Online-Tutorial von und mit Jugendlichen klärt über Depression auf
6% der Jugendlichen depressiv erkrankt – Jugendliche durch Pandemie
psychisch besonders betroffen – Jugendbeirat gestaltet Clips mit
Leipzig, 1.6.2023 ¬ Mit dem neuen kostenfreien Online-Tutorial „Alles
Gut?!“ klärt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Schülerinnen und Schüler über Depression auf. In fünf kurzen Videoclips
erhalten Jugendliche unter www.deutsche-depressionshilfe.
wichtigsten Basisinformationen über die Erkrankung. Ziel ist es,
Vorurteile abzubauen und Betroffenen den Zugang zu professioneller Hilfe
zu erleichtern. Bei der Gestaltung der Clips war der Jugendbeirat der
Stiftung intensiv beteiligt. Die dort ehrenamtlich engagierten
Jugendlichen gaben wichtige Impulse, welche Fragen in den Clips dringend
beantwortet werden sollten und wie die Inhalte für junge Menschen
ansprechend aufbereitet werden können. Zudem berichten zwei Jugendräte im
Videomaterial selbst über ihre Erfahrungen mit der Erkrankung. Angeschaut
werden können die Videos kostenfrei unter www.deutsche-depressionshilfe.
/alles-gut sowie auf den Social-Media-Kanälen der Stiftung.
Ein bis zwei Schüler pro Klasse depressiv erkrankt
Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern
und Jugendlichen. Etwa 6 Prozent aller Jugendlichen erkranken an einer
Depression (Jarczok et al., 2017). Das sind im Schnitt ein bis zwei
Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Kernsymptome sind
Niedergeschlagenheit, der alle Lebensbereiche betreffende Verlust von
Interesse und Freude sowie ein starkes Erschöpfungsgefühl. Betroffenen
Jugendlichen fällt es schwer, sich in der Schule zu konzentrieren.
Freundschaften und Hobbies werden vernachlässigt. Hinzu kommen
Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, oft mit Gewichtsverlust und die Neigung
zu Schuldgefühlen. „Obwohl bis zu zwei Jugendliche pro Klasse von
Depression betroffen sind, wird in Schulen wenig über die Erkrankung
gesprochen und das Thema fehlt in den Lehrplänen. Ein offener Umgang mit
psychischen Erkrankungen beginnt im Jugendalter. Mit den Video-Tutorials
wollen wir diese Lücke schließen“, erklärt Stiftungsratsmitglied Prof.
Martin Holtmann (Kinder- und Jugendpsychiater/ Ärztlicher Klinikdirektor
der LWL-Uniklinik Hamm), der in den Clips auch als Experte zu sehen ist.
Pandemie verstärkt den Bedarf
Die Depression geht mit einem deutlich erhöhten Risiko an Suizidversuchen
und Suiziden einher. Selbsttötungen sind die zweithäufigste Todesursache
bei jungen Menschen. 2021 nahmen sich 468 Jugendliche und junge Erwachsene
zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland das Leben. Der
Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und
Suizidprävention, Prof. Ulrich Hegerl, erklärt, warum der Bedarf jetzt
noch einmal gestiegen ist: „Die mit der Corona-Pandemie einhergehenden
Maßnahmen haben die psychische Gesundheit von Jugendlichen besonders
negativ beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist eine fundierte
Aufklärungsarbeit über Depression wichtig, damit frühzeitig der Weg in
professionelle Hilfe gefunden wird. Depressionen sind in der Regel gut
behandelbare Erkrankungen.“
Experte und Betroffene berichten von Depression
In den Videos erklärt Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Martin Holtmann
für Jugendliche verständlich die Grundlagen der Depression. Darüber hinaus
teilen Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen und machen die Erkrankung
so greifbar. Zu Wort kommen die 19-jährige Antonia und die ein Jahr
jüngere Katharina aus dem Jugendbeirat der Stiftung Deutsche
Depressionshilfe und Suizidprävention sowie Moderatorin Cathy Hummels und
Gamer Julian Laschewski, die ebenfalls als Jugendliche erkrankten.
Entstanden sind im Rahmen des „Alles Gut?!“-Tutorials fünf Videos zu den
folgenden Schwerpunkten:
• Was ist eine Depression? Wie fühlt sie sich an?
• Was sind die Ursachen der Erkrankung?
• Wie wird eine Depression behandelt?
• Wie kann ich einer betroffenen Freundin/ einem betroffenen Freund
helfen?
• Was kann ich selbst für meine psychische Gesundheit tun?
Diese Fragen werden sowohl aus einer fachlichen als auch aus einer
Betroffenenperspektive beantwortet.
Möglich wurde dieses Aufklärungsprojekt für Schülerinnen und Schüler durch
eine Förderung des „Cathy-Hummels-Programms“. Seit September 2021
organisierte Cathy Hummels mehrere Charity-Dinner, auf denen Spenden
hierfür gesammelt wurden. Insgesamt rund 90.000 Euro kamen zusammen, die
in Projekte zur Depressions-Aufklärung und Hilfe für Jugendliche unter dem
Dach der Stiftung fließen. Darüber hinaus spendete Cathy Hummels Zeit,
indem sie ehrenamtlich als Protagonistin zur Verfügung stand.
Nächster Schritt: Online-Fortbildung für Lehrkräfte zu Depression
In einem nächsten Schritt entwickelt die Stiftung Deutsche
Depressionshilfe und Suizidprävention rund um die Clips ein Online-Tool
für Schülerinnen und Schüler mit ergänzenden Inhalten wie Übungen für den
Alltag (z.B. Tagesplan, Entspannungsübung) und weiterführenden Materialien
(z.B. Informationen zu Hilfsangeboten oder Gesprächsleitfaden für
betroffene Freunde). Ermöglicht wird diese Erweiterung durch die SwissLife
Stiftung für Chancenreichtum und Zukunft.
Darüber hinaus entsteht eine Online-Fortbildung für Lehrkräfte. Oft
bemerken Lehrkräfte Konzentrationsschwierigkeiten, müde Augen oder
Stimmungsveränderungen bei Schülerinnen und Schülern. Sie sind jedoch
unsicher, ob und wie sie betroffene Jugendliche ansprechen sollen und wie
sie helfen können. Aktuell sind Fortbildungsangebote zu diesem Thema in
den einzelnen Bundesländern rar oder nur unzureichend auf den Bereich
„Depression & Suizidalität“ ausgerichtet. Die Veröffentlichung der von
Tribute to Bambi Stiftung geförderten Fortbildung für Lehrkräfte ist für
2024 geplant.
Quelle: Jarczok, T. A. & Holtmann, M. (2017). Pharmakologische und nicht-
pharmakologische Behandlung der Depression im Kindes- und Jugendalter. Die
Psychiatrie, 14(3), 151-159.
Pressekontakt:
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Heike Friedewald, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Goerdelerring 9, 04109 Leipzig
Tel: 0341/22 38 74 12
presse@deutsche-depressionshil
Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention:
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention hat sich die
bessere Versorgung depressiv erkrankter Menschen und die Reduktion der
Suizide in Deutschland zum Ziel gesetzt. Vorstandsvorsitzender ist Prof.
Dr. Ulrich Hegerl. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und
Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet
die Stiftung Betroffenen und Angehörigen unter ihrem Dach vielfältige
Informations- und Hilfsangebote wie das Diskussionsforum Depression und
das deutschlandweite Info-Telefon Depression. In 90 Städten und Kommunen
haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die
Erkrankung leisten. Die Arbeit erfolgt pharma-unabhängig.
www.deutsche-depressionshilfe.
