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Schwangerschaftsdiabetes - unterschätzte Folgen bei Mutter und Kind: DDG und DGE fordern mehr Awareness

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Schwangerschaftsdiabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung während
der Schwangerschaft. Bei den werdenden Müttern kommt es zu vorübergehend
erhöhten Blutzuckerwerten. Doch nach der Entbindung vervielfacht der
sogenannte Gestationsdiabetes (GDM) die Wahrscheinlichkeit, dass die
Mutter später einen dauerhaften Typ-2-Diabetes entwickelt. Ebenso ist ihr
Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht. Daher ist eine
strukturierte GDM-Nachsorge zentral, sagt die Deutsche Diabetes
Gesellschaft (DDG). Dennoch nehmen derzeit über 60 Prozent der Betroffenen
dieses Angebot nicht wahr.

Im Jahr 2020 kamen in Deutschland 759.827 Kinder zur Welt. Etwa 56.200
Frauen entwickelten während der Schwangerschaft einen GDM. Knapp 8.000
(1,3 Prozent) der Mütter lebten bereits vor der Schwangerschaft mit einem
Diabetes Typ 2. Insgesamt seien gut 9,5 Prozent der Schwangerschaften von
Störungen des Blutzuckerstoffwechsels betroffen, so die „Bundesauswertung
Perinatalmedizin: Geburtshilfe“ des Instituts für Qualitätssicherung und
Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) (1).  „Wir verzeichnen leider eine
steigende Tendenz bei den Zahlen“, sagt Privatdozentin Dr. med. Katharina
Laubner von der Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie am
Universitätsklinikum Freiburg. „Schwangerschaft ist eine Art Stresstest
für den Organismus“, so Laubner.

Eine Erkrankung, die man nicht spürt
So verschlechtert sich die Glukoseverwertung bei Schwangeren mit GDM durch
eine Kombination komplexer Stoffwechselvorgänge. In der Folge steigt ihr
Blutzuckerspiegel.  „Die Patientinnen spüren zunächst nichts davon“,
berichtet die Endokrinologin und Diabetologin. Frauen mit höherem
Lebensalter und Körpergewicht haben ein hohes Risiko für die Entwicklung
eines GDM, ergänzt die Expertin.

Der zu hohe Blutzuckerspiegel kann das Ungeborene „mästen“
Obwohl der Blutzuckerspiegel nur Tage bis Wochen erhöht sein kann, ist
diese Störung alles andere als harmlos. Laubner erklärt: „Da der
Blutzuckerspiegel von Mutter und Kind über die Plazenta verbunden ist,
wirkt sich zu viel Zucker im Blut der Mutter auch auf das Ungeborene aus.
Mit ernsten Folgen: So kann es zu groß und zu schwer für eine normale
Entbindung werden. Auch drohen schwerwiegende Entwicklungsstörungen und
Stoffwechselkomplikationen wie Unterzuckerung des Neugeborenen nach
Geburt“. Später hat das Kind ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen
wie Adipositas

Schwangerschaftsdiabetes (GDM) erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen
Bei der Mutter gilt der GDM wegen des hohen Risikos für die Entwicklung
eines Typ-2-Diabetes nach der Geburt als Prädiabetes. Doch nicht nur das:
Frauen mit GDM wiesen in einer Studie mit einer Beobachtungsdauer von
durchschnittlich 7,7 Jahren ein fast 10-fach erhöhtes Risiko für die
Entwicklung eines Typ-2-Diabetes auf (2). Darüber hinaus treten Herz-
Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall innerhalb von 10
bis 22 Jahren nach der Entbindung doppelt so häufig auf im Vergleich zu
Frauen mit normalem Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft, und zwar
unabhängig davon, ob sie zwischenzeitlichen an Typ-2-Diabetes erkrankt
sind (3, 4).

Alle Frauen mit GDM sollten zur Nachsorge gehen
Frauen mit GDM benötigen deshalb eine strukturierte Nachsorge mit
regelmäßigen Screeningterminen hinsichtlich Typ-2-Diabetes, aber auch auf
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren,
gleich, ob zwischenzeitlich ein Typ-2-Diabetes vorliege oder nicht, so
Laubner. Es gehe dabei auch darum, frühzeitig Diabetes-Vorstufen zu
finden, Patientinnen vorbeugende Maßnahmen anzubieten und einen bereits
ausgebrochenen Typ-2-Diabetes schnell zu behandeln.  Zahlen aus
Deutschland aus dem GestDiab-Register zeigen jedoch, dass nur 38,2 Prozent
der Frauen mit GDM ein postpartales Screening wahrnehmen, der Großteil
über 60 Prozent nicht (5).

Mehr Awareness bei Patientinnen und Behandelnden nötig
„Hier müsste die Awareness dringend verbessert werden“, betont auch
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG aus Tübingen.
„Präventive Maßnahmen wie eine Gewichtsreduktion sollten bei der
langfristigen Betreuung der Patientinnen immer wieder angesprochen
werden“, ergänzt Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Pressesprecher der
DGE aus Hamburg.
„Wir sehen bei der Nachsorge des GDM und damit bei der Prävention und
Therapie von Typ 2-Diabetes noch viel Potenzial, um sowohl die
geburtshilflichen als auch späteren Ergebnisse deutlich zu verbessern“,
fasst Gallwitz zusammen.

Schwangerschaftsdiabetes (GDM) ist Gegenstand der gemeinsamen Online-
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit
der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am Mittwoch, den 19. Juli 2023
ab 11.00 Uhr. Anmeldelink für Journalistinnen und Journalisten unter:
<https://attendee.gotowebinar.com/register/8180035987889316185>