Der wissenschaftliche Blick auf das Glück
Der Mensch strebt nach Glück – und wenn man Glück hat, würde man es am liebsten einfangen, festhalten und nie wieder loslassen. Doch würde sich das wie Glück anfühlen? Oder ist es für das Glücksempfinden unverzichtbar, unglücklich sein zu können? Und was ist Glück eigentlich? Bei genauerem Nachdenken über das Glück zeigt sich zunächst: Die deutsche Sprache ist unpräzise, wenn es darum geht, das Glück beim Namen zu nennen.
Definition von Glück
Glück ist flüchtig, kaum fassbar. Bereits bei der Definition gibt es Schwierigkeiten. Denn: In der deutschen Sprache werden Glück, das Menschen zufällig zuteilwird, und Glück, das angestrebt wird, unter dem gleichen Begriff gefasst.
Jemand, der stetig am Fußballtraining teilnimmt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit der eigenen Mannschaft Erfolge zu feiern. Dieses Glück ist beeinflussbar. Unkontrollierbar ist das Glück, das Menschen bei der Geburt zufällt. Ob wir gesund auf die Welt kommen oder unter Behinderungen leiden, entscheidet der Zufall. Doch selbst wenn Menschen bei der Geburtslotterie den Kürzeren ziehen, muss das Leben des Einzelnen nicht unglücklich sein. Menschen, die körperliche Einschränkungen zu erdulden haben, sind oft trotzdem in der Lage, Glück zu empfinden und ein glückliches Leben aufzubauen.
Das Zufallsglück
Von einer Glückssträhne ist die Rede, wenn Menschen beispielsweise beim Roulette mit mehreren Wetten in Folge richtig liegen. Da diese Ereignisfolge zufälliger Natur ist, spricht der Glücksforscher in diesem Zusammenhang von Zufallsglück. Ob Spieler mit den Roulette Regeln vertraut sind oder die Jetons blind auf dem Tableau platzieren, ist letzten Endes zweitrangig. Das Glück im Casino ist nicht zähmbar, belohnt und frustriert den Spieler eigenwillig und gnadenlos.
Dennoch unterliegt das Zufallsglück Wahrscheinlichkeiten. Um beim Roulette etwa gewinnen zu können, muss zunächst ein Einsatz platziert werden. Wer nicht teilnimmt, profitiert also nie vom Zufallsglück. Darüber hinaus treten Resultate mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit ein. So ähneln Wetten auf Rot oder Schwarz dem klassischen Münzwurf, während Wetten auf einzelne Zahlen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:37 (oder 1:38 beim American Roulette) von Erfolg gekrönt sind. Je risikoreicher die Wette, desto stärker muss das Zufallsglück eingreifen, um die positive Ereignisfolge beizubehalten.
Glück ist berechenbar
Tatsächlich ist der Lauf des Lebens mit glücklichen und unglücklichen Zufällen gepflastert. Nach einer Bewerbung den Traumjob zu ergattern, erfordert Zufallsglück. Verpasst jemand seinen Zug, wird dies zunächst als Unglück empfunden. Knüpft der Unglücksrabe – am Bahnhof wartend – Freundschaft mit zwei anderen Leidtragenden, ändert sich schnell der Blickwinkel. Das Unglück wandelt sich plötzlich zum Glück. Jedes Leben steckt voller Wahrscheinlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, die Einfluss aufs Glücksempfinden haben.
Und: Wahrscheinlichkeiten sind berechenbar. Glück lässt sich zwar nicht erzwingen. Doch jeder Mensch kann Maßnahmen ergreifen, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen. Nun ist es wahrscheinlich nicht ratsam, absichtlich Züge zu verpassen. Gemeint ist vielmehr, sich häufig in Situationen zu begeben, in denen Glück zutage treten kann. Wer beruflich Erfolge sucht, versucht Kontakte aufzubauen. Für Erfolg im Sport ist es unerlässlich, aus Misserfolgen zu lernen und sich im Wettstreit immer wieder aufs Neue zu messen.
Das Glück kommt von innen
Glück beschreibt mitunter ein Gefühl der Zufriedenheit. Von anderen Lob zu erfahren oder einen Spaziergang zu unternehmen, macht glücklich. Dieses Glück vergeht jedoch, ist bloß von kurzer Dauer. Um dauerhafte Lebensfreude zu empfinden, muss das Glück auf diverse Lebensbereiche übergreifen. Tatsächlich hängt es auch – und jetzt wird es ziemlich unfair – von der genetischen Veranlagung ab, wie stark das Glücksempfinden ausgeprägt ist.
