Registerdaten für die Forschung nutzbar machen
In seinem heute veröffentlichten Positionspapier betont der Rat für
Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD), wie wichtig der Zugang zu
Registerdaten sowie deren Verknüpfung für die Forschung sind. Der
unabhängige Beirat der Bundesregierung formuliert konkrete Empfehlungen,
damit die Wissenschaft auf der Basis von Registerdaten evidenzbasierte
Lösungen für gesellschaftliche Probleme finden kann.
Melderegister, Ausländerzentralregister oder Fahrzeugzulassungsregister –
diese Datensätze enthalten Informationen, mit denen wichtige
Fragestellungen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften beantwortet
werden können. Entsprechend sind sie für die Forschung von besonderer
Bedeutung. Trotzdem bleibt Forschenden der Zugang dazu in Deutschland
erschwert. Die Wissenschaft ist daher bei der aktuell laufenden Umsetzung
der Registermodernisierung zwingend mitzudenken und auch die Möglichkeit,
dies im geplanten Forschungsdatengesetz zu verankern, sollte verfolgt
werden.
Neben dem Zugang ist es ebenso bedeutend, Registerdaten allumfassend
untereinander und mit Daten aus anderen Quellen, wie z. B. Surveydaten
verknüpfen zu können. Hierzu gilt es auch, funktionierende
Datentreuhändermodelle für die Wissenschaft zu etablieren. Aktuell ist
dies nur sehr beschränkt möglich. Insbesondere zu Fragen in den Bereichen
Arbeitsmärkten, Steuern, Bildung und Gesundheit kann eine Verknüpfung
jedoch bestehende Lücken schließen und evidenzbasierte Politikberatung
fördern.
Datenschutz darf nicht vernachlässigt werden
Da Register oft personenbezogene Daten enthalten, ist der Datenschutz
besonders wichtig. Die unterschiedliche Auslegung der
datenschutzrechtlichen Grundlagen in den Bundesländern ist dabei eine
große Herausforderung. „Am Beispiel von anderen europäischen Ländern sehen
wir, dass der Zugang zu Registerdaten auch unter Einhaltung der DSGVO
problemlos möglich sein kann. In Deutschland werden den Forschenden
aktuell noch Steine in den Weg gelegt, die wir versuchen, aus dem Weg zu
räumen“, so Prof. Dr. Joachim Winter, Vorsitzender der Arbeitsgruppe zum
Thema Registerdaten des RatSWD.
Die Politik hat die Bedeutung des Zugangs zu Registerdaten für Forschende
noch nicht ausreichend im Fokus: „Das Potenzial von Registerdaten für die
Forschung ist riesig. Leider hat das Thema es noch nicht prominent genug
auf die politische Agenda geschafft“, sagt Prof. Dr. Kerstin Schneider,
stellvertretende Vorsitzende des RatSWD. Deshalb möchte der RatSWD mit
seinem Positionspapier die Aufmerksamkeit für das Thema erhöhen.
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Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) berät seit 2004 die
Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der
Forschungsdateninfrastruktur für die empirischen Sozial-, Verhaltens- und
Wirtschaftswissenschaften. Im RatSWD arbeiten zehn durch Wahl legitimierte
Vertreterinnen und Vertreter der sozial-, verhaltens- und
wirtschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen mit zehn Vertreterinnen und
Vertretern der Datenproduktion zusammen.
Der RatSWD ist Teil des Konsortiums für die Sozial-, Verhaltens-,
Bildungs- und Wirtschaftswissenschaften (KonsortSWD) in der Nationalen
Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Er versteht sich als
institutionalisiertes Forum des Dialoges zwischen Wissenschaft und
Datenproduzenten und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Dabei
engagiert er sich für eine Infrastruktur, die der Wissenschaft einen
breiten, flexiblen und sicheren Datenzugang ermöglicht. Diese Daten werden
von staatlichen, wissenschaftsgetragenen und privatwirtschaftlichen
Akteuren bereitgestellt. Derzeit hat der RatSWD 42 Forschungsdatenzentren
akkreditiert und fördert deren Kooperation.
