DIVI zur Krankenhausreform: Ohne Notfallversorgung nur Stückwerk!
Das Grundgerüst der Krankenhausreform stehe, heißt es vor dem nächsten
Treffen der Regierungskommission an diesem Donnerstag. Die bereits
etablierten Strukturen in Nordrhein-Westfalen (NRW) sollen als Blaupause
für Vorhaltepauschalen und Leistungsgruppen dienen. Im Gegensatz zu den
Empfehlungen der Regierungskommission ist aber in NRW – und damit geplant
demnächst in ganz Deutschland – die Notfallmedizin keine eigene
Leistungsgruppe. So wird eine Institution nicht berücksichtigt, in der pro
Jahr 15 bis 20 Millionen hilfesuchende Menschen medizinische Leistungen
erhalten.
Daher fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und
Notfallmedizin (DIVI) mit äußerstem Nachdruck, die Notfallmedizin in
dreistufiger Unterteilung als Leistungsgruppe in die noch zu erstellende
Liste der Krankenhausreform aufzunehmen. Nur so wird das deutsche
Gesundheitssystem zukunftsfähig.
„Innerhalb der DIVI weicht die Freude über den erreichten Kompromiss
zwischen Bund und Ländern dem Unverständnis darüber, dass die
Notfallmedizin als Leistungsgruppe weiterhin unbeachtet bleibt“, erklärt
DIVI-Präsident Prof. Felix Walcher, Direktor der Klinik für
Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburgs. „Das ist dann doch
zu viel der Kompromissbereitschaft von Bundesseite. In dieser Form kann
und darf das Reformvorhaben nicht umgesetzt werden!“
Aus fachlicher Sicht ist die Versorgung hilfesuchender Menschen eine
Selbstverständlichkeit. Die Qualität der Leistungserbringung aber steht in
unmittelbarem Zusammenhang mit der Qualität der vorgehaltenen
infrastrukturellen, apparativen und personellen Strukturen, wie auch der
Menge der erbrachten Leistungen. So ist unbestritten, dass nicht in jedem
Krankenhaus ein Maximum an Vorhaltung geleistet werden kann und auch muss.
„Die stationäre Notfallmedizin ist schlicht und ergreifend ein integraler
Bestandteil einer jeden Krankenhausplanung“, so DIVI-Präsident Walcher.
„Die Strukturen bedürfen deshalb zwingend einem dreistufigen System!“
Die stationäre Notfallversorgung muss eigene dreistufige Leistungsgruppe
werden!
Die DIVI ist überzeugt: Sinnvolle Lösungen im Gesundheitswesen setzten
eine strukturierte Verzahnung der Sektoren und Strukturen voraus. Aus
fachlicher Sicht macht es keinen Sinn, miteinander zusammenhängende
Reformen zu planen und dann schon bei der ersten Reform wesentliche
Bestandteile, die für die nächsten Reformen wichtig sind, nicht zu
berücksichtigen.
„Entsprechend verweisen wir als Fachgesellschaft auf die bislang noch
nicht im Fokus stehende 4. Empfehlung der Regierungskommission vom 15.
Februar dieses Jahres zur Reform der Notfall- und Akutversorgung in
Deutschland sowie die noch zu erwartenden Vorschläge für eine Reform für
das Rettungswesen“, sagt Walcher. „Denn diese werden in der aktuellen
Debatte – oder schon als fertiges Grundgerüst gelobten Reform – vollkommen
außer Acht gelassen!“
Dreistufiges System bereits durch G-BA und DIVI-Strukturempfehlung
etabliert
Unabhängig davon ist auch aus anderen Gründen wenig weitsichtig und
fachlich nicht nachvollziehbar, warum man die stationäre Notfallversorgung
nicht als eigene sowie dreistufige Leistungsgruppe ausweisen möchte. Der
G-BA hat bereits eine Regelung zu einem gestuften System von
Notfallstrukturen in Krankenhäusern verabschiedet. Es ist inzwischen in
der Praxis etabliert und Grundlage weiterer Strukturempfehlungen.
Entsprechend basiert das 3-Stufen-Modell für die intensivmedizinischen
Versorgungsstufen in der Empfehlung der DIVI zur Struktur und Ausstattung
von Intensivstationen ebenfalls auf der G-BA-Regelung. „Es wäre nur
konsequent, diesen Weg weiterzugehen“, appelliert DIVI-Präsident Walcher.
Stellt die Politik die Weichen für die Zukunft?
Mit Spannung erwartet die DIVI die Ergebnisse des Zusammentreffens der
Regierungskommission am Donnerstag, den 29. Juni 2023. Ob die
vorgetragenen Argumente die Entscheidungsträger von Bund und Ländern so
überzeugen können, dass die aus notfallmedizinischer Sicht zwingend
erforderliche Ergänzung um die Leistungsgruppe der Notfallmedizin gelingt?
