Mehr oder Weniger Autorschaft. Postauktoriales Schreiben, Denken u. Gestalten in Zeiten von ChatGPT & Stable Diffusion
Vortrag von David Lauer
Donnerstag, 6. Juli 2023, 18.30 Uhr
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal
Goethestraße 31, 45128 Essen
Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa: Es ist das Gespenst in der
Maschine. Die einen vermeinen in ChatGPT und anderen large language models
(LLM) die Vorboten einer kommenden körperlosen Superintelligenz zu
erkennen, während die anderen darin blind plappernde stochastische
Papageien sehen.
Nicht nur in dieser Binarität zeigt sich, wie stark das Denken über die
neuen künstlichen Intelligenzen cartesianischen Prämissen verhaftet
bleibt, sondern auch in der einseitigen Fokussierung auf die Frage nach
dem möglichen Bewusstsein solcher Systeme. Beides wird der Neuartigkeit
des Phänomens nicht gerecht. Stattdessen gilt es zu fragen, was wir
eigentlich tun, wenn wir mit LLMs interagieren – und was LLMs tun, wenn
sie Sprache oder Bilder produzieren. Sind sie Urheber, Partner im
gemeinsamen Handeln oder bloße Werkzeuge unseres ausgedehnten Geistes?
Verschieben sich Schöpfung und Korrektur lediglich in der Logik eines
Mehr-oder-Weniger? Der Vortrag unternimmt eine Annäherung an die
Interaktion mit LLMs im Spannungsfeld zwischen Autoren, Agenten und
Aktanten in der geteilten sozialen, symbolischen und materiellen Welt.
REFERENT
David Lauer studierte Philosophie, Soziologie und Religionswissenschaft in
Marburg und Berlin, wo er an der Freien Universität promoviert wurde und
sich 2017 habilitierte. Seit 2016 lehrt er Philosophie an der Universität
Kiel. Er befasst sich insbesondere mit der Philosophie der Sprache und des
Geistes und mit Fragen der Subjektivität und Intersubjektivität. Er ist
regelmäßiger Kommentator des Philosophie-Magazins „Sein und Streit" im
Deutschlandfunk Kultur.
MODERATION
Mona Leinung, KWI
ORGANISATION
Mona Leinung, KWI
TEILNAHME
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht
erforderlich.
VERANSTALTER
Die Veranstaltung bildet den Auftakt der Reihe „Wenn und Aber“ des
Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) in Zusammenarbeit mit der
Folkwang Universität Essen. Der Abend ist Teil des Jahresthemas „Mehr oder
Weniger| More or Less“ am KWI.
Über das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI):
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) ist ein
interdisziplinäres Forschungskolleg für Geistes- und Kulturwissenschaften
in der Tradition internationaler Institutes for Advanced Study. Als
interuniversitäres Kolleg der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen
Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen arbeitet das
Institut mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seiner
Trägerhochschulen und mit weiteren Partnern in NRW und im In- und Ausland
zusammen. Innerhalb des Ruhrgebiets bietet das KWI einen Ort, an dem die
Erträge ambitionierter kulturwissenschaftlicher Forschung auch mit
Interessierten aus der Stadt und der Region geteilt und diskutiert werden.
Derzeit stehen folgende Forschungsschwerpunkte im Mittelpunkt:
Kulturwissenschaftliche Wissenschaftsforschung, Kultur- und
Literatursoziologie, Wissenschaftskommunikation, Visual Literacy sowie ein
„Lehr-Labor“. Fortgesetzt werden außerdem die Projekte im
Forschungsbereich Kommunikationskultur sowie Einzelprojekte.
www.kulturwissenschaften.de
