Paläo-Comics – neue Wege der Wissenschaftskommunikation
Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie gut sich Comics eignen, um
paläontologisches Wissen zu vermitteln. Und das nicht nur für Kinder und
Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. SNSB Wissenschaftler Dr. Oliver
Wings wagte sich an ein neues Format der Wissenschaftskommunikation. Seine
Graphic Novel „Europasaurus – Urzeitinseln voller Leben“ erzählt
bildgewaltig die Geschichte der Lebewelt aus einer der wichtigsten
mesozoischen Fundstellen für fossile Wirbeltiere in Europa - dem
Steinbruch Langenberg in Niedersachsen. Eine begleitende Studie zum Paläo-
Comic und Dinosauriercomics allgemein ist nun in der Fachzeitschrift
Geoscience Communication erschienen.
SNSB Paläontologe, Dr. Oliver Wings, Leiter des Naturkundemuseums Bamberg,
und der Paläokünstler Joschua Knüppe haben die Ergebnisse der langjährigen
Forschung an den fossilen Organismen und dem spätjurassischen Ökosystem
der Fundstelle Langenberg bei Goslar in Form einer comicartigen
Bildergeschichte in Buchform dargestellt, einer sogenannten Graphic Novel.
Ziel der Autoren war es niederschwellig und dennoch fachlich fundiert
paläontologisches Wissen über die längst vergangene Lebewelt der Jurazeit
in Norddeutschland weiterzugeben.
Hauptfigur des Wissenschaftscomics „Europasaurus – Urzeitinseln voller
Leben“ ist der kleine sauropode Dinosaurier Europasaurus, Bewohner einer
Insel inmitten eines tropischen Archipels. Im damaligen Flachmeer
wechselten sich Schwamm- und Korallenriffe mit unterschiedlich großen
Inseln ab – so sah ganz Deutschland in der Jurazeit aus, vor 154 Millionen
Jahren. Fossile Überreste des Europasaurus finden sich ausschließlich in
der Fossilfundstelle Langenberg. Es tummeln sich aber auch viele andere
Wirbeltiere im reich illustrierten Buch. Unter anderem die ersten
Säugetiere aus dieser Zeit in Deutschland, allesamt belegt durch echte
Fossilfunde. „Unser Anspruch war der direkte Bezug zu tatsächlichen
gefundenen Fossilien. Ganz bewusst kommt unsere Graphic Novel mit ganz
wenigen, zweisprachigen Texten in Englisch und Deutsch aus. Der Fokus lag
dabei auf detailgetreuen und wissenschaftlich korrekten Illustrationen“,
erläutert Oliver Wings vom Naturkundemuseum Bamberg, einem von fünf
Regionalmuseen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns
(SNSB). Der Paläontologe hat die Bildergeschichte wissenschaftlich betreut
und den populärwissenschaftlichen Anhang mit Hintergrund-informationen
erstellt. Ermöglicht wurde die Erstellung des Buches durch eine Förderung
der Volkswagen Stiftung.
Wissenschaftler:innen wie auch wissenschaftliche Fachjournale nutzen immer
häufiger sogenannte Science Comics oder auch Graphic Novels, ganze
Comicromane, als modernes Format zur Vermittlung wissenschaftlicher
Inhalte. Die Umweltwissenschaften sind hier Vorreiter mit Comics zu
Klimakrise oder anderen Umweltthemen. Die Bild-Text-Erzählungen richten
sich dabei nicht nur an Kinder und Jugendliche, sondern auch an erwachsene
Leser:innen. Dies belegt auch eine aktuelle Studie der Forschergruppe um
Dr. Wings, die nicht nur die Vielfalt von Paläo-Comics weltweit aufzeigt,
sondern auch die Ergebnisse einer Umfrage unter den Leser:innen der
Graphic Novel um Europasaurus präsentiert und Anregungen für ähnliche
geplante Projekte bereithält. Die Arbeit ist nun als „Highlight Article“
in der Fachzeitschrift Geoscience Communication der European Geosciences
Union (EGU) erschienen und kostenlos im Open Access zugänglich.
Die Geschichte von Dinosauriern und anderen Urzeit-Wesen in der Welt der
Comics reicht bis in das Jahr 1893 zurück. Seit damals dienen
prähistorische Wesen in Comics meist der reinen Unterhaltung, ohne
Interesse an paläontologischer Wissensvermittlung. Dr. Jan Fischer,
Mitautor der Studie und Experte für Urzeit-Comics am Urweltmuseum GEOSKOP
auf Burg Lichtenberg (Pfalz) bei Kusel: „Unser Artikel ist nicht zuletzt
auch eine Empfehlung für gute, unterhaltsame Dino-Comics. Es gibt eine
Vielzahl an großartigen Geschichten und Serien, auch aus Deutschland, die
definitiv einen Blick wert sind. Paläontologie kann auch Spaß machen!“
Nicht zuletzt die Ergebnisse der nun veröffentlichten Umfrage belegen,
dass sich das leicht zugängliche Comic-Format optimal zur nachhaltigen
Präsentation von Paläo-Forschung eignet. „Es freut uns sehr, dass fast
alle Leserinnen und Leser, durch alle Altersgruppen hinweg und mit
unterschiedlichstem Vorwissen, in unserem Buch für sie neue Informationen
fanden. Auch die Zweisprachigkeit wurde sehr gut angenommen. Über zwei
Drittel der Befragten gaben an, ihre Fremdsprachenkenntnisse durch die
Lektüre verbessert zu haben“, so Oliver Wings.
„Saurier-Comics sind nicht nur etwas für Kinder, sondern können ein
geeignetes Kommunikationsmittel wissenschaftlicher Ideen für alle
Altersstufen sein: Bunt, aufregend, kurzweilig und dennoch informativ“,
ergänzt Jan Fischer.
Oliver Wings und seine Kolleg:innen wollen insbesondere andere
Geowissenschaftler:innen ermutigen, ihre Forschungsergebnisse der
Öffentlichkeit auf ähnliche Weise zu vermitteln. Der Paläokünstler Joschua
Knüppe: „Wir hoffen, dass unser Beitrag eine Vorlage für andere ähnlich
gelagerte Projekte in der Wissenschaftskommunikation sein wird.“
