Forschungsergebnisse "Studie zur Erwachsenenbildung" - Bericht aus acht Ländern weltweit und Empfehlungen
Erwachsenenbildung ist weltweit ein Bereich innerhalb des Bildungswesens,
der durch sehr unterschiedliche gesellschaftliche und politische
Bedingungen herausgefordert wird. Ein Forschungsprojekt der Universität
Hamburg (Deutschland), der Rutgers University (USA) und der University of
Technology Sydney (Australien) hat den Stand der Erwachsenenbildung in
acht ausgewählten Ländern untersucht: Australien, Brasilien, Indien,
Jordanien, Südafrika, Kirgisistan, Thailand und Ukraine. Die Ergebnisse
aus Expert:innenbefragungen zeigen Bedingungen von der Makro- zur Mikro-
Ebene auf und geben Empfehlungen zur Stärkung des Sektors.
Erwachsenenbildung ist weltweit ein Bereich innerhalb des Bildungswesens,
der durch sehr unterschiedliche gesellschaftliche und politische
Bedingungen herausgefordert wird und insgesamt noch weit weniger anerkannt
und strukturiert ist als die schulische Bildung. Ein Forschungsprojekt der
Universität Hamburg (Deutschland), der Rutgers University (USA) und der
University of Technology Sydney (Australien) hat den Stand der
Erwachsenenbildung in acht ausgewählten Ländern untersucht: Australien,
Brasilien, Indien, Jordanien, Südafrika, Kirgisistan, Thailand und
Ukraine, wobei in jedem dieser Länder Expertinnen und Experten befragt
wurden. Die Studie wurde 2022 von DVV International (Institut für
Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V.)
initiiert und vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Die wichtigsten Ergebnisse
werden am 15.06.2023 in einem Bericht vorgestellt.
Von August 2022 bis Oktober 2022 wurden Interviews mit 25 Expertinnen und
Experten aus den ausgewählten Ländern geführt und anschließend mit Hilfe
eines Grounded-Theory-Ansatzes ausgewertet. Daraus entstand ein Modell,
das zeigt, wie Faktoren und Akteure auf verschiedenen gesellschaftlichen
Ebenen (Mega-, Makro-, Meso- und Mikroebene) zusammenwirken und
Erwachsenenbildung in unterschiedlichen Kontexten beeinflussen.
Vergleiche auf der Mega-Ebene zeigen, dass übergreifende Themen wie Krieg
und Konflikt, historische und systematische Diskriminierung, Krankheit und
extreme Armut sowie politischer Autoritarismus sowohl als Anstoß als auch
als Hindernis für Erwachsenenbildungs-Aktivitäte
Eine vergleichende Analyse zeigt, dass Erwachsenenbildung auf der Makro-
Ebene mit wenigen Ausnahmen ein "Stiefkind" des Bildungssektors ist.
Innerhalb der Erwachsenenbildung ziehen formale, zertifizierte Programme,
die sich auf kompensatorische Bildung oder die Entwicklung von
Arbeitskräften konzentrieren, mehr politisches Interesse und Unterstützung
auf sich, während nicht zertifizierte, informelle und nicht-formale
Lerninitiativen kaum mehr als Lippenbekenntnisse erhalten. Dies macht die
Nachhaltigkeit von Erwachsenenbildungsinitiativen
anerkannten Programmen gehören, sehr anfällig.
Die Meso-Ebene ist der Ort, an dem die treibende Kraft für die Umsetzung
von Erwachsenenbildung in Politik und Gesetzgebung zu finden ist. Die
Beratung von Regierungen durch demokratisch strukturierte Verbände mit
gewählten Vorsitzenden hat ein größeres Gewicht als die Beratung durch
weniger formell konstituierte Gruppierungen. Ihre Wirksamkeit kann jedoch
durch Faktoren wie fehlende Ressourcen, Finanzierung und Fachwissen
eingeschränkt werden.
