Dem Klimawandel auf der Spur: Wissenschaftler der Constructor University auf Forschungsfahrt vor Brasilien
Ein Team von 60 internationalen Forschenden an Bord des französischen
Forschungsschiffes „Marion Dufresne“ untersucht derzeit den Meeresboden
vor der Küste Brasiliens auf Auswirkungen des Klimawandels. Als einziger
Wissenschaftler einer deutschen Universität war Dr. Vikram Unnithan,
Professor für Geowissenschaften an der Constructor University in Bremen,
auf der ersten Etappe der Forschungsfahrt dabei.
Steigende Temperaturen können schwerwiegende und lanfristige Folgen für
die Kontinentalränder unter den Ozeanen haben. Sie können zu
Hangrutschungen, Verschiebungen im Sediment und verstärkten Gasemissionen
aus dem Meeresboden führen und damit die Auswirkungen des Klimawandels
verstärken. „Selbst Erwärmungen von ein bis zwei Grad Celsius haben enorme
Auswirkungen auf den Meeresboden, insbesondere an der Schelfkante, wo
diese Temperaturveränderungen in Verbindung mit Schwankungen des
Meeresspiegels zu verstärkten Gas- und Flüssigkeitsemissionen führen
können“, erläutert Unnithan, der diesen Prozess mit dem Schmelzen des
Permafrostes in der Arktis vergleicht. Methan wird freigesetzt, es
entstehen große Löcher und damit verbundene Einbrüche und Schlammströme.
„Zu verstehen, wie dieser Prozess auf und unter dem Meeresboden abläuft,
ist wichtig für die Quantifizierung der Gasflüsse, die Untersuchung ihrer
potenziellen Auswirkungen auf den Klimawandel und die Bewertung der
Gefahren, die von unterseeischen Rutschungen und Flüssigkeitsaustritten
ausgehen“, meint Unnithan.
Mit einer Länge von 120 Metern ist die Marion Dufresne eines der größten
Forschungsschiffe der Welt. Aber nicht nur deshalb ist sie eine
Besonderheit. Mithilfe einer speziellen Technik kann das Schiff bis zu 80
Meter lange Bohrkerne nehmen, ohne dass das zu bergende Sediment
beeinträchtigt wird. So ist eine detaillierte Analyse möglich. Dies
geschieht in Wassertiefen zwischen 1.000 und 2.000 Metern, einzelne
Untersuchungen reichen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern. Die meisten der
Proben werden einige Hundert Meilen vor der Küste Brasiliens genommen, am
Rande des brasilianischen Schelfs, im Einflussbereich des Amazonas.
Welche Zusammensetzungen diese Gase haben, wie sie sich bilden und aus dem
Meeresboden aufsteigen sind ebenso Gegenstand der Forschung, wie die
Auswirkungen von Gas auf die Auslösung riesiger unterseeischer
Rutschungen. „Es ist in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit, die wir hier
unternehmen. Die Stimmung an Bord ist von Wissbegierde und Enthusiasmus
geprägt – es ist ein großes Privileg, mit einigen der besten
Wissenschaftler:innen auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten“, sagt
Unnithan. Die Zusammensetzung des französisch-brasilianischen Projekts ist
nicht nur international, sondern auch interdisziplinär. An Bord sind
Forschende aus den Bereichen Sedimentologie, Geochemie, Stratigraphie,
Geophysik oder auch Geotechnik.
Der Geowissenschaftler ist an der Untersuchung der Bohrkerne und der
Analyse geophysikalischer Daten beteiligt, die während dieser
Forschungsexpedition gesammelt werden. Sein besonderes Interesse aber gilt
den Daten aus der Wassersäule und dem Verständnis der Beziehungen zwischen
der Lage von Fackeln (Gasemissionen aus dem Meeresboden) und Merkmalen
unter dem Meeresboden (frühere Rutschungen, Einbrüche und Gashydrate, also
kristalline, eisähnliche Feststoffe). „Wir bringen eine riesige Menge an
wissenschaftlichen Informationen mit, die zahlreiche Forschende für viele
weitere Jahre beschäftigen werden“, so Unnithan.
Weitere Informationen:
https://univ-cotedazur.shortha
