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Nicht-invasive Gehirnstimulation: Hirnerkrankungen gezielt und ohne Operation behandeln.

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Wissenschaftler*innen der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erforschen
neue Methoden zur Behandlung von Hirnerkrankungen: die nicht-invasive
Gehirnstimulation. Sie kann die erkrankten Bereiche des Gehirns gezielt,
ohne operativen Eingriff, mit elektrischen Strömen oder Magnetfeldern
behandeln. Ziel ist es, unteraktivierte Hirnareale zu reaktivieren oder
überaktive Areale zu hemmen.

(umg) Während der SARS-CoV-2-Pandemie haben psychische Erkrankungen
zugenommen. Das hat zu Engpässen in der Versorgung von Patient*innen
geführt und gezeigt, wie wichtig der Zugang zu einer umfassenden und
kosteneffizienten Gesundheitsversorgung ist, um psychischen Erkrankungen
zu begegnen und das Wohlergehen der Patient*innen zu fördern.

Die Arbeitsgruppe „Noninvasive Brain Stimulation Lab“ unter der Leitung
von Prof. Dr. Andrea Antal, Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin
Göttingen (UMG), forscht an der Entwicklung von Methoden zur nicht-
invasiven Gehirnstimulation. Dabei wird das zentrale Nervensystem über
Magnet- oder elektrische Felder von außen beeinflusst. Diese Methoden
können zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen des Gehirns wie
beispielsweise Depression, Demenz oder Fibromyalgie, bei der der gesamte
Körper schmerzt, eingesetzt werden.

Bei dieser Methode werden sehr geringe elektrische Ströme oder
Magnetfelder transkraniell, das heißt von außen durch die Schädeldecke,
geleitet, um die erkrankten Bereiche des Gehirns gezielt zu stimulieren.
Bei der transkraniellen elektrischen Stimulation (tES) werden zwei
elektrisch leitende Objekte, sogenannte Elektroden, an der Oberfläche des
Kopfes der Versuchsperson befestigt. Durch diese wird ein kurzer
Stromimpuls geschickt, mit dem Ziel, die Gehirnaktivität in den
oberflächlichen Regionen zu beeinflussen. Bei der Transkraniellen
Magnetstimulation (TMS) wird eine sogenannte Magnetspule eingesetzt. Die
Magnetspule wird über den Kopf gehalten, direkt über den erkrankten
Bereich, um diesen gezielt zu behandeln. „Es ist unser Ziel, mit dieser
Behandlung unteraktivierte Gehirnareale zu reaktivieren oder
überaktivierte Areale zu hemmen“, sagt Prof. Antal: „Diese Methoden
könnten als Alternative zur medikamentösen Therapie mit Psychopharmaka
oder mit Physiotherapie und kognitivem Training eingesetzt werden und zur
Stärkung der mentalen und physischen Gesundheit beitragen.“

Die nicht-invasive Hirnstimulation hat sich als Behandlungsmethode bei
verschiedenen psychischen und neurologischen Erkrankungen als wirksam
erwiesen. Um das Potenzial dieser Therapien EU-weit nutzen können, haben
Prof. Dr. Antal, UMG, Prof. Dr. Dr. Georg Northoff, „Brain and Mind
Research Institute University of Ottawa“, Kanada, und Dr. Antonio
Oliviero, „SESCAM, Hospital Nacional de Parapléjicos“, Toledo, Spanien,
sowie weitere Expert*innen unter der Koordination des „Center for
Responsible Research and Innovation“ des Fraunhofer Instituts für
Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart Empfehlungen zum
Umgang mit nicht-invasiven Hirnstimulationen erarbeitet. Diese
Empfehlungen umfassen die unterschiedlichen Perspektiven aller
Kooperationspartner*innen auf diese neue Methodik und stellen eine Art
Fahrplan zur Gestaltung der nicht-invasiven Hirnstimulation als Therapie
psychischer Erkrankungen dar. Die Empfehlungen sind im Whitepaper
„STIMCODE. Participative developed recommendations for non-invasive brain
stimulation in the European Union” veröffentlicht.