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Pflegewissenschaft an der UDE - Neu an UDE/UK Essen: Erika Sirsch

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Pflegefachkräfte sind systemrelevant, nicht erst seit COVID-19. In
Deutschland werden sie traditionell an Fachschulen ausgebildet.
„International ist in der Pflege ein Studium der Ausbildungsstandard. Wir
hinken da hinterher“, sagt Dr. Erika Sirsch, neue Professorin für
Pflegewissenschaft mit Schwerpunkt Interprofessionalität. Als Erstes
verfolgt sie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen
(UDE) den Aufbau eines Bachelor-Studiengangs.

Eine gute Ausbildung schätzt Sirsch. Von 1980 bis 2002 arbeitete sie als
examinierte Krankenschwester langjährig als Stations- und Bereichsleitung
in Kliniken. 1996 ließ sie sich zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie
weiterbilden, 1998 zur Fachkrankenschwester für Geriatrische
Rehabilitation. Dann studierte sie Pflegewissenschaft an der Uni
Witten/Herdecke (2000-07) und wurde 2014 dort promoviert.

„Ein Studium für Pflegekräfte ist wichtig. Die pflegerische und
medizinische Versorgung wird zunehmend hochkomplex, erfordert umfangreiche
Kompetenzen“, sagt Sirsch. Für den Aufbau des Studiengangs kooperiert sie
insbesondere mit der Stabsstelle „Entwicklung und Forschung Pflege“ der
Universitätsmedizin Essen (UME).

Versorgen akademisch ausgebildete Pflegende einen Menschen mit
Pflegebedarf anders als die mit einer Berufsausbildung? „Nach dem Studium
sind sie ebenso Anfänger:innen wie nach der Berufsfachschule. Mit den
erlangten Kompetenzen können sie aber wissenschaftliche Belege meist rasch
in die klinische Entscheidungsfindung einbringen“, erklärt die 63-Jährige.
Und die fachschulisch ausgebildeten Pflegefachkräfte? Sind sie
überflüssig? „Auf keinen Fall, ein geeigneter Qualifikations-mix ist
wichtig. Wir planen daher eine enge Zusammenarbeit mit der
Bildungsakademie des Klinikums.“ Der neue Studiengang Bachelor of Nursing
soll UDE-Studierende ab 2025 auf künftige Anforderungen der
Gesundheitsversorgung vorbereiten – im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen
oder der ambulanten Versorgung. Auch ein Angebot für bereits ausgebildete
Pflegefachkräfte ist geplant.

Sirsch forscht zugleich zum Umgang mit Schmerz. „Viele ältere Menschen
leiden an chronischem Schmerz.“ Derzeit arbeitet sie mit anderen
Kolleg:innen an der Leitlinie „Schmerzmanagement bei GERIatrischen
PAtieNt:innen“ (GeriPAIN) *. Beteiligt sind auch die Deutsche
Schmerzgesellschaft und EHS Dresden. Das Ziel ist es, evidenzbasierte
interdisziplinäre Empfehlungen für das Schmerzmanagement von älteren
Menschen zu entwickeln. Diese Leitlinie wird sowohl in der ambulanten
sowie akut- und langzeitstationären Versorgung gelten. Das Projekt wird
für zweieinhalb Jahre mit rund 300.000 Euro vom Innovationsausschuss des
Gemeinsamen Bundesausschuss (GB-A)** gefördert.