HfK-Hochschulpreise verliehen Review: Hochschultage 2023
Ein Wochenende im Zeichen von Kunst, Design und Musik: Rund 5.000
Besucher:innen nahmen am 8. und 9. Juli 2023 an den Hochschultagen der HfK
Bremen teil. Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden die HfK-Hochschulpreise
für herausragende Leistungen in den Studiengängen verliehen.
In der Schnittmenge von Kunst, Musik, Politik, Philosophie, Gestaltung und
Wissenschaft zeigt sich das Potenzial der HfK. Die Studierenden der
Hochschule für Künste Bremen sind kreative, zukunftsorientierte und
kritische Akteure. Sie begegnen den Herausforderungen, Chancen und Krisen
unserer Zeit durch künstlerische Entwicklungen, Interventionen und
gestalterische Projekte.
Dies hat sich ganz besonders eindrücklich während der Hochschultage
gezeigt: Mit einem interdisziplinären Ansatz und durch das Experimentieren
mit unterschiedlichen Materialien, Medien, Technologien und Arbeitsweisen
sind vielfältige Projektformate entstanden: „Zu erleben waren über 200
Ausstellungen, Installationen, Vorträge, Mode, Technologien, Performances,
Filme, Videokunst und Live-Musik-Darbietungen“, sagt Fabian Brunke,
Absolvent und Veranstaltungsmanager der HfK Bremen. „In diesem Jahr haben
Studierende, PhD-Kandidat:innen und Absolvent:innen sowohl individuell als
auch in Kollektiven ausgestellt“, ergänzt Alumna und
Veranstaltungsmanagerin Sue Wendlandt. Gemeinsam mit Elizaveta (Liza)
Kovalenko, Alumna der Freien Kunst, und Viacheslav (Slava) Romanov,
Masterstudent in den Digitalen Medien, haben sie die Hochschultage
organisiert und kuratiert.
Bei der feierlichen Eröffnung der Hochschultage am Samstagmittag, den 8.
Juli 2023, waren rund 250 Gäste anwesend. Ein Höhepunkt der
Eröffnungsveranstaltung war die Weitergabe des Rektor:innen-Staffelstabs:
Prof. Dr. Mirjam Boggasch ist seit dem 1. Juli 2023 Rektorin der HfK
Bremen. Im Rahmen der Hochschultage fand nun die offizielle Amtsübergabe
statt. Der ehemalige Rektor der Hochschule, Prof. Roland Lambrette,
überreichte Boggasch zwei nautische Flaggen mit dazugehörigem Flaggen- und
Winkeralphabet. Diese seien dazu gedacht, Boggasch in der Ausführung ihres
Amtes zu unterstützen, natürlich in bester Anlehnung an die
Hafengeschichte der Überseestadt. Die wichtigsten Signale wie „nein“ und
„korrekt“ wurden live auf der Bühne geübt. Boggasch betonte, dass die
Hochschultage für sie eine wunderbare Gelegenheit seien, die Bereiche
Kunst, Design, Medien und Musik direkt in ihrer Vielfalt kennenzulernen.
„Ich freue mich darauf, die Zukunft der HfK Bremen gemeinsam mit den
Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden zu gestalten“, so die Rektorin.
Die Verleihung der diesjährigen Hochschulpreise an HfK-Studierende und
Absolvent:innen für herausragende künstlerische, musikalische und
gestalterische Werke wurden mit Spannung erwartet. In jedem der
Studienbereiche Musik, Freie Kunst, Integriertes Design und Digitale
Medien wurden Preise vergeben und Belobigungen ausgesprochen.
Hochschulpreise 2023:
Übersicht aller Kategorien und Preisträger:innen
Musik
Wegen des durchweg sehr hohen Niveaus erachtete die Jury alle
Finalteilnehmer:innen für preiswürdig, sodass dieses Jahr kein erster
Preis vergeben wurde.
