Forschung am Wegesrand rund um Davos
Rund um Davos stossen Wandernde auf Forschungsflächen des WSL-Instituts
für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Drei Routen unterschiedlichen
Schwierigkeitsgrads und was SLF-Forschende dort am Wegesrand untersuchen.
Wissenschaft ist nicht auf Labore beschränkt. Im Gegenteil, die Arbeit im
Freien ist ein essenzieller Bestandteil der Umweltforschung. Rund um Davos
betreiben Wissenschafterinnen und Wissenschafter zahlreiche Anlagen und
Versuchsflächen. Manche sind neu, manche fast hundert Jahre alt. Gemeinsam
liefern sie wichtige Erkenntnisse, über Schnee und Lawinen, Wälder und
Wiesen, Biodiversität und Klimawandel.
Bitte nehmen Sie Rücksicht und betreten Sie die Versuchsflächen nicht.
Sowohl eventuell vorhandene Geräte als auch die Pflanzen auf den Flächen
sind teilweise hochsensibel.
Die Zeitangaben sind Richtwerte. Die tatsächliche Gehzeit hängt von der
individuellen, körperlichen Fitness ab.
Auf https://www.outdooractive.com/ stehen die Touren mit detaillierten
Angaben, beispielsweise den zu überwindenden Höhenmetern, sowie
Kartenmaterial zur Verfügung.
Einfach: Wald und Umwelt
Rundweg von Davos Dorf durch den Seehornwald und am Davoser See entlang
Vom SLF folgen wir der Flüelastrasse Richtung Flüelapass und biegen nach
knapp 400 Metern links in die Baslerstrasse ab. In der zweiten Kurve
zweigt ein Forstweg ab, der zu Beginn parallel zur Baslerstrasse verläuft,
aber steiler ansteigt. Diesem folgen wir bis zu einer T-Kreuzung, an der
wir links abbiegen. Schon bald sehen wir zur linken einen Zaun, hinter dem
sich zahlreiche Messstationen befinden. Hier erforschen Wissenschafter und
Wissenschafterinnen der WSL bereits seit den 1980er Jahren, wie Bäume auf
sich ändernde Umweltbedingungen reagieren. Eine Schautafel erläutert
Details. Wir folgen dem Waldweg und biegen hinter einer Bahnunterführung
links ab zum Davoser See. Dort angekommen, haben wir die Wahl, ob wir
links (kürzer) oder rechts (plus ca. 20 Minuten) dem Uferweg bis zum
Strandbad folgen. Von dort führt ein kleiner Weg unter den Bahngleisen
hindurch und wir erreichen ein paar Gebäude. Hinter dem letzten Haus auf
der rechten Seite biegen wir auf einen Fussweg ab. Kurz vor dessen Ende
sehen wir rechts eine Messstation, Bestandteil des Interkantonalen Mess-
und Informationssystems IMIS, das schweizweit Daten zu Wetter und Schnee
erhebt. Kurz dahinter gelangen wir zurück zum SLF.
Ausgangspunkt: SLF, Flüelastrasse 11, Davos Dorf
Zeitbedarf: ca. 1 h ohne Pausen
Tipp: Wir empfehlen, diesen kurzen Ausflug mit einer Führung im SLF zu
kombinieren. (jeden Freitag um 10.00 Uhr ausser an Feiertagen, nur nach
Anmeldung)
Mittel: Auf dem Weg zur Schneeforschung
Aufstieg im Parsenngebiet
Vor der Talstation drehen wir uns nach rechts und gehen links an der
Kirche St. Theodul vorbei in die Dorfstrasse. Nach wenigen Metern biegen
wir links in die Salzgäbastrasse ab. An der T-Kreuzung rechts, weiter bis
zur Jugendherberge und dort wieder rechts gelangen wir in die
Börtjistrasse. Wir folgen dem Verlauf bergan und Schildern Richtung
Büschalp, Parsennhütte und Panoramaweg und gelangen so nach einiger Zeit
auf einen Waldweg. Von da an immer bergan Richtung Panoramaweg und
Parsennhütte, bis wir oberhalb der Mittelstation der Parsennbahn auf deren
Gleise stossen. Wir halten uns links der Gleise und unterqueren sie erst
auf Höhe des Parsennsees. Nach rund 100 Höhenmetern erreichen wir das
Versuchsfeld Weissfluhjoch. Hier sammeln Forschende im Winter täglich
Schnee-Daten. Aber auch im Sommer messen hier Wissenschafter und
Wissenschafterinnen, beispielsweise die Menge von Niederschlägen.
Weiter geht es den Pfad entlang zur Bergstation der Parsennbahn. Dort
befindet sich das ehemalige Institutsgebäude. Allerdings gehört es seit
ein paar Jahren nicht mehr zum Institut und ist nicht öffentlich
zugänglich.
Der Rückweg erfolgt entlang des Aufstiegswegs oder mit der Parsennbahn.
