Großstädteranking 2023: Menschen in Hamburg am glücklichsten – in Leipzig am unglücklichsten
Studie unter Leitung des Freiburger Wirtschaftswissenschaftlers Bernd
Raffelhüschen untersucht 12 Großstädte im Rahmen des „SKL Glücksatlas“
• Einkommenshöhe, persönliche Gesundheit, Zusammengehörigkeitsgefühl und
öffentliche Verwaltung sind wichtigste Gründe
• Je zufriedener die Bürger*innen, desto optimistischer blicken sie in die
Zukunft
Die glücklichsten Großstädter*innen Deutschlands leben in Hamburg. Das ist
das Ergebnis der Studie „SKL Großstädteranking 2023“ unter Leitung des
Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen von der
Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät der Universität
Freiburg, die im Rahmen des SKL Glücksatlas erschienen ist. Für das
Ranking wurde die deutschsprachige Wohnbevölkerung in 12 Großstädten
(Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf,
Leipzig, Dresden, Hannover, Bremen, Essen) mit Online-Zugang und einem
Alter zwischen 16-74 Jahren repräsentativ hinsichtlich ihrer
Lebenszufriedenheit befragt. Auch die Gründe für die Zufriedenheit wurden
erhoben. Die Befragung fand zwischen 30. März und 24. April 2023 statt.
Den Glücksatlas gibt es seit 2011, seit 2022 ist die Süddeutsche
Klassenlotterie (SKL) Partnerin der Studie.
Den ersten Platz des Städterankings in der Kategorie allgemeine
Lebenszufriedenheit erreicht Hamburg mit 7,16 Punkten (auf einer Skala von
0 bis 10 Punkten), gefolgt von Frankfurt am Main (7,07 Punkte) und dem
drittplatzierten München (6,9 Punkte). Diese drei Städte erreichen
überdurchschnittlich hohe persönliche Glückswerte sowie sehr gute
Zufriedenheiten mit städtischen Merkmalen wie etwa dem
Wirtschaftsstandort. „Insgesamt ist festzustellen, dass für die
Zufriedenheit der Bürger*innen mit ihrer Stadt besonders die Höhe der
Einkommen, die persönliche Gesundheit, das Zusammengehörigkeitsgefühl der
Bürger und die Arbeit der öffentlichen Verwaltung wichtig sind“, sagt
Bernd Raffelhüschen.
Auf Rang 4 folgt Berlin mit 6,88 Punkten. Die befragten Berliner*innen
zeigen eine hohe Zufriedenheit mit ihrem Leben, dem Einkommen und dem
Arbeitsleben, sind aber mit den städtischen Angeboten, besonders mit der
Verwaltung, unzufrieden. Das Mittelfeld beginnt mit Hannover (6,75 Punkte)
auf Platz 5. Die Hannoveraner*innen sind mit Familie und Gesundheit mäßig
zufrieden, städtische Bereiche wie Verkehr und die Verwaltung bewerten sie
indes positiv. Im sechstplatzierte Düsseldorf (6,69 Punkte) gibt es eine
hohe Zufriedenheit mit dem Einkommen und dem Wirtschaftsstandort,
Unzufriedenheit gibt es mit der Verkehrsinfrastruktur.
Die untere Hälfte des Rankings vereint neben den eher schwächeren
Wirtschaftsdaten (Ausnahme: Stuttgart) eine allgemeine Unzufriedenheit mit
dem Verkehr, der Sicherheit, aber auch mit der öffentlichen Verwaltung. In
Köln (7. Platz, 6,65 Punkte), Essen (8. Platz, 6,63 Punkte) und Bremen
(10. Platz, 6,5 Punkte) sind darüber hinaus die Arbeitslosenzahlen wie
Unterbeschäftigung oder die SGBII-Quote eher hoch. Die beiden
Letztplatzierten Leipzig (12. Platz, 6,44 Punkte) und Dresden (11. Platz,
6,49 Punkte) haben beide eine etwas ältere Bevölkerung und vergleichsweise
schwache Wirtschaftszahlen. Die Dresdner sind mit dem persönlichen Leben
eher unzufrieden, aber begeistert von ihrer Stadt. Stuttgart erhält einen
schwachen 9. Platz (6,54 Punkte). Hervorstechend ist hier die hohe
Unzufriedenheit mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl.
Wirtschaftsstandort als Faktor
Spitzenreiter Hamburg punktet insbesondere auch in der Kategorie
Wirtschaftsstandort. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt dort bei
64.000 Euro, Leipzig bei 38.000 Euro. Diese Unterschiede spiegeln sich
auch in der Zufriedenheit mit dem Einkommen wider, die in Hamburg hoch und
in Leipzig niedrig ist. Die Hamburger*innen bewerten die Attraktivität
ihrer Stadt als Wirtschaftsstandort mit dem Topwert von 7,0 Punkten. Die
Leipziger*innen geben ihrem Wirtschaftsstandort nur durchschnittliche 6,55
Punkte. Die Gleichung „Einkommen gleich Zufriedenheit“ gilt jedoch nicht
uneingeschränkt. Es gibt auch Ausnahmen: Obwohl Düsseldorf (Platz 6) und
Stuttgart (Platz 9) wohlhabend sind, sind sie nur mittelmäßig zufrieden.
Die Gründe liegen unter anderem in unzureichender Stadtpolitik, wie die
Bewertungen der öffentlichen Verwaltung zeigen. Generell wird die
Stadtverwaltung von den Bürger*innen am schlechtesten von allen Bereichen
beurteilt, Kultur- und Naherholungsmöglichkeiten am besten.
Zusammengehörigkeitsgefühl als Faktor
Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist ein weiterer wichtiger Faktor für die
Stadtzufriedenheit. Es wird umso stärker empfunden, wenn die Bürger*innen
sich sicher und entspannt in ihrer Stadt bewegen können, wenn die
Nachbarschaft funktioniert und wenn die Menschen gerne in Vereinen, in der
Kommune oder bei Stadtfesten ehrenamtlich engagiert sind. Tendenziell
gilt, dass Städte (etwa Leipzig, Berlin, Bremen, Essen), deren
Bürger*innen mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl unzufrieden sind, auch mit
der Verwaltung und mit der Sicherheitslage ihrer Stadt unzufrieden sind.
Die Zufriedenheit mit der Stadtverwaltung hängt aber auch von der
Steuerkraft und den Sachinvestitionen der Städte ab. Je wohlhabender eine
Stadt – wie zum Beispiel Frankfurt, Hamburg oder München – desto eher kann
sie in Krankenhäuser, Schulen und Straßen investieren.
Generell gilt, so das Fazit der Forschenden: Je zufriedener eine
Großstadt, desto optimistischer schauen ihre Bürger*innen auch in die
Zukunft. Und: Wenn die Bürger mit dem eigenen Leben zufrieden sind, dann
bewerten sie auch die Zufriedenheit mit der Stadt positiv.
Weitere Informationen:
https://www.skl-gluecksatlas.d
