70 Jahre Forschung für eine bessere Zukunft: Jubiläumssymposium am Fraunhofer IGB
Seit 1953 verbindet das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und
Bioverfahrenstechnik IGB Biologie und Technik, um innovative und
nachhaltige Technologien und Verfahren zu entwickeln. Zu seinem Jubiläum
zum 70-jährigen Bestehen begrüßte das Institut am 10. Juli 2023
Wegbegleiter, Partner sowie ehemalige und aktive Mitarbeitende aus sieben
Jahrzehnten zu einem Fachsymposium am Hauptsitz des Instituts am
Fraunhofer-Campus Stuttgart. Mit dabei waren hochrangige Vertreter der
Fraunhofer-Gesellschaft und der Landespolitik.
Was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fraunhofer IGB
verbindet, ist ihre Faszination für Innovationen und deren Anwendung in
der praktischen Realität. Dabei spielen Grenzflächen immer eine wichtige
Rolle. An der Übergangsschicht zwischen zwei Phasen oder Stoffen − und
auch bei der Interaktion zwischen Menschen − eröffnet sich ein enormes
Potenzial für die Biotechnologie, die Chemie und die Physik. Es entstehen
Materialien mit neue Eigenschaften sowie sehr viel Kreativität und
Inspiration: Grenzflächen sind der Ort, an dem das Neue geschieht – hier
entwickeln sich Innovationen.
Diese Leidenschaft für Grenzflächen teilt das Fraunhofer IGB mit seinen
zahlreichen Wegbegleitern und Partnern aus Forschung, Industrie,
Gesellschaft und Politik aus 70 Jahren Institutsgeschichte. Der
Institutsleitung ist es daher wichtig, das runde Jubiläum zusammen mit
denjenigen Menschen zu begehen, die maßgeblich zum Erfolg des Instituts
beigetragen haben. Um bei dieser Gelegenheit auch den fachlichen Austausch
zu fördern und einen gemeinsamen Blick in die Zukunft zu werfen, lud das
IGB zu einem Fachsymposium am Institutshauptsitz in Stuttgart ein.
»Das IGB adressiert mit seinen Geschäftsfeldern Gesundheit, Umwelt und
Klimaschutz, sowie Nachhaltige Chemie und Umwelt die großen
Herausforderungen unserer Zeit«, so Dr. Markus Wolperdinger,
Institutsleiter des Fraunhofer IGB. »Mit unserer angewandten Forschung
entwickeln wir innovative und nachhaltige Technologien und Verfahren zum
Wohl der Menschen und der Umwelt. Gemeinsam mit unseren Partnern tragen
wir mit anwendungsrelevanten Lösungen dazu bei, eine auch in der Zukunft
lebenswerte Welt zu erhalten.«
Jubiläumssymposium »70 Jahre IGB«: Fachlicher Austausch und Ausblick in
die Zukunft
Zum Auftakt des Symposiums betonte Prof. Dr. Alexander Kurz, Fraunhofer-
Vorstand für Innovation, Transfer und Verwertung, in seinem Grußwort an
die Anwesenden: »Mit dieser Jubiläumsveranstaltung feiern wir 70 Jahre
Pionierarbeit und Innovation in den Bereichen Biotechnologie und
Bioverfahrenstechnik. Das IGB hat sich der Entwicklung von Verfahren,
Technologien und Produkten verschrieben, die bedeutende Herausforderungen
unserer Gesellschaft adressieren, wie der zunehmende Ressourcenverbrauch
und die Notwendigkeit eines nachhaltigen, ressourceneffizienten
Wirtschaftens. Eine große Stärke des Instituts liegt darin, nicht nur
bahnbrechende Forschungsergebnisse zu erzielen, sondern auch die Fähigkeit
zu besitzen, diese Ergebnisse bis hin zur Marktreife zu bringen. Das IGB
ist dabei ein wichtiger Partner für die ansässige Industrie in der Region
und diese enge Verbindung zur Industrie ermöglicht es, innovative Lösungen
zu entwickeln, die direkt auf dem Markt anwendbar sind.«
In ihrem Impulsvortrag hob Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für
Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, die
exzellente Zusammenarbeit zwischen dem Land und dem IGB hervor. »Das IGB
leistet mit seiner Forschung einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und
Klimaschutz, zur Nachhaltigkeit und zu einer guten Gesundheitsversorgung.
Wie kaum ein anderes Institut versteht es das IGB, aus der Natur zu lernen
und biologische Ressourcen zu nutzen, um damit zu nachhaltigen Lösungen zu
gelangen, die Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen Vorteile bringen.
Das IGB kann nun schon auf eine 70-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken
und angesichts der Themen, die das Institut mit großem Erfolg bearbeitet,
habe ich keine Zweifel, dass diese Geschichte auch in Zukunft
weitergeschrieben wird«, sagte die Wirtschaftsministerin in Stuttgart.
Im Rahmen der Veranstaltung konnte die Ministerin zudem eine erfreuliche
Neuigkeit verkünden: Die Landesregierung wird den Aufbau einer neuen
Außenstelle des IGB in der Region Oberschwaben/Biberach/Ulm unterstützen,
wo die Forschung und Entwicklung des IGB für Virus-basierte Therapien
ausgebaut werden sollen.
