 Prozent
rauchbedingt. Beim Alkohol seien es jährlich über 74.000 frühzeitige
Sterbefälle und hohe Zahlen beim Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) und dem
Korsakow-Syndrom. „Angesichts dieser massiven Problemlagen, den hohen
Mortalitäts- und Morbiditätsraten, wird viel zu wenig Geld investiert, um
die Ursachen riskanten Alkohol- und Tabakkonsum zu erforschen, wirksame
Hilfen bereitzustellen und einen adäquaten Umgang mit drogenabhängigen
Menschen zu organisieren. Aber auch in Bezug auf die illegalen Substanzen
gibt es erheblichen Bedarf zielgruppenspezifische und lebensweltnahe
Prävention, Beratungen, Behandlungen und Nachsorge anzubieten. Die
zentralen Dimensionen sozio-ökonomischer Status, Geschlecht, Alter,
Migration sollten dabei als Querschnittsdimensionen stets mitgedacht
werden“, so Stöver.

„Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit
des ISFF gerade auch für die Stadt Frankfurt am Main“, bekräftigt Prof.
Dr. Barbara Klein, Dekanin des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit.
Nicht nur die jährliche Dokumentation der vier Frankfurter
Drogenkonsumräume in den letzten 20 Jahren, sondern auch die kleineren
Forschungsarbeiten beispielsweise zu „Drogennot und -todesfällen“,
„Unterstützung bei der Haftentlassung – Reintegration drogenabhängiger
Menschen in Frankfurt“ sowie „Suchtkranke Menschen in prekären
Wohnverhältnissen – Wohnungslosigkeit unter Heroin- und
Crackkonsumentinnen und -konsumenten in Frankfurt“ seien für die Menschen
und die Stadt wichtige Bausteine der Drogenpolitik gewesen.

Weitere Informationen zum ISFF unter <www.frankfurt-university.de/isff>;
ein Film zum 25-jährigen Jubiläum unter:
<https://www.youtube.com/watch?v=dGT34cDKTmM>.