Daten angeln für die Wissenschaft: Neues Projekt bindet Segler:innen auf der Ostsee in die Forschung ein
Ozeanforschung unterstützen und dabei mehr über
Meere im Klimawandel lernen: Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für
Ozeanforschung Kiel und der Trans-Ocean – Verein zur Förderung des
Hochseesegelns e.V. laden Segler:innen auf der Ostsee ein, Daten für die
Wissenschaft zu sammeln. Das Projekt „Citizen Science: Sailing for Oxygen“
wird im Rahmen eines Zwischenstopps der Regatta „The Ocean Race“ am 9.
Juni 2023 in Kiel vorgestellt. In diesem Sommer laufen erste
Pilotmessungen. Ab der kommenden Saison bestehen dann umfangreichere
Möglichkeiten für eine Beteiligung.
- Gemeinsame Pressemitteilung von Trans-Ocean – Verein zur Förderung des
Hochseesegelns e.V. und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung
Kiel -
Wie viel Sauerstoff enthält die Ostsee in verschiedenen Wassertiefen? Wie
verändern sich die Konzentrationen dieses lebensspendenden Gases im Laufe
des Sommers? Um möglichst genaue Antworten auf diese Fragen zu erhalten
und Auswirkungen des Sauerstoffmangels auf das Leben in der Ostsee besser
abschätzen zu können, lädt das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung
Kiel in Partnerschaft mit dem Trans-Ocean – Verein zur Förderung des
Hochseesegelns e.V. Segler:innen zum Datenangeln ein. Das neue gemeinsame
Projekt „Citizen Science: Sailing for Oxygen“ wird für drei Jahre mit rund
150.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert. Es ist das erste Citizen Science-Projekt, das einer Vielzahl
von Segler:innen die Teilnahme ermöglicht. GEOMAR verantwortet dabei die
technische und wissenschaftliche Konzeption sowie die Datenanbindung und
-auswertung. Trans-Ocean e.V. übernimmt die Aktivierung und Koordination
von Segler:innen und bindet weitere Vereine ein.
Die Beteiligung an der Bürger:innen-Wissenschaft unter Segeln ist
unkompliziert: Registrierte Crews erhalten in ausgewählten Häfen in der
südlichen Ostsee eine einfache Sonde, die Sauerstoff, Salzgehalt,
Temperatur und Messtiefe erfasst. Die Sonde wird bei aufgestoppter Fahrt
oder beiliegend mit einer Hochsee-Angelrute tief ins Wasser gelassen und
über eine App per Mobiltelefon gesteuert. Nach dem Aufholen werden die
gemessenen Daten zusammen mit dem Standort über das Mobiltelefon
verschickt, in Echtzeit im Daten-Portal BELUGA online sichtbar gemacht und
einer Qualitätskontrolle unterzogen. Entsprechend der FAIR-Prinzipien
(Findable, Accessible, Interoperable, Re-usable – Auffindbar, Zugänglich,
Interoperabel, Wiederverwendbar) stehen sie allen Interessierten zur
Verfügung. Forschende des GEOMAR werden sie unter anderem nutzen, um
Zufuhr und Verlust von Sauerstoff abzuschätzen und Risiken für Fische und
andere Lebewesen zu erkennen. Diese Informationen sind auch für ein
angepasstes Fischereimanagement relevant.