Option: Wer noch nicht genug hat, folgt den Wegweisern zur Totalp und
umrundet den Totalpsee. Im Nordosten des Sees, etwas unterhalb am Hang,
haben Forschende des SLF Photovoltaikmodule installiert, um zu
untersuchen, wie sich Schnee auf den Ertrag von Solarkraftwerken im
Hochgebirge auswirkt – Resultat: sehr positiv!
Ausgangspunkt: Talstation Parsennbahn, Promenade 157, Davos Dorf
Zeitbedarf: ca. 5-7 h, bei Rückfahrt mit Parsennbahn ca. 3 h, bei Auffahrt
mit der Parsennbahn bis zur Mittelstation reduziert sich die Gehzeit auf
eine gute Stunde.
Die Wanderung führt ins Gebirge. Eine entsprechende Ausrüstung inklusive
festem Schuhwerk ist erforderlich.
Anspruchsvoll: Die Biologenrunde
Von Teufi über Stillberg und Jakobshorn zur Clavadeler Alp
Wir überqueren die Brücke bei Teufi, halten uns kurz rechts und folgen
dann links den Wegweisern bergauf Richtung Jakobshorn. Nach rund 250
Höhenmetern erreichen wir die unbewirtschaftete, vom SLF mitgepachtete,
Stillbergalp. In den Räumen können Forschende arbeiten, sich versorgen und
bei Bedarf auch übernachten. An der Alp befindet sich auch die Bergstation
der institutseigenen Seilbahn, einem offenen Niederberger Schiffli.
Wir bleiben auf dem Weg Richtung Jakobshorn. Zur Rechten sehen wir nach
wenigen Minuten die Versuchsfläche am Stillberg. Dort haben Forschende im
Jahr 1975 auf rund fünf Hektaren Wald aufgeforstet, um zu untersuchen,
welche Arten sich am Besten für einen Schutzwald eignen. Nach einer Kehre
geht es direkt weiter zum Jakobshorn. Ein Blick nach unten zeigt die
Bergstation der Seilbahn sowie die Helikopter-Landeplattform für den
Transport schweren Materials. Im Wald, an der Waldgrenze und darüber
untersucht das SLF zudem, wie sich Bäume dort ausbreiten und wie sich die
Waldgrenze verschiebt.
Ein paar hundert Meter weiter sehen wir hangabwärts nach oben geöffnete
Kammern aus Plexiglas auf der Wiese stehen. Mit deren Hilfe erzeugen
Wissenschafterinnen und Wissenschafter punktuell wärmere Mikroklimen und
erforschen so, wie sich die Pflanzenwelt in den Alpen in Zeiten des
Klimawandels verändern könnte.
Weiter geht es zum Jakobshorn, wo wir den höchsten Punkt der Route
erreichen. Von dort wandern wir bergab durch das gleichnamige Skigebiet
Richtung Clavadeler Alp, vorbei an der Schaukäserei und der Talstation des
Sessellifts Clavadeler Bubble. Wenig später erreichen wir eine T-Kreuzung,
an der wir links abbiegen. Nach gut 500 Metern zweigt scharf links ein
kleiner Schotterweg ab. Diesem folgen wir, bis der Wald endet. Wenige
Meter den Hang hinauf untersuchen Forschende des SLF das Wechselspiel
zwischen Pflanzen und ihren Feinden und welche Folgen das für die
Biodiversität hat. Blaue und gelbe Markierungen unterteilen das Gelände in
einzelne Parzellen.
Auf gleichem Weg gelangen wir zurück zur Talstation der Clavadeler Bubble.
Nach wenigen Metern nehmen wir an der Gabelung den linken Weg. Je nach
Lust und Laune folgen wir den Schildern nach Davos Platz oder wandern
gemütlich zur Ischalp, um mit der Gondelbahn ins Tal zu gelangen.
Option: Vom Jakobshorn nehmen wir den Weg unterhalb des Jatzhorns zum
Stadlersee. Vom Südufer des Sees, circa 50 Höhenmeter bergab in
südwestlicher Richtung, liegt die höchste der drei Forschungsflächen, auf
denen Biologinnen und Biologen des SLF das Wechselspiel zwischen Pflanzen
und ihren Feinden untersuchen. Zurück zur Jatzhütte und von dort wie oben
beschrieben Richtung Clavadeler Alp.
Ausgangspunkt: Teufi
Zeitbedarf: ca. 7 bis 8 h ohne Pausen
Die Wanderung führt ins Gebirge und erfordert Trittsicherheit und
Schwindelfreiheit. Eine entsprechende Ausrüstung inklusive festem
Schuhwerk ist ebenfalls erforderlich.
Tipp: Da diese Route nicht am Ausgangspunkt endet, empfehlen wir, mit dem
Bus nach Teufi zu fahren. Die Linien 312 und 313 fahren im Sommer ab
Bahnhof Davos Dorf.
