Wege in die Energie-Zukunft
DBU stellt Lösungen vor – Fachmesse „Smarter E Europe“
Osnabrück/München. Im Haushalt, beim Transport oder zur Strom- und
Wärmeerzeugung: Energie spielt als Treibstoff unserer modernen
Zivilisation in nahezu allen Bereichen des Lebens eine entscheidende
Rolle. Der überwiegende Teil unserer Energieversorgung basiert jedoch nach
wie vor auf fossilen Brennstoffen wie Gas, Öl oder Kohle. So gelangen
große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids in die Atmosphäre. Eine
wichtige Zukunftsfrage: Wie erzeugen, speichern und verteilen wir
effizient umweltfreundliche Energie? Sektorübergreifende Lösungen
präsentiert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zusammen mit vier
Projektpartnerinnen und -partnern ab heute (Mittwoch) bis Freitag in
München auf der Smarter E Europe, einer internationalen Messe für die
Energiewirtschaft.
„Der Energiesektor in Deutschland befindet sich mitten in einem
tiefgreifenden Wandel“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Dieser
sei notwendig, um Klimakrise und energiepolitische Herausforderungen zu
meistern. Das Ziel der Politik, in Deutschland bis 2030 den Ausstoß
klimaschädlicher Treibhausgase (THG) um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu
senken, kann laut Bonde also noch erreicht werden. Dafür müsse die
Transformation zu einer nachhaltigen Energieversorgung aber weiterhin mit
Nachdruck vorangetrieben werden. „Dass es zahlreiche Lösungsansätze für
die Energiewende gibt, zeigen viele unserer Projekte von etablierten
Unternehmen oder jungen Startups“, so der Generalsekretär. Vier innovative
Vorhaben stellt die Stiftung auf der Smarter E Europe in Halle B5 am
Messestand 214 vor. Mehr Informationen unter: https://www.dbu.de/the-
smarter-e-europe-2023/.
Solarmodule in Bahngleisen helfen beim beschleunigten Ausbau erneuerbarer
Energien
Neben Energiesparen und -effizienz ist nach Bondes Worten ein schneller
Ausbau Erneuerbarer-Energie (EE)-Anlagen essenziell für mehr Klimaschutz.
Ein Beispiel: Das Kölner Unternehmen Qinum arbeitet in einem DBU-
geförderten Projekt zusammen mit dem Institut für Schienenfahrzeuge und
Transportsysteme der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen
daran, bestehende Verkehrswege – also bereits versiegelte Flächen – für
die Installation von Photovoltaik (PV)-Anlagen zu nutzen. „In Bahngleise
integrierte PV-Module beanspruchen keinen zusätzlichen Platz, die Schienen
bieten eine hilfreiche Infrastruktur und ermöglichen zudem eine effiziente
Bereitstellungslogistik“, sagt Dr. Achim Fricker von Qinum und Leiter des
DBU-Vorhabens. In einer Machbarkeitsanalyse hat das Projektteam bereits
untersucht, wie Standardmodule den Anforderungen im Bereich eines
Gleisbetts zum Beispiel durch Vibrationen, Luftströmungen oder
Schotterschlag standhalten können. Anhand dieser Ergebnisse werden nun
Lösungen entwickelt, „wie PV-Module unter Beachtung bahnbetrieblicher
Anforderungen sicher eingesetzt werden können“, so Fricker.
Dezentrale Stromerzeugung: Vorhersage für Energienetze mithilfe
künstlicher Intelligenz
Die Energiewende lässt sich nach Worten des DBU-Generalsekretärs
allerdings nicht allein durch den Ausbau von EE-Anlagen bestreiten, „das
Stromnetz muss auch an die neuen umweltfreundlichen und zunehmend
dezentralen Energieversorger angepasst werden“, so Bonde. Hintergrund: Die
Stromproduktion durch Wind und Sonne ist – anders als bei konventionellen
Kohle- oder Gaskraftwerken – nicht kontinuierlich. Die daraus
resultierenden Schwankungen stellen aktuell für Netzbetreibende also eine
Herausforderung dar. „Und weil es bisher keine wirtschaftlich leistbare
Messtechnik gibt, werden Stromnetze aus Sicherheitsgründen mit einer
geringeren Auslastung als eigentlich möglich betrieben“, erklärt Artur
Löwen, Geschäftsführer des Startups gridhound aus Aachen. Dadurch werde
die Einspeisung bestehender EE-Anlagen oft zu früh abgeschaltet und
„Anträge für neue Anlagen abgelehnt, obwohl das Netz noch Kapazitäten
hätte“, so Löwen. Um einen zuverlässigen, kontinuierlichen Stromfluss
durch erneuerbare Energien zu gewährleisten und die digitale
Transformation in Stromnetzen voranzubringen, hat gridhound mithilfe der
DBU-Förderung die Software Graice entwickelt. Durch künstliche Intelligenz
lernt Graice anhand von historischen Daten das Verhalten eines
Verteilnetzes und kann mit wenigen im Netz verbauten Messstellen die
Leistung, Auslastung sowie mögliche künftige Störungen ganzer Netzgebiete
vorhersagen. „Das Ergebnis ist eine Echtzeit-Analyse des Netzzustands“,
sagt Löwen. „Dadurch können die Kapazitäten der Netze effizienter genutzt,
Abschaltungen teilweise vermieden und umweltfreundliche Stromversorger
besser eingebunden werden.“
