Rasant wachsende Unternehmen in Europa – welche Eigenschaften teilen sie?
Besonders wachstumsstarke Unternehmen haben spezielle Merkmale, die sie
ihr Geschäft im Vergleich zu anderen Unternehmen schnell skalieren lassen.
Doch welche sind das und wie wirken sie zusammen? Führende europäische
Wissenschaftler im Bereich Entrepreneurship haben dieses Phänomen im
ersten European Scaleup Monitor 2023 analysiert. Eines der zentralen
Ergebnisse: Es sind bei weitem nicht nur junge Tech-Start-ups, die mit
enormer Geschwindigkeit wachsen.
Die Landschaft schnell wachsender Unternehmen in Europa, sogenannter
„Scaleups“, ist vielfältig und keineswegs auf wenige Branchen beschränkt.
Neben den Scaleups, die im jährlichen Durchschnitt mit rasanten 32 %
wachsen (mindestens 10 % per Definition), gibt es jedoch auch noch die
„Hypergrower“, die jährlich mit bis zu 120 % wachsen (mindestens 40 % per
Definition). Auf diese beiden äußerst erfolgreichen aber auch rar gesäten
Unternehmenskategorien konzentriert sich das European Scaleup Institute,
welches jüngst von sechs in Europa führenden Wirtschaftshochschulen
gegründet wurde – die deutsche Beteiligung daran stammt von der WHU – Otto
Beisheim School of Management. Im „European Scaleup Monitor 2023“ haben
Wissenschaftler die Merkmale besonders wachstumsstarker Unternehmen
analysiert und möchten so das Wissen über diese Scaleups bündeln und
teilen, um das unternehmerische Ökosystem in Europa gegenüber der globalen
Konkurrenz zu stärken. „Die meisten gehen davon aus, dass Scaleups junge,
durch Wagniskapital gestützte Unternehmen in der Hightech-Branche sind.
Der erste European Scaleup Monitor zeigt aber deutlich, dass Scaleups sehr
viel diversere Hintergründe haben“, erklärt Prof. Dr. Dries Faems, Inhaber
des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Innovation and Technological
Transformation an der WHU und einer der Initiatoren des European Scaleup
Institutes. „Es ist der Anspruch dieses neugegründeten Instituts, das
Scaleup-Phänomen besser zu verstehen und Unternehmer und politische
Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen, die besten Möglichkeiten zu
finden, um die Zahl von Scaleups im europäischen Ökosystem weiter zu
erhöhen.“
Ein besonders spannendes Ergebnis, welches der erste European Scaleup
Monitor zu Tage gefördert hat, ist, dass besonders schnell wachsende
Unternehmen in der Regel nicht neu gegründet wurden, sondern im
Durchschnitt schon über zehn Jahre existieren. Und auch wenn die meisten
Scaleups in der Technologiebranche beheimatet sind, finden sich schnell
wachsende Unternehmen relativ gleichmäßig verteilt in allen Branchen.
Dabei gelingt es nur einem Bruchteil aller Unternehmen in Europa die
enormen Wachstumsraten auf Dauer halten zu können. Nur ein Prozent aller
Firmen schafft es, in zwei von drei aufeinanderfolgenden Jahren um 20 %
oder mehr zu wachsen. Legt man den Grenzwert von 40 % an, so trifft dies
nur noch auf 0,29 % aller Unternehmen zu. Überraschenderweise skalieren
große Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden ihr Wachstum mehr als
doppelt so schnell wie ihre kleineren Mitbewerber. Besonders verbreitet
sind Scaleups in Helsinki, Dublin und München.
Weitere detaillierte Informationen zu Scaleups, deren Eigenschaften und
dem europäischen Ökosystem finden Sie im European Scaleup Monitor 2023.