Auf der Mikro-Ebene werden informelle und nicht-formale
Erwachsenenbildungsaktivitäten von Unternehmen als betriebliche
Weiterbildung und von kommerziellen Anbietern, Regierungsorganisationen
oder Organisationen der Zivilgesellschaft, die Ausbildungszentren
betreiben, angeboten. Die Aktivitäten auf der Mikroebene sind sehr
flexibel. Ergänzt werden sie durch Aktivistinnen und Aktivisten an der
Basis, die in Gemeinschaften mobilisieren, um auf lokale Probleme und
Bedürfnisse zu reagieren. Zu den Erwachsenenbildungsaktivitäten auf der
Mikroebene gehören beispielsweise die Bewältigung der lokalen Auswirkungen
von Unwettern, die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen und
die Bekämpfung der sexuellen Belästigung als vermeintlich akzeptables
Verhalten.
In dem Bericht werden Beispiele für erfolgreiche Projekte auf Mikro-Ebene
und an der Basis in den einzelnen Ländern vorgestellt. Viele dieser
Projekte werden von DVV International, der wichtigsten deutschen
Organisation zur Förderung der Erwachsenenbildung weltweit, gemeinsam mit
lokalen Partnern durchgeführt. Die Erkenntnisse aus der Studie führten zu
Empfehlungen, wie Erwachsenenbildung im Rahmen des lebenslangen Lernens
gestärkt werden kann. Die Empfehlungen an Verbände und politische
Entscheidungsträger lauten:
- Aufbau und Unterstützung nachhaltiger Netzwerke und Verbände
- Aufbau einer Koordination zwischen den Akteuren und innerhalb der
Sektoren, die sich mit Erwachsenenbildung beschäftigen
- Anerkennung und Förderung von Basisinitiativen, die die
Erwachsenenbildung unterstützen
- Unterstützung der Sammlung und Nutzung hochwertiger (quantitativer und
qualitativer) Daten über Erwachsenenbildung sowohl auf nationaler als auch
auf länderübergreifender Ebene, um das Angebot auf lokaler, staatlicher
und nationaler Ebene zu fördern und zu stärken
- Hervorhebung und Stärkung der Rolle von Erwachsenenbildung im Rahmen des
lebenslangen Lernens, indem die Bedeutung eines lebenslangen und
lebensumspannenden (das gesamte Spektrum der Lernbedürfnisse und
-interessen Erwachsener umfassenden) Ansatzes für das Lernen betont wird
- die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit der Erwachsenenbildung zu
nutzen, um ihre Stärken auszubauen
- Sicherstellen, dass Erwachsenenbildung das breite Spektrum an Bildungs-,
Ausbildungs- und politischen Bedürfnissen erfüllt, die Lernende,
Arbeitgeber und Regierungen an das Lernen im Erwachsenenalter stellen
- eine sinnvolle Unterstützung für Erwachsenenbildung auf der Mikro-,
Meso- und Makroebene.
Die Forschungsergebnisse und Empfehlungen werden für die verschiedenen
Einheiten von DVV-International in den Ländern präsentiert und dadurch für
die Einflussnahme auf der Makro- und Meso-Ebene in verschiedenen Ländern
weltweit geöffnet. Dies impliziert auch einen direkten Einfluss auf
Verantwortliche für politische Entscheidungen und für die Praxis.
Die Ergebnisse werden am 15.06.2023 als Nr. 81 in der Schriftenreihe
„International Perspectives in Adult Education“ (IPE) online
veröffentlicht. <https://www.dvv-
international.de/en/materials/
adult-education-ipe>
DVV International hat die Autorinnen und Autoren eingeladen, die
Ergebnisse auf ihrer Jahreskonferenz mit den Regionaldirektoren am
20.06.2023 in Bonn zu präsentieren. Die Universität Hamburg lädt zu einem
Webinar am 19.9.2023 ein, weitere Informationen finden Sie hier:
<https://www.conferences.uni-h