In den Beiträgen von IGB-Partnern aus Wirtschaft und den baden-
württembergischen Ministerien für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, für
Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie für Ernährung, Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz standen die Fokusthemen »Gesundheit« und »Umwelt,
Klima und Ressourceneffizienz« im Mittelpunkt. Nach Führungen durch das
Institut wurde der fachliche Austausch schließlich im Rahmen einer
Podiumsdiskussion intensiviert. Dabei debattierten die Gastgeber mit
Fraunhofer-Vorstand Prof. Dr. Kurz und Repräsentanten aus Industrie und
der baden-württembergischen Landespolitik – Staatssekretärin Sabine Kurtz
vom Landwirtschaftsministerium und Staatssekretär Dr. Andre Baumann vom
Umweltministerium − über das Thema »Nexus Ressourcen – Energie – Umwelt:
Beiträge der Fraunhofer-Gesellschaft im Kontext der Landesstrategie
Nachhaltige Bioökonomie«.
Staatsekretär Baumann betonte dabei die wichtige Rolle des IGB im Bereich
der Bioökonomie: »Die beste Wirtschaft für Umwelt, Gesellschaft und
Wohlstand begreift Müll nicht als Ausschuss, sondern als Rohstoff. Das
Institut analysiert, wo Bioabfälle, sonstige Abfälle und Reststoffe,
Abwässer, Abgase und CO2 anfallen, die sich mit biologischen Prozessen und
Prinzipien in Industrie, Gewerbe und im kommunalen Bereich nutzen lassen.
Das Fraunhofer IGB ist damit wichtiger Innovationstreiber einer
funktionierenden Kreislaufwirtschaft.«
Dies bekräftigt auch Staatssekretärin Kurtz: »Die Bioökonomie bietet
Lösungsansätze für die großen, aktuellen Herausforderungen der
Gesellschaft wie Klimawandel, Ressourceneffizienz oder
Ernährungssicherung. Mit den Maßnahmen der Landesstrategie Nachhaltige
Bioökonomie schaffen wir Voraussetzungen dafür, dass das Land wirksame
Impulse für mehr Klima- und Ressourcenschutz setzt. Wir stellen somit die
Land- und Forstwirtschaft sowie die regionale Wirtschaft zukunftsfähig
auf.«
Die Historie des Fraunhofer IGB: Vom Privat-Laboratorium zum Fraunhofer-
Institut
1953 wurde das Institut – damals noch als »Institut für Physik und Chemie
der Grenzflächen« − in der Pfalz als private Forschungseinrichtung
gegründet. Kaum ein Jahrzehnt später, 1962, erfolgte die Übernahme durch
die Fraunhofer-Gesellschaft und 1969 der Umzug nach Stuttgart. 1976
erhielt es seinen heutigen Namen. In den 70 Jahren seines Bestehens setzte
das IGB immer wieder innovative wissenschaftliche Impulse und fokussierte
dabei auch immer wieder vorausschauend auf wichtige Zukunftsthemen – etwa
in den Bereichen Umweltbioprozesstechnik, industrielle Biotechnologie oder
zuletzt CO2- und Klimatechnologien.
Besonders hervorzuheben sind die Gründungen der zwei Institutsteile, dem
Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP am
traditionsreichen Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt sowie dem
Institutsteil Bio-, Elektro- und Chemokatalyse BioCat im niederbayerischen
Straubing, dem Geburtsort des Namenspatrons Joseph von Fraunhofer.
Das Institut heute: »Wir verbinden Biologie und Technik«
Heute hat das Institut mehr als 330 Mitarbeitende an seinen drei
Standorten. Die Forschungsschwerpunkte des Fraunhofer IGB zielen auf die
drei Geschäftsfelder Gesundheit, Nachhaltige Chemie sowie Umwelt und
Klimaschutz ab. Gemäß seinem Motto »Wir verbinden Biologie und Technik für
einen gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt« setzt das Institut dabei
auf die Kombination biologischer und verfahrenstechnischer Kompetenzen, um
mit dem Systemansatz der Bioökonomie und bioinspirierten, biointegrierten
und biointelligenten Lösungen zum Wohlergehen des Menschen, einer
nachhaltigen Wirtschaft und einer intakten Umwelt beizutragen.
Sowohl regional als auch national und international ist das Fraunhofer IGB
heute weitreichend vernetzt – durch zahlreiche Projekte innerhalb
Deutschlands, im europäischen Raum und international. Beispiele sind die
»Fraunhofer Innovations Plattformen« in Israel und Südafrika, in welchen
die grenzübergreifende Zusammenarbeit bei zukunftsrelevanten Themen in den
Geschäftsfeldern Umwelt und Gesundheit vorangetrieben wird.
»Mit dem IGB verbindet mich eine lange, konstruktive Zusammenarbeit. Daher
freut es mich besonders, die Geschicke des Instituts, seine Entwicklung
und die Weichenstellungen für die Zukunft gemeinsam mit meinen Kolleginnen
und Kollegen in Stuttgart, Leuna und Straubing als Institutsleiter aktiv
gestalten zu können«, so Institutsleiter Dr. Wolperdinger.
