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„Dinnor on se Bood“: Forschungsprojekt bringt Migrationsgeschichten auf die Bühne

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Um die (Lebens-)Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrung geht es
bei einem Theaterstück, das am 6. und 7. Juli in Dresden zu sehen sein
wird.
Unter dem Titel „Dinnor on se Bood“ zeigt der Bürger:Bühnen B:Club
„UN(D)SICHTBAR“ des Staatsschauspiels Dresden ein Stück von und mit
Laienschauspieler:innen aus der sächsischen Landeshauptstadt, die eine
eigene oder familiäre Migrationsgeschichte haben.

„Viele wissen gar nicht, wie vielfältig die Gesellschaft im Osten ist.
Über hunderttausend Menschen aus aller Welt kamen zum Arbeiten oder zum
Studieren in die ehemalige DDR. Mein Vater zum Beispiel kam als ehemaliger
Vertragsarbeiter aus Vietnam“, erzählt Paolo Le van, der zusammen mit acht
weiteren Teilnehmer:innen und dem Regisseur Anis Hamdoun seit Januar an
der Umsetzung arbeitet. „Mit dem Theaterstück können wir diese und viele
andere Teile der ostdeutschen Gesellschaft hoffentlich sichtbarer machen
und unsere eigenen Geschichten erzählen.“

Zusammenarbeit von Bürgerforschungsprojekt und Staatsschauspiel Dresden

Unterstützt wird dieses Projekt des B:Club des Staatsschauspiels Dresden
sowohl finanziell durch die Maßnahme „TUD im Dialog“ als auch inhaltlich
von dem Bürgerwissenschaftsprojekt „Ostdeutsche Migrationsgesellschaft
selbst erzählen“ (MigOst), das die TU Dresden seit über zwei Jahren
gemeinsam mit der BTU Cottbus und dem Dachverband der
Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst e.V.) durchführt.
Seit März 2021 haben die Mitarbeiter:innen von MigOst, darunter auch Paolo
Le van, zusammen mit migrantischen Selbstorganisationen 46 biographische
Interviews geführt und Erzählcafés begleitet, in denen sich vor allem
Menschen mit Migrationsgeschichte und jene, denen eine solche
zugeschrieben wird, austauschen und sowohl als Zeitzeug:innen als auch
Expert:innen die vielfältige ostdeutsche Migrationsgesellschaft selbst
erzählen können.
Die gesammelten Materialien und Geschichten werden im Dresdner „Institut
für Sächsische Geschichte und Volkskunde“ archiviert und mit Projektende
im Frühjahr 2024 öffentlich zugänglich sein.

Internationale Seite der Sächsischen Geschichte

Die DDR hatte in den 1970er und 1980er Jahren mit Vietnam, Mosambik und
anderen Ländern Verträge abgeschlossen, um ausländische Arbeitskräfte für
befristete Zeit ins Land zu holen. Zudem kamen Menschen zum Studieren oder
für politisches Asyl in die DDR, z. B. aus Palästina, dem Senegal oder
Kuba. In den zwei Jahrzehnten nach der Wende fanden sogenannte
„Spätaussiedler:innen“ und „jüdische Kontingentflüchtlinge“, vor allem aus
Russland, Kasachstan und der Ukraine, in Sachsen eine neue Heimat. Bereits
vor 2015 lebten damit viele Menschen in Sachsen, die aus ihren
Heimatländern geflüchtet waren oder in dem Bundesland einen passenden
Arbeits- bzw. Studienplatz gefunden hatten.

Tickets
Tickets für die Aufführungen am 6. und 7. Juli können auf der Webseite des
Staatsschauspiels Dresden für 6 Euro pro Platz gekauft werden: https://www
.staatsschauspiel-dresden.de/spielplan/a-z/dinnor-on-se-bood/

Über das Projekt „MigOst – Ostdeutsche Migrationsgesellschaft selbst
erzählen“
Umgesetzt wird das Projekt von einem interdisziplinären Team dreier
Institutionen: dem Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden, der
Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und dem
Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst
e.V.).

Förderung
Das Projekt MigOst wird im Rahmen des Förderbereichs Bürgerforschung vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es gehört zu 15
Projekten, die bis Ende 2024 die Zusammenarbeit von Bürgerinnen und
Bürgern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern inhaltlich und
methodisch voranbringen und Antworten auf gesellschaftliche
Herausforderungen geben sollen.