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„Grüne Endoskopie“ am UKW: Pilotprojekt soll CO2-Abdruck senken

Prof. Dr. Alexander Meining und sein Team haben auch auf die Verbrauchsgüter, z.B. Schlingen, geschaut, um den CO2-Fußabdruck in der UKW-Endoskopie zu ermitteln.  UKW/ Stefan Dreising
Prof. Dr. Alexander Meining und sein Team haben auch auf die Verbrauchsgüter, z.B. Schlingen, geschaut, um den CO2-Fußabdruck in der UKW-Endoskopie zu ermitteln. UKW/ Stefan Dreising
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Prof. Dr. Alexander Meining und sein Team haben auch auf die Verbrauchsgüter, z.B. Schlingen, geschaut, um den CO2-Fußabdruck in der UKW-Endoskopie zu ermitteln.  UKW/ Stefan Dreising
Prof. Dr. Alexander Meining und sein Team haben auch auf die Verbrauchsgüter, z.B. Schlingen, geschaut, um den CO2-Fußabdruck in der UKW-Endoskopie zu ermitteln. UKW/ Stefan Dreising

Temperaturanpassungen und Wechsel der Verbrauchsgüter als erste Maßnahmen
bereits in der Umsetzung / 100 Prozent Ökostrom im Einsatz
Wie kann der CO2-Verbrauch ganz konkret in einem Klinikbereich
gesenkt werden? Darum geht es in einem Pilotprojekt in der Endoskopie am
Universitätsklinikum Würzburg (UKW). In einem ersten Schritt wurden
umfangreich alle erforderlichen Daten erhoben. Jetzt wird geprüft, ob die
umgesetzten Schritte einen Effekt bringen.
Prof. Dr. Alexander Meining, Leiter des Bereiches und Lehrstuhlinhaber für
Gastroenterologie am UKW, initiierte das Projekt gemeinsam mit seiner
Kollegin Dr. Dorothea Henniger: „Der erste arbeitsintensive Schritt war,
überhaupt Daten zu sammeln. Denn natürlich mussten wir wissen, wie hoch
der CO2-Verbrauch für unsere Abteilung ist. Nur, wenn wir hier Transparenz
haben, können wir auch Maßnahmen ergreifen, um unseren Verbrauch zu
senken“, so Prof. Meining.

Begleitet wurde das Projekt von einem externen Beratungsunternehmen. Im
Mittelpunkt standen dabei die Themenfelder Heizung, Stromverbrauch, Müll
und Verbrauchsgüter in der Endoskopie. Diese wurden dann drei
Geltungsbereichen (energiewirtschaftlicher Fachbegriff: “Scopes“)
zugeordnet. Zum ersten Geltungsbereich zählt etwa die Heizung. Prof.
Meining: „Hier kamen wir auf einen Wert für unsere Abteilung von 36 Tonnen
CO2-Auivalenten im Jahr. Streng genommen müssten hier auch die Werte für
die Anfahrt der Mitarbeiter und Patienten zugordnet werden. Dies haben wir
auch aus organisatorischen Gründen jedoch außen vorgelassen.“ Beim
Stromverbrauch hingegen steht ein Wert von „Null“. Der Grund: Das
Universitätsklinikum bezieht zu 100 Prozent Ökostrom.

100 Prozent Ökostrom am Universitätsklinikum Würzburg

Beim dritten Geltungsbereich (Scope 3) ging es um die Verbrauchsgüter,
z.B. Schutzkittel, Schläuche, Schlingen, Drähte und dergleichen. Sowohl
die Verpackung als auch der Transport wurden hier bezgl. des
CO2-Fußabdruckes untersucht. Dazu wurde ein umfangreicher Fragebogen an
die Herstellerfirmen geschickt. Zudem wurde ein Rechnungstool entwickelt,
um den CO2-Abdruck für den Transport jedes eingesetzten Produktes zu
ermitteln. Im Ergebnis stand hier ein CO2-Wert von 27 Tonnen für die
Verbrauchsgüter. Insgesamt wurden 359 Güter untersucht.

Das Ergebnis: „Nach der Erhebung haben wir bei 224 Produkten den
Hersteller gewechselt. Statt z.B. aus Fernost kommen manche Produkte jetzt
aus Europa, in einem Fall sogar aus Mittelfranken. Das wird gerade den
CO2-Verbrauch durch den Transport enorm reduzieren“, so Prof. Meining. Er
betont aber auch: „Ohne die intensive Datenrecherche und die enge
Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Einkauf und weiteren Abteilungen
wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen. Und: Der Anbieterwechsel darf
keine Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung haben.“
Zusätzlich wurde auch die Raumtemperatur für Eingriffsräume um zwei Grad
gesenkt, um auch hier den Heizungsverbrauch zu mindern.

Ausgangspunkt: 63 Tonnen CO2 pro Jahr

Am Ende dieser ersten Projektphase stand daher ein jährlicher
CO2-Fußabdruck von 63 Tonnen für die UKW-Endoskopie. Aktuell läuft die
zweite Phase, um den Effekt der ergriffenen Maßnahmen zu messen.
„Natürlich hoffen wir, dass unser CO2-Verbrauch dadurch dauerhaft sinkt.
Aber ebenso wichtig ist die Erkenntnis: Es ist machbar, den
abteilungseigenen CO2-Fußabdruck konkret zu messen und es ist möglich,
gezielte Maßnahmen einzuleiten. Das haben wir erfolgreich gezeigt. Und
gerade viele jüngere Kolleginnen und Kollegen waren absolut beindruckt von
dem Projekt. Auch das ist ein wichtiger Effekt. Der grundlegende Ansatz
ist auch auf andere Fachgebiete übertragbar. Hier gibt es schon einige
Anfragen“, so der Würzburger Gastroenterologe.
Schon jetzt steht zudem fest: Durch den Herstellerwechsel konnte zudem die
Müllmenge um 16 Prozent reduziert werden. Die weiteren Ergebnisse des
Projektes werden aktuell ausgewertet.