Solokünstler:innen:
2. Preise
Violinistin Kalliopi Rizou, sie studiert im 6. Semester, Bachelor of Music
Begründung der Jury: „Kalliopi Rizou nahm das Publikum und die Jury von
Anfang an durch ihre hohe Musikalität gefangen. In Ausdruck und Gestaltung
immer sehr differenziert und fein ausgearbeitet, vermittelte sie
gleichzeitig stets eine hohe Musizierfreude, die den Zuhörer die
Wettbewerbssituation völlig vergessen und in die Musik eintauchen ließ.“
Pianist Kristofer Gjoni, er studiert im 8. Semester, Bachelor of Music
Begründung der Jury: „Kristofer Gjoni beeindruckte durch seine große
Souveränität, mit der er das technisch wie musikalisch höchst
anspruchsvolle Programm gleichsam aus dem Ärmel schüttelte‘. Stilistisch
und klanglich äußerst differenziert wusste er zudem durchgehend eine
musikalisch dichte Atmosphäre zu schaffen, die Jury und Publikum von der
ersten Note an gefangen nahm.“
3. Preis:
Pianistin Wenwen Zhao, sie studiert im 4. Semester, Master of Music
Begründung der Jury: „Wenwen Zhao präsentierte sich als äußerst sensible
Musikerin, die den verschiedenen Werken ihres Programms ihren jeweils
eigenen ‚Ton‘ zu verleihen weiß. Ein hohes stilistisches Verständnis
verbindet sich in ihrem Vortrag mit schöner und geschmackvoller
klanglicher Differenzierung.“
Ensemble-Preis:
Jazz-Duo Magnus Bodzin (Kontrabass) und Moritz Schöwing (Klavier), sie
studieren im 6. und 8. Semester, Bachelor of Music.
Begründung der Jury: „Das Jazz-Duo zeigte eine bemerkenswerte musikalische
Leistung, die das Publikum und die Jury gleichermaßen begeisterte. Die
beiden Musiker harmonierten ausgezeichnet miteinander und schufen mit
ihrem Programm aus Jazz-Standards und Eigenkompositionen eine Atmosphäre
von hoher Intensität und Emotionalität. Sowohl ihre beeindruckende
Virtuosität als auch ihre sensible Interaktion überzeugten auf ganzer
Linie.“
Jury: Andreas Gürsching (HfK-Professor für Musiktheorie), Florian Poser
(HfK-Professor für Popularmusik und Vibraphon im Jazz), Stefan Veselka
(HfK-Professor für Orchester-/Ensembleleitung) und Artem Yasynskyy
(Pianist und HfK-Alumnus).
Freie Kunst
1. Platz
Bahareh Hejrankeshrad für „Knots“ (Video, 2023, Klasse Rosa Barba). Sie
ist auch in der Klasse von Heike Kati Barath.