„Der Ozean ist in vielerlei Hinsicht wichtig für unser Leben auf diesem
Planeten: Er steuert das globale Klima und versorgt uns mit
Nahrungsmitteln, Materialien, Energie, Transportmitteln und
Erholungsmöglichkeiten. Und dennoch ist er unzureichend beprobt. An vielen
Orten fehlen uns Daten aus direkter Ozeanbeobachtung“, erklärt Dr. Tanhua,
chemischer Ozeanograph am GEOMAR und Leiter von „Citizen Science: Sailing
for Oxygen“. „Mit unserem Projekt sammeln wir wichtige Informationen zum
Zustand der Ostsee – und zwar gemeinsam mit denjenigen, die dieses Revier
kennen und schätzen. Durch die aktive Beteiligung von Segler:innen teilen
wir unser Wissen miteinander, sensibilisieren für Themen des
Meeresschutzes und des Klimawandels und eröffnen der Allgemeinheit
Möglichkeiten, sich in die Wissenschaft einzubringen.“
„Wir Segler:innen sind dem Meer besonders verbunden und erleben auf
unseren Reisen die Veränderungen hautnah. Viele möchten sich für den
Meeres- und Klimaschutz engagieren und wir laden alle ein, das Projekt zu
unterstützen“, sagt Marcus Warnke, Vorsitzender des Trans-Ocean e.V. „Die
Idee, gemeinsam für die Forschung aktiv zu werden, entstand vor gut einem
Jahr, und wir freuen uns, dass wir so schnell mit diesem ersten Projekt
starten können. Als Verein, dessen Mitglieder auf allen Weltmeeren und
auch in extremen Revieren unterwegs sind, und mit unseren 175 Stützpunkten
weltweit, sehen wir viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit der
Wissenschaft.“
Mehrere Projekte haben bereits gezeigt, dass kommerzielle und private
Schiffe die Forschung hervorragend unterstützen können. So laufen in
Zusammenarbeit mit dem GEOMAR bereits Messungen zum Kohlendioxid-Gehalt an
Bord von Frachtschiffen. Auch Rennyachten der weltumspannenden Regatta
„The Ocean Race“ sind mit Messeinheiten ausgerüstet, die vom GEOMAR mit
entwickelt wurden. „Unsere Zusammenarbeit mit dem Segelsportler Boris
Herrmann und seinem Team auf der Malizia Seaexplorer hat uns motiviert,
jetzt eine größere Öffentlichkeit einzubinden“, berichtet Dr. Tanhua.
„Deswegen sind wir besonders stolz darauf, den Startschuss für unser neues
Projekt beim Fly-By des Ocean Race in Kiel geben zu können.“
Im gemeinsamen Zelt mit dem Team Malizia und weiteren Partnern im Ocean
Live Park an der Kiellinie stellen GEOMAR und Trans-Ocean e.V. ihr Projekt
vor. Segler:innen können sich dort für die Erprobungsphase und die
breitere Umsetzung in der kommenden Saison anmelden. Den Startschuss für
das Projekt „Citizen Science: Sailing for Oxygen“ geben Dr. Toste Tanhua
und Marcus Warnke beim „Fly-By Panel“ am 9. Juni 2023, 12 bis 13:30 Uhr
Uhr im Conference Center auf dem Veranstaltungsgelände.
Das Projekt „Citizen Science: Sailing for Oxygen” trägt auch zur Dekade
der Meereswissenschaften für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten
Nationen und den Dekaden-Projekten Global Ocean Oxygen Decade (GOOD) und
Ocean Decade Odyssey sowie dem Global Ocean Observing System (GOOS) bei.
Zudem werden die Daten in das Dekaden-Programm Digital Twins of the Ocean
(DITTO) eingespeist.
Hintergrund: Trans-Ocean – Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V.:
Trans-Ocean – Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V. wurde 1968
gegründet, um Teilnahmen an Hochseeregatten zu ermöglichen. Heute
befähigt, motiviert und vernetzt der Verein zudem Blauwasser- und
Langfahrtsegler und unterstützt sie mit fast 200 ehrenamtlichen
Stützpunkten weltweit. Mit rund 4.700 Mitgliedern (Deutschland,
Österreich, Schweiz und international) und mehr als 2.200 Yachten unter
seinem Stander gehört der Verein zu den größten Segelvereinen im
deutschsprachigen Raum. Der jährlich vergebene Trans-Ocean Preis gilt als
einer der national und international renommiertesten Preise für besondere
Leistungen im Hochseesegeln.
