Ökologische Landwende – wir fangen gerade erst an
Die Herausforderungen für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft sind
groß. Sie muss sich an den Klimawandel anpassen und klimaschädliche
Treibhausgase deutlich reduzieren. „Momentan gibt es vor allem viele
politische Ziele, insbesondere die Klimaneutralität, aber noch wenig
konkrete Maßnahmen“, erklärt Margarethe Scheffler in der neuen Folge des
Podcasts „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts. „Wir haben noch einen weiten
Weg zu gehen und fangen bei der Transformation der Landwirtschaft gerade
erst an. Hier muss Deutschland dringend handeln.“
Die Tierhaltung ist für 80 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft
und Landnutzung verantwortlich. „Einen großen Anteil daran haben trocken
gelegte Moorböden. Diese machen nur etwa sieben Prozent der gesamten
Nutzfläche aus, verursachen aber rund 40 Prozent der Emissionen aus
Landwirtschaft und Landnutzung. Moore müssen dringend wieder nass werden“,
sagt die Wissenschaftlerin. Die landwirtschaftlichen Flächen könnten auch
als Senken für die weiterhin anfallenden Emissionen aus biologischen
Prozessen genutzt werden.
Eine Umstellung der Ernährung in Deutschland auf die Planetary Health Diet
könnte den Tierbestand um drei Viertel reduzieren. Dadurch könnte ein
großer Teil der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft eingespart
werden, die derzeit mit etwa 15 Prozent einen relevanten Anteil an den
deutschen Gesamtemissionen hat. Die dadurch frei gewordenen Flächen
könnten zur Ernährungssicherheit beitragen.
Zum Podcast „Wie kommt Klimaschutz auf den Acker?“ des Öko-Instituts
https://www.oeko.de/podcast/ep
Biodiversität erhöhen
In Deutschland werden 50 Prozent der gesamten Landesfläche durch
Landwirtschaft genutzt. In vielen Regionen ist diese strukturarm mit
großen Flächen und ohne Hecken dazwischen und wird durch Monokulturen
bestimmt. Oft werden die Fruchtfolgen im Anbau nicht gewechselt. Dadurch
ist ein höherer Einsatz von Stickstoffen und Pestiziden notwendig, die
wiederum zum Artensterben beitragen. Die deutsche Biodiversitätsstrategie
sieht bisher vor, dass zehn Prozent des Agrarlandes einen hohen
Biodiversitätswert haben. Nach der Umsetzung der aktuellen EU-Agrarpolitik
müssen in Deutschland mindestens vier Prozent der Flächen aus der Nutzung
genommen werden, und brach liegen oder als Blühstreifen dienen. „Unsere
Beispiele in Projekten zeigen aber, dass manche Arten bis zu 20 Prozent
wertvolle Lebensräume brauchen“, sagt Senior Researcher Scheffler.
Nachhaltige Landwirtschaft fördern
Eine ressourcenschonende, nachhaltige Landwirtschaft kann die Ernährung
sichern und gleichzeitig für zukunftsfähige Produktionssysteme sorgen.
Dazu muss unter anderem das System der Agrarsubventionen überdacht werden.
Momentan wird etwa die Hälfte der Subventionen nach dem Gießkannenprinzip
verteilt. Deswegen kommen Klimaschutzaspekte dabei zu kurz. Eine
Möglichkeit wäre, das zur Verfügung stehende Geld hauptsächlich für die
Förderung von Ökosystemleistungen zu verwenden und damit eine attraktive
finanzielle Gegenleistung für Ökosystemleistungen wie Blühstreifen oder
Agroforstsysteme an die Landwirte und Landwirtinnen zu zahlen. In einer
aktuellen Studie des Öko-Instituts untersuchen die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler, ob es möglich ist, das Erneuerbare-Energien-Gesetz
auf die Landwirtschaft zu übertragen und damit mehr Geld für
Ökosystemleistungen zu sammeln.
Wissen statt Alltagsberatung
Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit
politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien,
NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Nadine Kreutzer,
Journalistin und Moderatorin, und Mandy Schoßig, Leiterin Öffentlichkeit &
Kommunikation am Öko-Institut. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit
einem Experten beziehungsweise einer Expertin aus dem Öko-Institut über
anstehende Nachhaltigkeitstransformatione
„Langstrecke der Umweltpodcasts“.
Alle 19 erschienen Episoden des Podcasts: www.oeko.de/podcast
Der Podcast ist erhältlich auf allen gängigen Podcast-Portalen – etwa bei
Apple Podcasts sowie bei Spotify
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen
Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der
Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien,
wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
Darmstadt und Berlin vertreten.
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