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Statement: Naloxon rettet Leben! Support. Don’t punish!

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Weltdrogentag am 26. Juni: Suchtforscher Prof. Dr. Heino Stöver und Simon
Fleißner zur Bedeutung von Take-Home Naloxon in Anbetracht der steigenden
Drogentodesfälle

Die Zahl der Drogentoten steigt seit zehn Jahren und ist im vergangenen
Jahr auf 1.990 Todesfälle angestiegen. „Dieser Trend ist besorgniserregend
und sowohl der Bund als auch die Länder sind gefragt, geeignete Maßnahmen
auszubauen, zu finanzieren und neue Angebote ins Leben zu rufen, um diesen
Trend zu stoppen“, betont Prof. Dr. Heino Stöver, Geschäftsführender
Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurt
University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), anlässlich des
Weltdrogentages am 26. Juni. „Die Politik muss Drogengebraucherinnen und
-gebraucher entstigmatisieren und entkriminalisieren, damit eine
menschenwürdige Unterstützung möglich wird.“

Mit rund 60 Prozent sind Opioide, darunter etwa Heroin, Fentanyl oder
Methadon, an den meisten drogenbedingten Todesfällen beteiligt. Doch es
gibt Möglichkeiten, eine Überdosis mit Opioiden zu verhindern: „Das
Antidot Naloxon in den Händen von Laien kann Leben retten, denn es kann
die Wirkungen, die durch den Gebrauch von Opioiden erzeugt werden,
aufheben“, erklärt Simon Fleißner, Projektkoordinator des
Bundesmodellprojektes NALtrain sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am
ISFF. „Das in Deutschland zugelassene Naloxon-Nasenspray hebt in wenigen
Minuten die potenziell tödliche Atemlähmung von Opioiden auf.“ Das
Bundesmodellprojekt NALtrain zur Durchführung deutschlandweiter
qualitätsgesicherter Schulungen zu diesem sogenannten Take-Home Naloxon
läuft seit Juli 2021 und wird durch das Bundesministerium für Gesundheit
(BMG) gefördert. Im Rahmen des Projektes werden Mitarbeitende der Drogen-
und Aidshilfe befähigt, Schulungen zur Anwendung von Naloxon für
Drogengebraucher/-innen anzubieten. Da Naloxon in Deutschland
verschreibungspflichtig ist, werden vor Ort Kooperationen zu
(Sucht-)Medizinerinnen und Medizinern aufgebaut, damit alle geschulten
Drogengebraucher/-innen das Naloxon-Nasenspray erhalten können.

„Die Studienlage ist eindeutig – Take-Home Naloxon rettet Leben“, sagt
Fleißner. „Je mehr Personen das Nasenspray bei sich tragen, desto höher
ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Überdosierung schnell geholfen
wird und die betroffene Person die Überdosierung überlebt.“ Bisher ist
Take-Home Naloxon in Deutschland kaum verbreitet, auch wenn dies durch das
Projekt NALtrain geändert werden soll. „Die Beteiligung und das Interesse
der niedrigschwelligen Drogen- und Suchthilfe ist groß“, berichtet Stöver,
„die Zurückhaltung und Skepsis der Ärzteschaft ist neben einer fehlenden
Finanzierung der Bundesländer weiterhin das größte Hemmnis für eine
flächendeckende Umsetzung von Take-Home Naloxon.“

„Take-Home Naloxon ist eine evidenzbasierte Maßnahme zur Vermeidung von
Drogentodesfällen. Angesichts der steigenden drogenbedingten Todesfälle
sollte Take-Home Naloxon zum Standard in der Arbeit mit Konsumierenden von
Opioiden werden“, so Stöver weiter. Im Rahmen von NALtrain wurden bisher
rund 1.300 Drogengebraucher/-innen erreicht. Bei geschätzten 165.000
Konsumierenden ist diese Zahl jedoch deutlich zu niedrig. Modellrechnungen
aus England empfehlen eine Versorgung von 30 Prozent aller Konsumentinnen
und Konsumenten. „Die Substitutionsbehandlung mit etwa 80.000 Patientinnen
und Patienten, welche bereits eine medizinische Anbindung haben, hätte die
Möglichkeit, proaktiv die Zielgruppe zu erreichen und mit Naloxon zu
versorgen“, so Fleißner, „doch bisher passiert hier zu wenig, obwohl Take-
Home Naloxon kein Missbrauchspotenzial hat und weder zu risikoreicherem
noch zu Beikonsum anregt.“

Das Projekt NALtrain läuft noch bis Juni 2024. Weitere Informationen zu
Take-Home Naloxon, dem Bundesmodellprojekt NALtrain und Möglichkeiten,
sich am Projekt zu beteiligen finden sich online unter
<www.naloxontraining.de>

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale
Arbeit und Gesundheit, Prof. Dr. Heino Stöver, Telefon: +49 69 1533-2823,
E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>; Simon Fleißner, Telefon: + 49 69
1533-3125, E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..de>

Weitere Informationen zum Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main
unter <www.frankfurt-university.de/isff>.