Jurybegründung: „Gewürdigt wird ihr technisch anspruchsvolles wie
poetisches Video, das sich überwiegend in Schwarz-Weiß präsentiert und
völlig ohne Ton auskommt, mit einigen Referenzen zum Kunstfilm der 1920er
Jahre. Die Arbeit zeigt, wie der Titel bereits anzeigt, taktile
Verknotungen und Verflechtungen von Körpern, vorwiegend von Händen und
Füßen, die sich vom Körper abstrahieren, sich zu traumhaften Bildern
auflösen und einmal mehr eine schon alte Beschreibung der filmischen
Bilder bestätigt: nämlich als Äquivalenz zu unseren inneren mentalen
Bildern – wie umgekehrt.“
2. Platz
Peng Liu für „That day was 0 degrees. They got chills, if you not inside
them” (Video, 2023, Studiengangsübergreifende Klasse Asli Serbest)
Jurybegründung: „Der zweite Preis geht an Peng Lui für seine
beeindruckende Videoarbeit That Day Was 0 Degree: eine völlig unbewegte
Aufnahme eines riesigen Backstein-Speichers gegenüber der HfK zur
Spätwinterzeit, in der sich die Schneereste auf dem steilen Dach so ganz
allmählich auflösen und Schritt für Schritt in die Tiefe rutschen. Das
Video dauert fast sechs Stunden, ist zudem noch in Slow-Motion aufgenommen
und wird wohl kaum von jemanden komplett angesehen werden. Aber wenn man
einen dieser Momente sieht, wenn der Schnee in Zeitlupe herunterfällt, ist
das ein ungemein poetischer Augenblick und macht gerade die langsamen,
kaum sonst wahrgenommen Prozesse in der Zeit sehr plastisch erfahrbar.“
3. Platz
Rui Diao für „Hi, Top“ (Mixed Media, 2023, Klasse Katrin von Maltzahn)
Jurybegründung: „Der dritte Preis geht an Rui Diao für seine humorvolle
wie grotesk strenge Arbeit Hi, Top. Ausgestellt sind zum einen
trichterförmige Halskrausen aus Plastik, die eigentlich Hunden verpasst
werden, wenn sie sich nicht am Kopf kratzen dürfen. Und wie befremdlich
komisch und zugleich selbstverständlich sieht das aus, wenn diese
Hundekrausen, wie in dem großformatigen, streng Frontal Ansichten Foto,
vor Wald- und Wiesenhintergrund zu sehen, von Menschen getragen wird,
deren Gesichter allenfalls noch schemenhaft zu erahnen sind und die
bestenfalls noch nach oben schauen können. Probiert es doch selbst aus
anhand der ausgestellten Hundekrausen, verwandelt Euch und schickt ein
Foto an den Künstler – so die explizite Anleitung. Wie fühlt es sich damit
an und welche Assoziationen habt ihr?“
Lobende Erwähnungen gab es für
Johanna Baumgarts „Pläne und was aus ihnen wurde“ (Mixed Media, 2023,
Klasse Andree Korpys/Markus Löffler), „auf denen polizeiliche Anzeigen und
gerichtliche Vorladungen gedruckt sind, wiederum vor dem Hintergrund aus
geschöpften Papier, das genau aus denjenigen von den Behörden vernichteten
Plakaten entstanden ist, die zu den Aktionen und Demonstrationen
aufriefen, die eben zu diesen staatlichen Repressionen geführt haben –
eine im wörtlichen wie übertragenen Sinn vielschichtige Arbeit“, so die
Jury.
Die kollektive Arbeit „Temporary Archive“ (Klasse Asli Serbest) für „die
sehr subtile, beziehungsreiche und dabei stimmige Präsentation“, so die
Jury.
Harumi Miyatos „Tulpe“ (Malerei/Assemblage, Klasse Stephan Baumkötter)
„als malerisches Experiment mit dem alten Genre des Blumenstilllebens; ein
ohne Frage sehr schönes und fein gemaltes Bild, das aber als Assemblage
aus Alltagspapier zugleich gebrochen ist“ (Jurybegründung).
Kollektive Installation „Garten schaffen, Berge bauen, Wasser
organisieren“ (Klasse Ingo Vetter) „Ihr Material besteht aus bunten
Kleidermüll und Bergen aus Papiermüll, der sonst in den Prozess des
Recyclings gekommen wäre, aber hier herausgenommen und, nicht zuletzt nach
dem Vorbild japanischer Gartenkunst, in einen bewässerten Garten
verwandelt wurde: angesichts des fatalen Anthropozäns und seines
Klimawandels eine zumindest an diesem temporären Ort real werdende Utopie
der Möglichkeit einer neuen Lebenswelt.“ (Jurybegründung)
Jury: Dr. Annett Reckert (Kuratorin Kunsthalle Bremen), Ingo Clauß
(Kurator Weserburg Museum für moderne Kunst), Dr. Frank Schmidt (Direktor
Museen Böttcherstraße) und Nadja Quante (künstlerische Leiterin des
Künstlerhaus Bremen).
