Erweiterter Wellenströmungskanal mit der weltweit größten Wellenmaschine eröffnet
Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck und Ministerpräsident
Stephan Weil haben die Forschungsanlage gemeinsam mit den Beteiligten der
Universitäten in Betrieb genommen
Die Leibniz Universität Hannover (LUH) und die Technische Universität
Braunschweig (TU BS) haben in den vergangenen Jahren den neuen Großen
Wellenströmungskanal (GWK+) in Hannover-Marienwerder konzipiert und
aufwendig erweitert. Mehr als 35 Millionen Euro sind investiert worden, um
die Forschung zur Energiewende im GWK+ massiv voranzubringen. Untersucht
werden hier unter anderem feste und schwimmende Gründungsstrukturen von
Offshore-Windenergieanlagen. Heute ist die weltweit einmalige
Großforschungsinfrastruktur in Anwesenheit von Robert Habeck,
Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, und Stephan Weil,
Niedersächsischer Ministerpräsident, gemeinsam mit den
Universitätspräsidien sowie den federführenden Forschenden in Betrieb
genommen worden.
Nach einem feierlichen Knopfdruck zum Starten der Anlage baute sich die
erste beeindruckende, drei Meter hohe Welle im 300 Meter langen
Wellenströmungskanal auf. Durch die Erweiterung verfügt die
Großforschungsinfrastruktur nun über eine leistungsfähige Strömungsanlage,
einen Tiefteil zur Untersuchung von Gründungsstrukturen von Offshore-
Windenergieanlagen und eine hochleistungsfähige Wellenmaschine zur
Erzeugung von Ozeanwellen mit bis zu drei Metern Höhe. Durch den Umbau
besteht jetzt die Möglichkeit, Wellen und Strömung gleichzeitig zu
erzeugen – ein neuer Superlativ für Hannover: Keine andere Einrichtung
weltweit bietet diese Möglichkeit.
„Die Windenergie spielt heute und auch in Zukunft die zentrale Rolle bei
der Stromversorgung Deutschlands. Bedingt durch den zunehmenden
Strombedarf durch die Elektrifizierung weiterer Sektoren, wie die
Gebäudeheizung mit Wärmepumpen oder die Elektromobilität, muss die
Windenergienutzung schnell und effizient ausgebaut werden. Der
Wellenströmungskanal in Hannover wird dazu einen wichtigen Beitrag
leisten, indem er Untersuchungen zur Optimierung von Offshore-Gründungen
ermöglicht. Auf diese Weise kann der Windenergieausbau auf See noch
kostengünstiger und zuverlässiger werden. Daher und wegen der vielfältigen
weiteren Forschungsaspekte, die mit dem Wellenströmungskanal untersucht
werden können, ist die zur Verfügung gestellte Forschungsförderung des
BMWK in Höhe von rund 35 Millionen Euro sinnvoll und zukunftsfähig
eingesetztes Geld“, hob Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck
in seinem Grußwort hervor.
Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil betonte: „Ich freue
mich sehr darüber, dass wir in Niedersachsen jetzt diesen weltweit
einzigartigen Wellenströmungskanal haben. Damit bekommen Forschung und
Industrie weitreichende neue Möglichkeiten für die Entwicklung von
Offshore-Windanlagen. Und auch der für Niedersachsen besonders wichtige
Küstenschutz kann durch das gleichzeitige Erzeugen von Wellengang und
Strömung weiter erforscht und verbessert werden. Insgesamt eine wirklich
beeindruckende Anlage, zu der ich allen Beteiligten nur herzlich
gratulieren kann.“
Seit Inbetriebnahme des GWK im Jahr 1983 sind zahlreiche richtungweisende
Forschungsprojekte in der Anlage durchgeführt worden. Die
Forschungsansätze und –anforderungen haben sich in jüngster Zeit indes
stark verändert. Bisher konnten ausschließlich Wellen erzeugt werden. Mit
dem Ziel des Ausbaus mariner Erneuerbarer Energien (Offshore-Windenergie,
Tide-/Wellenenergie und andere) rücken Installations- und Betriebskonzepte
über den Lebenzyklus dieser Bauwerke sowie der Einfluss von
Gezeitenströmungen stärker in den Fokus. Im Jahr 2017 hatte das
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK, vormals BMWi)
daher das Forschungsprojekt „marTech – Erprobung und Entwicklung maritimer
Technologien zur zuverlässigen Energieversorgung“ auf Beantragung der
beteiligten Universitäten LUH und TU BS bewilligt, um den Anforderungen
der Forschung und der Industrie beim Ausbau und im Betrieb der
Erneuerbaren Energien gerecht zu werden. Seither sind in die Erweiterung
des Großen Wellenströmungskanals (GWK+) Hannover mehr als 35 Millionen
Euro investiert worden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft
und Kultur (MWK) hat mit rund 1,4 Millionen Euro bei der Planung und beim
Grundstückserwerb unterstützt. Der GWK+ wird unter der Ägide des
gemeinsamen Forschungszentrums Küste (FZK) von LUH und TU BS betrieben.
Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin der Technischen Universität
Braunschweig, und Prof. Dr. Volker Epping, Präsident der Leibniz
Universität Hannover, freuen sich sehr darüber, dass der GWK+ nun
startklar für den Forschungsbetrieb ist. „Mit dieser
Forschungsinfrastruktur wird ein wesentlicher Beitrag zur Erprobung und
Entwicklung von Technologien der Erneuerbaren Energien auf und aus dem
Meer geleistet werden können. Dies stützt auch unmittelbar den
Forschungsschwerpunkt Energie, den die Leibniz Universität auf vielen
Gebieten interdisziplinär verankert hat. Wir werden in der Wissenschaft
mit unseren Möglichkeiten an der Leibniz Universität dazu beitragen, den
Transformationsprozess unserer Energiesysteme auf Bundes- und Landesebene
weiter zu beschleunigen“, betonte Prof. Dr. Volker Epping.
„Mit unserer herausragenden Forschung am Großen Wellenströmungskanal
tragen wir zur Energiewende und Energiesicherheit Europas bei. Diese
einmalige Forschungsinfrastruktur gibt uns die Möglichkeit, Offshore-
Windenergieanlagen sowie Tideenergieanlagen unter kontrollierten
Bedingungen zu untersuchen. Wir stärken somit den Wissenschafts- und
Wirtschaftsstandort Niedersachsen und Deutschland. Gemeinsam mit unseren
Industriepartnern entwickeln wir Lösungen, die technisch ausgereift und
international auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig sind“, sagte
Präsidentin Prof. Dr. Angela Ittel.
Die leitenden Forschenden Prof. Dr.-Ing. Torsten Schlurmann, Leibniz
Universität Hannover, und Prof. Dr.-Ing. Nils Goseberg, Technische
Universität Braunschweig, beide im Direktorium des Forschungszentrums
Küste, erläuterten den Gästen die wissenschaftlichen und technischen
Hintergründe des erweiterten Wellenströmungskanals. „Wir können hier die
gleichzeitige Belastung aus Seegang und Strömung in großem Maßstab und
damit realitätsnah auf großer Skala untersuchen“, sagte Prof. Schlurmann.
Steilere und höhere Wellen, wie sie durch den Klimawandel prognostiziert
werden, können zukünftig auch im Experiment nachgestellt und Belastungen
auf Bauwerke simuliert werden. Mit der ebenfalls neuen, umlaufenden
Strömungsanlage können erstmalig Tideströmungen wie im Meer untersucht
werden. „Der neue Tiefteil ermöglicht es, auch den im Boden befindlichen
Teil von Offshore-Windenergieanlagen zu simulieren und dort stattfindenden
Bewegungen von Boden und Anlage zu untersuchen“, erläuterte Prof.
Goseberg.
