Bunker Requiem - NO MORE WAR“
Am Sonntag, 11. Juni, ab 15 Uhr, wird im Denkort Bunker Valentin die
interdisziplinäre Konzertperformance „Bunker Requiem - NO MORE WAR“ von
Studierenden der Hochschule für Künste (HfK) Bremen aufgeführt.
Ausgangspunkt ist das Graffito „NO MORE WAR“, das einst an der Stirnseite
des ehemaligen U-Boot-Bunkers in Bremen-Rekum zu lesen war.
„Der Schriftzug wurde damals schnell übermalt, bis 2010 nutzte die
Bundeswehr den Bunker als Lagerfläche. Jetzt bringt die Natur die
politische Botschaft erneut ans Tageslicht, die Verwitterung legt die rote
Farbe des Schriftzugs langsam wieder frei und regt uns an, über
verschiedene Zeitschichten, die Künste und Politik, Gedenken und
Erinnerung sowie über die Verbindung und Potentiale unterschiedlicher
künstlerischer Disziplinen mit politischer Bildung nachzudenken“, erklärt
Raphael Sbrzesny, HfK-Professor für Kreation und Interpretation mit den
Schwerpunkten Sound, Performance und Konzept. Zusammen mit Felix Elsner,
HfK-Professor für Musikpädagogik, hat er das Projekt initiiert.
Was ist konkret am 11. Juni im Denkort Bunker Valentin zu erleben? Die
Bunkerwand mit dem „NO MORE WAR“-Schriftzug sieht in Nahaufnahme aus wie
abstrakte Kunst und dient zehn Musiker:innen als grafische Notation, die
sie live verklanglichen. „Zehn Performer:innen agieren mit tragbaren
Lautsprechern und Texten, entwickeln eigene Narrative mit
Schattenspielinterventionen und digitalen Mitteln. Das Ziel: dem
auratischen Moment der pompösen Architektur des Schreckens nicht zu
erliegen, sondern diese im Sinne einer ‚forensischen Pädagogik‘ mit
beweglichen Lichtquellen, Klang und den eigenen Stimmen zu
dekonstruieren“, so Sbrzesny. Dabei würden auch performative Strategien
der Katharsis erprobt.
Mit diesem Projekt schließen die Studierenden an das Recherche-,
Ausstellungs- und Kooperationsprojekt „Re:Bunker“ an, welches 2019 von
Prof. Dr. Mona Schieren und Prof. Katrin von Maltzahn angestoßen und
realisiert wurde. Dabei standen die Architektur, eine Kulturgeschichte des
Bunkers allgemein und die Bildende Kunst im Zentrum der
Auseinandersetzung. Nun erkunden die Studierenden, was es konkret heißt,
an einem Ort Kunst zu machen, an dem bis zu 10.000 Kriegsgefangene, KZ-
Häftlinge, zivile Zwangsarbeiter und Gefangene der Bremer Gestapo für die
NS-Kriegsmaschinerie arbeiten mussten und viele an Unterernährung,
Krankheiten und der Gewalt der Wachmannschaften starben. Wie ist die
Erinnerung daran mit künstlerischen Mitteln lebendig zu halten, ohne
ritualisierte Gedächtniskultur zu bedienen oder „Versöhnungstheater“ zu
machen? Dabei würden Menschen nur sich selbst beweisen, wie weit sie von
den Verbrechen des Nationalsozialismus entfernt und wieder anständig
geworden seien, so der deutsche Publizist Max Czollek. Außerdem
interessiert die Studierenden, wie sich künstlerische und politische
Bildung vereinen lässt, um eine eigene Stimme zu entwickeln und sich damit
in aktuelle gesellschaftliche Diskurse einbringen zu können.
Für die Studierenden – gleichermaßen aus den Bereichen Musik, Freier
Kunst, Integriertem Design und Digitalen Medien – geht es pragmatisch auch
darum, innerhalb der HfK Bremen jeweils andere Disziplinen und
Studiengänge kennenzulernen und gleichzeitig mit einem Ort außerhalb der
Hochschule zu kooperieren. Insbesondere die Studierenden des Fachbereiches
Musik sollen mit unkonventionellen Konzertformaten in Berührung kommen und
neben den klassischen Spielstätten neue Performance-Möglichkeiten
erkunden.
Teilnehmende Studierende: Anna Zineli, Ruben Lyon, Christine Claussen, Qi
Jin, Cora Stam, Ilona Karacsony, Vassilissa Gorbacheva, Vera Tolmatsova,
Magdalena Otto, Erik Wälz, Andrej Denisow, Leona Heerbaart, Guillermo
Marcelo Bolentini Bada, Janusz Kendel, Simon Krüger, Fan, Chen Shao,
Joshua Rödel, Ivett Kallai, Marcel Effner, Markus Meier, Isa Kleinhempel,
Lennart Heuser, Louisa Beßling, Lisa Spetzler, Tristan Keyers, Petra
Tjandra, Wahida Soulemane, Boyang Xia, Hye Sun Yoo, Helise Gomes Oliveira,
Josephine Beste u. a.
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen des Begleitprogramms zur
Klanginstallation „Erinnern durch Klang“, die Annemarie Strümpfler bis zum
6. August am Denkort Bunker Valentin präsentiert.
Im Inneren des Bunkers ist es auch bei warmen Außentemperaturen kühl.
Bitte denken Sie an entsprechende Kleidung!
Näheres zur Anfahrt zum Veranstaltungsort: https://www.denkort-bunker-
valentin.de/besuch/oeffnungsze