Integriertes Design
1. Platz
Yuan Lin für „Die Übersee Tour or The Overseers’ Tour“, ortsspezifische
Performance
Jurybegründung: „Mehrere der in diesem Jahr nominierten Projekte bringen
ein allgemeines Gefühl der Vereinzelung, der Entwurzelung und der
Ratlosigkeit zum Ausdruck. Yuan Lins Performance gehört zu diesen
Arbeiten. In ihrer Guided Tour dieses Gebäudes, seiner Geheimnisse, seiner
hallenden Flure und seiner einen einsamen Dallmayer Kaffeemaschine wird
dieses Grundgefühl jedoch plötzlich sowohl konkret als auch komisch.
Mit einer enthusiastischen Freundlichkeit, die irgendwann ins Unheimliche
kippt, richtet Yuan die Aufmerksamkeit der Tourteilnehmer:nnen auf
dysfunktionale Details, strukturelle Probleme und auf ihre eigenen
hartnäckigen Versuche, einen Sinn in der als grotesk erlebten Wirklichkeit
zu finden. Aus der Perspektive einer Fremden leistet Die Übersee Tour
eine intelligente Bestandsaufnahme, nicht nur des Studiums an der HfK,
seiner verschachtelten Verwaltung und obskuren Mechanismen, sondern auch
der Desillusion einer Generation. Sie macht komplexe gesellschaftliche und
seelische Zusammenhänge nachvollziehbar und zugänglich. Die Jury war
besonders beeindruckt von der radikal humorvollen Behandlung dieser
Themen. Yuan bricht zu keinem Augenblick mit der Rolle des peinlich
bemühten Tour Guides. Komik wird hier zu einer Ermächtigungsstrategie, die
plötzlich Räume schafft für freies Spiel und poetische Assoziation,
besonders dann, wenn Yuan unvermittelt anfängt zu singen.“
2. Platz
Anna Zineli, Ruben Lyon, Christine Claussen, Qi Jin, Cora Stam, Ilona
Karacsony, Vassilissa Gorbacheva, Vera Tolmatsova, Magdalena Otto, Erik
Wälz, Andrej Denisow, Leona Heerbaart, Guillermo Marcelo Bolentini Bada,
Janusz Kendel, Simon Krüger, Fan, Chen Shao, Joshua Rödel, Ivett Kallai,
Marcel Effner, Markus Meier, Isa Kleinhempel, Lennart Heuser, Louisa
Beßling, Lisa Spetzler, Tristan Keyers, Petra Tjandra, Wahida Soulemane,
Boyang Xia, Hye Sun Yoo, Helise Gomes Oliveira, Josephine Beste u. a. für
„Bunker Requiem - NO MORE WAR“, kollektive Konzertperformance am Denkort
Bunker Valentin.
Jurybegründung: „Dieses außerordentlich ehrgeizige Projekt, das die
Interdisziplinarität der HfK beeindruckend belegt, bringt über 30
Studierende aus verschiedenen Fachbereichen und Studiengängen zusammen.
Unter der künstlerische Leitung von Raphael Sbrzesny, HfK-Professor für
Kreation und Interpretation mit den Schwerpunkten Sound, Performance und
Konzept, und Felix Elsner, HfK-Professor für Musikpädagogik, aktivieren
die Studierenden die monumentalen Hallen des Bunkers Valentin mit einer
sich stetig verändernden Choreographie von Schattenspielen, performative
Gesten und Klangkompositionen. Das Ineinandergreifen der verschiedenen
Disziplinen führt zu einer Vielfalt von überraschenden gestalterischen
Ansätzen. Die Jury war besonders beeindruckt von der ruhigen, fast
kontemplativen Haltung, mit der auf die brachiale Präsenz des Bunkers
geantwortet wird.
