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„Klarer Kompass für die Energiewende“

Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen.  Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen. Deutsche Bundesstiftung Umwelt
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Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen.  Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen. Deutsche Bundesstiftung Umwelt

DBU-Jahrespressekonferenz – Beispielhafte Praxislösungen
Angesichts teils heftiger energiepolitischer Debatten fordert
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen „klaren Kompass für die
Energiewende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Grüner Strom wird
Öl, Kohle und Gas von morgen sein – vom Heizen bis zur Mobilität. Wir
müssen neue Wege wagen mit praxisorientierten Innovationen, neuen
Technologien und visionären Ideen. Sektorenkopplung ist der Schlüssel für
eine nachhaltige Zukunft“, so Bonde heute (Dienstag) auf der digitalen
DBU-Jahrespressekonferenz (JPK), abzurufen unter
https://www.dbu.de/youtubejahrespk2023/.

DBU-Förderstrategie entlang der Sektorenkopplung

Die intensive Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie
ist nach Bondes Worten „unverzichtbar, damit die Energiewende gelingt“.
Der DBU-Generalsekretär erinnerte daran, dass Deutschland bis 2045 und die
Europäische Union (EU) bis 2050 klimaneutral sein wollen, also nicht mehr
klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen wollen als gebunden werden kann.
„Uns bleiben nur noch wenige Jahrzehnte, um es richtig anzupacken“, so
Bonde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt orientiere deshalb ihre
Förderstrategie „entlang der Sektorenkopplung“. Im Blick sind dabei Bonde
zufolge unter anderem die Erzeugung nachhaltiger Energie und die Leistung
von Verteilnetzen ebenso wie „technologisches Neuland“ bei Strom,
E-Mobilität und im Wärmebereich etwa mit der Entwicklung von Speichern.
Zugleich führe Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine neben unsäglichem
menschlichem Leid zu großer Unsicherheit bei Energieversorgung und
-sicherheit. „Die Doppel-Aufgabe besteht darin, Klimaschutzziele zu
erreichen und gleichzeitig die Energieversorgung sicherzustellen“, sagte
Bonde.

„Da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen“

Klarer Kompass für die Energiewende: Auf der digitalen
Jahrespressekonferenz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) forderten
(von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser aus dem
DBU-Referat Energie sowie der Leiter der DBU-Abteilung Umwelttechnik,
Felix Gruber, neben dem raschen Ausbau erneuerbarer Energien die Kopplung
der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie voranzubringen. Die DBU
richtet ihre Förderstrategie entlang dieser Sektorenkopplung aus. ©
Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Der DBU-Generalsekretär mahnte einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien
(EE) an, wies zugleich aber darauf hin, „dass es mit einem Turbo-EE allein
nicht getan ist. Energiesparen, Energieeffizienz, und am besten beides in
Kombination mit Circular Economy, also einer umfassenden
Kreislaufwirtschaft, sind ideale flankierende Maßnahmen.“ Im vergangenen
Jahr betrug der gesamte Endenergieverbrauch in Deutschland laut
Umweltbundesamt rund 2.290 Milliarden Kilowattstunden (kWh), also 2.290
Terawattstunden (TWh). Daran hatten erneuerbare Energien einen Anteil von
rund 21,8 Prozent, was 500 TWh entspricht. Die beste EE-Bilanz weist der
Stromsektor mit einem EE-Anteil von 46,2 Prozent auf; starken
Nachholbedarf haben Verkehr mit einem EE-Anteil von 6,8 Prozent sowie
Wärme mit 17,4 Prozent EE-Anteil. „Die erneuerbaren Energien brauchen mehr
Tempo. Da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen“, sagt Felix Gruber,
Leiter der DBU-Abteilung Umwelttechnik. Er präsentierte auf der JPK mit
Dr. Katrin Anneser aus dem DBU-Referat Energie einige wegweisende von der
DBU geförderte Energiewende-Projekte. Gruber: „Allein die Stromerzeugung
in Deutschland aus EE-Quellen soll bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent
haben.“

Weiterentwicklung von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen

Gruber zufolge müssen regenerative Primärenergien wie Wind, Wasser und
Sonne effizienter als bisher genutzt werden. Beim Entwickeln neuer
Technologien unterstütze die DBU auch Forschungseinrichtungen wie das
Helmholtz-Zentrum in Berlin. Ergebnis: die Weiterentwicklung sogenannter
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen. Die Solarzellen bestehen dabei aus
zwei Materialsystemen, Silizium und Perowskit. Denn der Wirkungsgrad der
noch marktbeherrschenden Silizium-Solarzellen ist am physikalischen Limit.
Durch das Tandem-Bauteil lassen sich indes verschiedene spektrale Anteile
des Sonnenlichts in Energie umwandeln. Resultat: Mittlerweile übertreffen
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen mit mehr als 29 Prozent die
Wirkungsgrade von herkömmlichen Silizium-Solarzellen. Im Labormaßstab
wurde gar ein Effizienzweltrekord von knapp 30 Prozent aufgestellt.

Mehrfache Flächennutzung und effizientere Energieausbeute

Ein anderes Beispiel für doppelte Flächennutzung sind hybride PVT-
Wärmepumpensysteme – eine Kombination von solarer Strom- und
Wärmeerzeugung mit moderner Wärmepumpentechnik. Herausgekommen ist in
einem DBU-Förderprojekt ein hocheffizienter PVT-Sole-Luftkollektor namens
Solink, der von oben einem üblichen PV-Modul ähnelt, jedoch auf der
Unterseite mit einem Wärmeüberträger ausgerüstet ist. Vorteile: Selbst
ohne Sonneneinstrahlung kann sowohl die Abwärme des PV-Moduls genutzt als
auch der Umgebungsluft Wärme entzogen werden. Die PVT-Kollektoren sparen
zudem Fläche und versorgen dennoch Gebäude mit Strom und Wärme
gleichzeitig. Die mehrfache Nutzung von Flächen in Verbindung mit einem
dezentralen Versorgungskonzept ist auch Kern eines anderen Sonnen-Projekts
der DBU. Anneser: „Wegen des Flächendrucks sollte beim EE-Ausbau die
bestehende Verkehrsinfrastruktur genutzt werden. Photovoltaik in
Bahngleisen ist zum Beispiel eine ausgezeichnete Option.“ Fahrwegsflächen
seien etwa ohne großen zusätzlichen baulichen Aufwand zu verwenden, um
dann dezentral Energie direkt ins Bahnstromnetz und anliegende
Infrastruktur einzuspeisen. Die Aussichten sind durchaus rosig:
Schließlich sind bundesweit rund 10.000 Kilometer Gleise verlegt – viel
Potenzial für PV-Kraftwerke.

Künstliche Intelligenz kann bei der Energiewende helfen

Und dass Künstliche Intelligenz (KI) bei der Energiewende helfen kann,
stellt der NRW-Betrieb Brinkmann Pumps in einem DBU-geförderten Vorhaben
unter Beweis: Mithilfe von KI soll der Energiebedarf von ungeregelten
Pumpen reduziert werden. Das könnte auch deshalb Schule machen, weil
elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe fast zwei Fünftel des
gesamten Strombedarfs in Deutschland verbrauchen.

Der DBU-Jahresbericht 2022 auch unter
https://cms.dbu.de/doiLanding1699.html.