Seeadler und Rotmilan bei Peine vergiftet - 5.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter
Der Seeadler und der Rotmilan, die beide Ende April bei
Ilsede (Landkreis Peine) tot aufgefunden wurden, waren Opfer eines
illegalen Giftköders. Das ist das Ergebnis der Untersuchung, die das
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Auftrag
der Polizei Peine durchführte. Die Vorgeschichte ergab den dringenden
Verdacht einer Vergiftung. Dieser wurde jetzt durch die Ergebnisse der
tierärztlichen Untersuchungen im Leibniz-IZW bestätigt, zu der auch die
toxikologische Analyse der Rechtsmedizin der Universität Göttingen
beitrug.
Gemeinsame Pressemitteilung Leibniz-IZW und Komitee gegen den Vogelmord
e.V.:, Freitag 9.6.2023
Peine/Hannover. Der Seeadler und der Rotmilan, die beide Ende April bei
Ilsede (Landkreis Peine) tot aufgefunden wurden, waren Opfer eines
illegalen Giftköders. Das ist das Ergebnis der Untersuchung, die das
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Auftrag
der Polizei Peine durchführte. Die Vorgeschichte ergab den dringenden
Verdacht einer Vergiftung. Dieser wurde jetzt durch die Ergebnisse der
tierärztlichen Untersuchungen im Leibniz-IZW bestätigt, zu der auch die
toxikologische Analyse der Rechtsmedizin der Universität Göttingen
beitrug.
Der tote Adler wurde Ende April diesen Jahres in einem Getreidefeld nahe
der Straße „Am Kalischacht“ südlich von Ilsede gefunden. Bei dem Tier
handelt es sich um ein adultes Männchen, dessen Ortsbewegungen im Rahmen
eines Forschungsprojektes durch Leibniz-IZW Wissenschaftler:innen seit
Juni 2019 mithilfe eines GPS-Senders aufgezeichnet wurden.
„Die Analyse der Positionsdaten ergab, dass der Adler die Nacht vom 18.
zum 19. April 2023 in einem Wäldchen östlich von Velchede geschlafen hat.
Am nächsten Morgen ist er dann zu den Denstorfer Teichen geflogen,
vermutlich um nach Beute Ausschau zu halten. Da er dort offenbar keine
Nahrung fand, ist er an Bettmar, Münstedt und Gadenstedt vorbei Richtung
Westen geflogen, bis er den Giftköder in Ilsede entdeckte“, so
Projektleiter Oliver Krone vom Leibniz-IZW.
Nachdem der am Seeadler befestigte Sender anzeigte, dass sich der Vogel
nicht mehr bewegte, fuhren Projektmitarbeiter:innen zu den letzten
bekannten Koordinaten, wo sie den toten Seeadler direkt neben einem
Fleischköder fanden. „Das Tier wies keine von außen erkennbaren
Verletzungen auf. Bei dem Köder handelte es sich offenbar um
Schlachtabfall, der mit einem Draht fest im Boden verankert war“,
berichtet Krone.
Da aufgrund der Fundumstände von einer Vergiftung auszugehen war, wurde
nach Rücksprache mit dem „Komitee gegen den Vogelmord“ die Polizei
eingeschaltet. „Die Beamten waren schnell vor Ort und stellten den Köder
und Seeadler sicher. Im Rahmen der Ermittlungen wurde außerdem ein toter
Rotmilan sichergestellt, der rund einen Kilometer vom Fundort des
Seeadlers entfernt von einem Spaziergänger gemeldet wurde“, so
Komiteesprecher Axel Hirschfeld.
Um dem Verdacht auf Vergiftung nachzugehen, wurden zusätzlich zu den
veterinärpathologischen Untersuchungen am Leibniz-IZW Proben der beiden
Greifvögel sowie des mutmaßlichen Giftköders an das Rechtsmedizinische
Labor der Universität Göttingen geschickt. Dort wurden in allen Proben
Rückstände von Carbofuran nachgewiesen. Carbofuran ist ein seit vielen
Jahren in Deutschland verbotenes Insektizid, das für Vögel und Menschen
auch in geringen Konzentrationen hochgefährlich ist.
„Damit steht fest, dass die Tiere gezielt vergiftet wurden“, so
Hirschfeld. Das Komitee gegen den Vogelmord hat eine Belohnung von 5.000
Euro für Informationen ausgesetzt, die zur Aufklärung des Falls führen.
Hinweise zur Aufklärung nimmt die Polizei in Peine oder das Büro des
Komitees in Bonn entgegen.
Vogelschützer Hirschfeld betont, dass es sich bei Wildtiervergiftungen um
Straftaten mit erheblichen negativen Folgen für geschützte Arten handelt.
„Die Dunkelziffer ist extrem hoch. Wir gehen davon aus, dass auf einen
nachgewiesenen Fall rund 20 unentdeckte Sachverhalte kommen“. Nach Angaben
der bundesweiten Erfassungs- und Dokumentationsstelle für
Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) wurden bereits
in den Jahren 2015, 2016 und 2019 mit Carbofuran vergiftete Rotmilane im
Landkreis Peine entdeckt. Außerdem wurde 2019 bei Münstedt ein Habicht mit
einer illegalen Netzfalle gefangen. Ob es eine Verbindung dieser Fälle zu
dem nun aufgedeckten Fall gibt ist Gegenstand der polizeilichen
Ermittlungen.
Die gezielte Tötung wildlebender Greifvögel stellt eine Straftat nach dem
Bundesnaturschutzgesetz dar und kann mit hohen Geldstrafen geahndet
werden. Erst Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass ein Jäger aus dem
Emsland wegen der Tötung eines Habichts vom Amtsgericht Lingen zu einer
Geldstrafe sowie zum Entzug des Jagdscheins verurteilt wurde. Ein
entsprechender Strafbefehl ist mittlerweile rechtskräftig.