In einer Zeit der zunehmenden Normalisierung autoritärer und
nationalistischer Haltungen führt das Bunker Requiem einen sensiblen und
bewegenden Umgang mit einem historischen Ort vor, der die Grausamkeit des
deutschen Faschismus direkt erfahrbar macht.
Das Bunker Requiem vermeidet es dabei, das schon Bekannte didaktisch zu
wiederholen. Auch widersteht es der Versuchung, das gewaltige Gebäude zu
ästhetisieren. Stattdessen bietet es einen neuen Umgang mit und Zugang zu
dem bekannten Denkort. Das Engagement der Studierenden und die große
Dringlichkeit, die dieses Projekt für sie hatte, wurde in der gestrigen
Präsentation für die Jury eindrucksvoll spürbar.“
3. Platz
Mirja Kuberka für „Die Kirche im Dorf“, Fotoarbeit
Jurybegründung: „Durch das Medium der Architekturfotografie und der
Buchpublikation, fängt Mirja Kuberka ein komplexes, und hochaktuelles
Thema mit unaufgeregter Präzision ein: die fortschreitende Säkularisierung
der Gesellschaft, wie sie an der immer üblicher werdenden Umwidmung, oder
auch ,Profanisierung‘, religiöser Gebäude sichtbar wird. An die Stelle
heiliger Orte und Rituale tritt das Fitness Center, die Kita oder das als
hoch-individualisiertes Bohème-Loft gedachte private Domizil.
Mirjas Fotografie ist technisch kompetent und sachlich. Sie kombiniert die
gesellschaftliche Analyse souverän mit Handwerk und ästhetischer
Sensibilität. Bei näherer Betrachtung treten subtile Narrative und
Beobachtungen in den Vordergrund.
Besonders beeindruckt war die Jury von der Übersetzung der fotografischen
Arbeit in eine sorgfältig durchdachte Buchpublikation, die Grafik,
Buchgestaltung und Fotografie einfühlsam und kompetent vereint.“
Eine lobende Erwähnung geht an Anisha Gatters Raum mit „(Männerfantasien)
& Body Boulder Wall“, Installation
Jurybegründung: „In ihrer Installation greift Anisha Gattnar einen
unterrepräsentierten Aspekt der heute allgemein idealisierten Gegenkultur
der 60er Jahre auf: die sexistischen und oft sadistischen Fantasien, die
als Begleiterscheinung der sexuellen Revolution die alternativen
Publikationen dieser Zeit überfluteten. Sie stellt eine überraschende
Verbindung her zwischen dieser dunklen Seite der Befreiung und der von
Klaus Theweleit beschriebenen sexistischen und sadistischen
Konditionierung soldatischer Männlichkeit zwischen den Weltkriegen.
Anisha hat das an der HfK beherbergte Archive of Independent Publishing
nach sexuell eindeutigen Darstellungen durchforstet und diese zu einem
Tapetenmuster kombiniert. Es entsteht dadurch eine visuell beeindruckende
und verstörende Installation. Gleichzeitig tritt dabei eine feministische
Haltung in den Vordergrund, die es sich aus der historischen Distanz
leisten kann und will, die Komik und das Jämmerliche in dieser geballten
Menge von negativen Männerfantasien zu sehen und sie mit Humor zu
entmächtigen.“
Jury: Julia Bulk (Direktorin Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen), Mathias
Lempart (Künstler, Grafik-Designer, Mitbegründer des Shortnotice Studios)
und Anna Bornhold (Schuhdesignerin).
Digitale Medien
1. Platz
Nilufer Musaeva mit „These URLs will save the IRL“, sie studiert im 6.
