IEA-Expertenworkshop erörtert Einsatzperspektiven von grünem Wasserstoff aus Biomasse
Stakeholder:innen aus Industrie und Wissenschaft sowie Vertreter:innen des
Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) haben in einem
internationalen Workshop der International Energy Agency (IEA Bioenergy)
über die Einsatzperspektiven von grünem Wasserstoff in biobasierten
Prozessen diskutiert. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse dienen als
Grundlage für die Entwicklung eines Überblicks und einer Bewertung von
vielversprechenden Konzepten für den Einsatz im Rahmen des IEA-Inter-Task-
Projekts „Synergies of green hydrogen and bio-based value chains
deployment“.
Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird zukünftig weiter steigen. Vor
diesem Hintergrund hat die Bundesregierung u.a. die Nationale
Wasserstoffstrategie beschlossen. Sie soll den Energieträger marktfähig
machen und seine industrielle Produktion, Transportfähigkeit und
Nutzbarkeit ermöglichen. Jedoch gilt es in Zusammenarbeit mit Industrie
und Forschung zu erörtern, wie biomassebasierte Prozesse die auf
Wasserelektrolyse basierende Wasserstoffproduktion ergänzen können und wo
die Rolle und das Potenzial, aber auch die Grenzen der Nutzung von
Wasserstoff aus Biomasse zu verorten sind. Erste Anwendungsbeispiele
können bereits wertvolle Erkenntnisse zu den Hauptaspekten „Stand der
technologischen Entwicklung“, „Anpassungsgrad der Prozesse“,
„Verwendungsoptionen für den Wasserstoff“ sowie „Potenzial der
Biomasseversorgung zur Deckung der Wasserstoffnachfrage“ liefern.
In zwei separaten Sitzungen des von der IEA Bioenergy Task 40 "Deployment
of biobased value chains" in Zusammenarbeit mit neun anderen IEA Bioenergy
Tasks organisierten Expertenworkshops fokussierten sich die rund 30
Stakeholder:innen aus Wissenschaft, Industrie, Politik und assoziierten
IEA TCPs(Technology Collaboration Programme) auf die Erörterung aktueller
Konzepte für die Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Biomasse, die
Verwendung in biobasierten Prozessen (Industriesitzung) sowie auf die
Bewertung und die Rolle dieser Konzepte im Energiesystem
(wissenschaftliche Sitzung). Übergeordnetes Zielwar es, mögliche
Wertschöpfungsketten zu beschreiben, die die Wasserstoffproduktion und den
Einsatz von Wasserstoff und biobasierten Prozessen für verschiedene
biobasierte Endprodukte kombinieren (einschließlich Technologien in
verschiedenen Entwicklungsstadien).
Basierend auf den Ergebnissen der intensiven Diskussionen in beiden
Sitzungen wurden vielversprechende Konzepte identifiziert, die
anschließend im Rahmen des Inter-Task-Projekts detaillierter beschrieben
und bewertet werden sollen. Sowohl das IEA Hydrogen TCP (Wasserstoff) wie
auch das IEA AMF TCP (Fortschrittliche Kraftstoffe), Task 64 nahmen in der
Folge zu den vorgestellten Konzepten Stellung und gaben eine allgemeine
Einschätzung zur Rolle von biomassebasiertem Wasserstoff ab. Unter den
Expert:innen bestand Einigkeit darüber, dass auf Biomasse basierender
Wasserstoff in den Diskussionen zur Bereitstellung von Wasserstoff derzeit
übersehen wird. Mögliche Optionen sowie die Potenziale würden bislang
nicht umfänglich adressiert und diskutiert. Daher sei es von
entscheidender Bedeutung, die Rolle und das Potenzial, aber auch die
Grenzen der Nutzung von Wasserstoff aus Biomasse zu ermitteln, so die
Teilnehmer:innen des Workshops. Das internationale Projekt entwickelt vor
diesem Hintergrund erstmals einen Bewertungsrahmen für die Evaluierung des
Einsatzes von Wasserstoff aus Biomasse im internationalen Kontext.
Hintergrund IEA Bioenergy
Die IEA Bioenergy ist eine 1978 von der International Energy Agency (IEA)
gegründete Organisation mit dem Ziel, die internationale Zusammenarbeit
und den Informationsaustausch zum Thema Bioenergieforschung zu verbessern.
Mitglied in den IEA Bioenergy Arbeitsgruppen sind Wissenschaftler:innen
aus OECD und Nicht-OECD-Ländern. Gemäß der aktuellen
Forschungsschwerpunkte im Bereich der Bioenergieforschung besteht die IEA
Bioenergy aus verschiedenen Arbeitsgruppen (Tasks) mit Arbeitsprogrammen
von jeweils drei Jahren. Die thematische Ausrichtung der Arbeitsgruppen
wird über ein Steuerungsgremium (ExCo) abgestimmt. Im Triennium 2022-2024
umfasst die IEA Bioenergy 11 Tasks, in denen ca. 200 Personen
unterschiedlicher internationaler Institute, Universitäten sowie
wirtschaftlicher Agenturen zusammenarbeiten. Das DBFZ ist mit mehreren
Wissenschaftler:innen derzeit in fünf Arbeitsgruppen (Tasks) der IEA
Bioenergy vertreten. Weitere Informationen unter: www.ieabioenergy.com.
