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Freiburger Forschende ermitteln erstmals die Wildtierpopulationen in 10 deutschen Großschutzgebieten

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   1,2 Millionen Bilder erfasst und mit Künstlicher Intelligenz
analysiert
•       Ergebnisse sollen dazu beitragen, das Bestandsmanagement von
Huftieren zu verbessern und deren Wirkung auf Ökosysteme genauer zu
erhellen
•       Nächste Projektphase bereits angelaufen

7591 Rothirsche, 3443 Rehe, 4876 Wildschweine, 36 Wölfe, 16 Luchse und 227
Rotfüchse: Das ist das Ergebnis des ersten standardisierten Monitorings
von Wildtierpopulationen in zehn deutschen Großschutzgebieten.
Durchgeführt wurde es von Wissenschaftler*innen der Universität Freiburg
um Prof. Dr. Marco Heurich und Dr. Christian Fiderer von der Fakultät für
Umwelt und Natürliche Ressourcen. Mit 643 automatischen Wildtierkameras
wurden in den Jahren 2019 und 2020 mehr als 1,2 Millionen Aufnahmen
gemacht. Die Populationsdichte der Schutzgebiete konnte dann durch den
Einsatz statistischer Modelle und Künstlicher Intelligenz ermittelt
werden. Das Wildtiermonitoring ist Teil eines Forschungs- und
Entwicklungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz. Deren Ergebnisse
sollen dazu beitragen, das Bestandsmanagement von Huftieren zu verbessern
und deren Wirkung auf Ökosysteme weiter zu erhellen. Veröffentlicht werden
die Ergebnisse voraussichtlich im Herbst 2023. Die Nationalparks führen
das Monitoring seit dem 1. Juni 2023 fort, um die vorherigen
Messergebnisse mit den aktuellen Beständen zu vergleichen.

Monitoring als Grundlage für Bestandsmanagement

Erhoben wurden die Bestände in den Nationalparks Bayerischer Wald,
Berchtesgaden, Eifel, Hainich, Harz, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-
Edersee, Müritz und Schwarzwald sowie im Wildnisgebiet Königsbrücker
Heide. Mit Hilfe des Monitorings soll es in Zukunft möglich sein,
schutzgebietsübergreifend Zusammenhänge zwischen den Populationsgrößen und
der Wirkung der Huftiere auf ihr Ökosystem zu erkennen. Nur so kann ein
sinnvolles Management der Bestände von Rothirsch, Reh und Wildschwein
erfolgen. „Das Monitoring der Huftierpopulationen ist ein entscheidender
Teil des Managementprozesses in Schutzgebieten, da es wichtige Daten zur
Entwicklung der Wildtierbestände liefert und als Grundlage, Rechtfertigung
und Erfolgskontrolle für die Regulierung der Wildtierbestände dient“, sagt
Projektleiter Marco Heurich.

Einsatz künstlicher Intelligenz zur Bewältigung der Datenmenge

Für die Erfassung der Fotos wurde eine Datenbank an der Universität
Freiburg eingerichtet, auf die die Bilder aus den Großschutzgebieten
hochgeladen wurden. „Um aus dieser Flut von Fotos die Wildtierpopulationen
von zehn deutschen Großschutzgebieten ermitteln zu können, war die
Unterstützung von Künstlicher Intelligenz entscheidend“, sagt Christian
Fiderer, der das Projekt koordiniert hat. „Ohne sie würden wir noch in
zwei Jahren an der Klassifizierung der Bilddaten sitzen.“

Zweite Projektphase startet

Nachdem die ersten Daten ausgewertet worden sind, planen die Nationalparks
bereits eine Fortführung des Monitorings, um Entwicklungen der
Wildtierbestände im Vergleich zum Stand der ersten Projektphase
nachvollziehen zu können. Dabei sollen auch die Auswirkungen der sich
ausbreitenden Wolfpopulationen auf die Huftierpopulationen untersucht
werden. „Seit dem 1. Juni sind bundesweit wieder 780 Fotofallen in elf
Nationalparks im Einsatz, um die Bestände von Hirschen, Rehen und
Wildschweinen zu erfassen“, so Fiderer, Projektkoordinator der Universität
Freiburg. Begleitet wird das Projekt außerdem durch drei weitere
Untersuchungsgebiete in Deutschland, der Schweiz und Rumänien, wobei
insgesamt 1.063 Fotofallen zum Einsatz kommen.