Semester, Master of Arts
Jurybegründung: „Wir schätzen die Bemühungen, ein wichtiges Thema, mit dem
viele Studierenden konfrontiert sind, in einer umfassenden Recherche, die
mehrere Formate und Medien umfasst, anzugehen. Das Buch ist das Ergebnis
einer Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Kunsthochschulen, einer
internen Untersuchung an Kunsthochschulen in Deutschland und einer
Frankenstein-Website, die aus einer Topliste unzugänglicher Module anderer
Kunsthochschul-Websites besteht. Die Schwierigkeit der Zugänglichkeit von
Ressourcen und Wissen in Bezug auf Kunstausbildungseinrichtungen in
Deutschland wird in ihrer Arbeit auf komische und prägnante Weise
transparent gemacht.“
Link zur Webseite: https://these-urls-will-save-t
irl.de/#:~:text=about%20the%20
2. Platz
Juan Camilo Luque mit „softLimits“, studiert im 6. Semester, Master of
Arts
Jurybegründung: „Juans Werk Soft Limits fällt direkt ins Auge. Die Idee,
eine Garnschlaufe durch einen selbstgebauten Schnurschützen zu schießen,
scheint auf den ersten Blick einfach. Die Interaktion zwischen zweien von
ihnen macht daraus jedoch eine schöne Choreografie, die sich sehr
menschlich anfühlt. Die reduzierte Ausführung des Werks lässt genügend
Raum für Fantasie, Interpretation und Projektion und unterstreicht das
poetische Potenzial der Installation. Auch wenn die Saiten nicht darauf
programmiert sind, sich zu berühren, berührt dieses Kunstwerk einen
selbst.“
3. Platz
Soo Hyun Ryu mit „Phantom Tail“, studiert im 6. Semester, Bachelor of Arts
Jurybegründung: „Das Werk von Soo Hyun spricht den anhaltenden Diskurs
über menschliche und nicht-menschliche Beziehungen auf eine direkte und
fesselnde Weise an. Mit einer einfachen Geste, vom Konzept, das sich auf
das Phänomen der Phantomschmerzen bezieht, bis hin zu seiner komplexen
Ausführung, stellt das Projekt die schwer zu fassende Frage, was es
bedeutet, überhaupt ein Mensch zu sein. Es erinnert uns an unsere
vergangenen Iterationen und spekuliert gleichzeitig über die zukünftige
Koexistenz mit (Nicht-)Menschen.“
Der von der Universität und HfK Bremen ausgelobte Preis für eine
interdisziplinäre Arbeit geht an „WeCookit and WeEatit“ von Asif Md.
Siddiqui, Ravi Kakadiya, Nazia Nusrat Ima, Debaditya Bhowmik (Studierende
Digitale Medien Universität Bremen) sowie Julia Vollmer, Jimmy Dao Sheng
Liu, Nathalie Gebert, Alberto Salgado Harres, Chi Him Chik, Hsun Hsiang
Hsu (Studierende Digitale Medien HfK Bremen) und Meyna Souza (Studierende
Integriertes Design HfK Bremen).
Jurybegründung: „We Cook it drückt eine kohärente Zusammenarbeit zwischen
der Uni und der HfK aus. Das Projekt der Gruppe zeigt einige der
strukturellen Probleme auf, die in der Hochschule nicht angegangen werden,
und wir schätzen die Initiative und das Engagement der Studierenden, eine
Lösung zu finden. Die kontinuierliche Zusammenarbeit, Woche für Woche,
spricht nicht nur durch das Ergebnis, sondern auch durch den Prozess und
den Austausch, der sonst vielleicht nicht stattfinden würde. Durch die
Würdigung des internationalen Kontextes und der gemeinschaftlichen
Betreuung zeigt das Projekt das Potenzial, in verschiedene Richtungen zu
wachsen.“
Lobende Erwähnungen gehen an
Qianxun Chens für „A Message Lies Between the Cracks”
Jurybegründung: „Wir waren fasziniert von Qianxuns kohärentem Prozess und
seiner akribischen Suche nach prophetischen Inhalten durch absichtliche
und doch gewöhnliche Reiskörner.“
Vivian Hernandez für „Liquid Poems”
Jurybegründung: „Wir möchten Vivian Hernandez' Arbeit Liquid Poems
würdigen, da sie die Geschichten der kolumbianischen Flüsse und ihrer
Gemeinden einfühlsam und poetisch mit ihrem eigenen Migrationsprozess
verbindet. Es zeigt ein großes persönliches Engagement für den laufenden
Forschungsprozess sowie eine rücksichtsvolle Reflexion ihrer eigenen
Position innerhalb dieses Prozesses, und wir freuen uns darauf, die
weitere Entwicklung des Werks zu beobachten.“
Jimmy Dao Sheng Lius für „The Memory Radio”
Jurybegründung: „Das Memory Radio präsentiert durch seine interaktive und
spielerische Oberfläche das Gedächtnis in einem ansprechenden und doch
geheimnisvollen Kontext."
Clemens Hornemanns für „Automated Ritual no.1”
Jurybegründung: „Wir schätzen die gute Ausführung und Präsentation des
Werks, insbesondere die Nutzung des Raums, um das Klangerlebnis zu
verbessern. Clemens Arbeit ist eine intensive Reflexion über den Begriff
des Wertes, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, sowohl
durch den Kontext als auch durch das performative Ergebnis.“
Jury: Bruno Christofoletti Barrenha (Film-, Video-, Installations-, Klang-
und Archivkünstler), Irena Kukrić (Bühnenbildnerin, Medienkünstlerin,
Forscherin), Maximilian Kiepe (Webdesigner und -entwickler), Guida Ribeiro
(digitale Künstlerin und Webentwicklerin), Hakeem Adam (Digitalkünstler
und Autor) sowie Henrik Nieratschker (Künstler, Designer, Kurator).
Über die Hochschule für Künste Bremen
Rund 1.000 Studierende aus über 50 Ländern, 76 Professor:innen, 86
Mitarbeiter:innen der Verwaltung und mehr als 150 Lehrbeauftragte machen
die Hochschule für Künste Bremen zu einem lebendigen Ort.
Die HfK ist eine Hochschule der scheinbaren Gegensätze. Sie ist regional
verankert und doch extrem international ausgerichtet. Sie erstreckt sich
über verschiedene Standorte der Stadt, die sehr unterschiedlich sind, von
klassizistisch bis schwimmend und zeitgenössisch. Sie ist Kunst- und
Musikhochschule zugleich. Dieser Kontext, der die Hochschule ausmacht, ist
von besonderer Qualität und bildet einen Rahmen, der es ermöglicht sowohl
die kollektive als auch die individuelle künstlerische Entwicklung zu
stärken.
Das Studienangebot umfasst die Freie Kunst, Integriertes Design, Digitale
Medien sowie die Künstlerische und Künstlerisch-Pädagogische Ausbildung
Musik. Die HfK bietet darüber hinaus seit 2020 die Möglichkeit, im Rahmen
des künstlerisch-wissenschaftliche
Schwerpunktbereichen Integriertes Design und Digitale Medien, zu
promovieren. Durch offene Lehrveranstaltungen und gemeinsame
Prüfungsbetreuungen sowie durch die Werkstätten, Studios und thematische
Projekte werden Dialog und Zusammenarbeit gezielt gefördert. Mit rund 400
Veranstaltungen im Jahr gehört die HfK zu einer kulturellen und
gesellschaftlichen Säule der Stadt Bremen.
Die Beziehung zwischen den Mitgliedern der Hochschulgemeinschaft, ihre
vielfältigen Kooperationen, die engmaschige Betreuung sowie die
verschiedenen regionalen und internationalen Kollaborationen, tragen dazu
bei, dass die Studierenden sich zu starken individuellen Charakteren
entwickeln. So entstehen letztendlich Arbeiten, die hohe gesellschaftliche
Relevanz haben.
