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Kulturwissenschaftliche Tagung: Erzählen vom Wandel unserer Welt

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Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie an der Uni Würzburg lädt Anfang
August zu einer internationalen Konferenz zur kultur- und
sozialwissenschaftlichen Umweltforschung.

Wie erzählen Menschen einander von Artensterben und Klimawandel, wie von
sozialen Krisen? Welche Rolle spielen nicht-menschliche Lebewesen in
diesen Erzählungen? Und: Welche Geschichten über Hoffnung und
Zukunftserwartungen teilen wir? Diese Fragen aufgreifen will die
internationale Konferenz „Erzählen von der Multispezies-Welt“ vom 3. bis
5. August an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg.
Organisiert wird sie vom Lehrstuhl für Europäische Ethnologie von
Professorin Michaela Fenske.

An drei Tagen gibt es knapp 15 Beiträge aus der kultur- und
sozialwissenschaftlichen Umweltforschung. „Wir wollen zeigen, auf welche
Weise Menschen einander von unserer wandelnden Welt erzählen“, erklärt
Fenske. „Und wir wollen Geschichten finden, die Hoffnung machen – gerade
in der heutigen Zeit, in der viele Menschen Verunsicherung und
Zukunftsängste spüren.“

Zu verstehen, welche Narrative und Erzählformen in Gesellschaften präsent
sind, das liefere der Kulturwissenschaft wichtige Informationen, sagt
Fenske. „Zum Beispiel darüber, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen, was
sie antreibt und warum sie sich auf diese oder jene Weise positionieren zu
Themen wie Klimawandel, Kriegen oder anderen sozialen und ökologischen
Krisen.“

Tagung legt Fokus auf die Multispezies-Welt

Wichtig ist es den Organisatorinnen und Organisatoren der Konferenz, den
Teilnehmenden ganz konkret aufzuzeigen, wie verschiedene Formen des
Erzählens ihr tägliches Leben beeinflussen. „Das Erzählen von Krisen
betrifft jeden und jede“, weiß Fenske, „wir alle tun es, egal ob beim
Plausch über den Gartenzaun oder beim Gespräch in der Kaffeepause.“
Für eine ganzheitliche kulturwissenschaftliche Betrachtung sei es zudem
wichtig, den Blick auch auf das Zusammenspiel zwischen Menschen und nicht-
menschlichen Lebewesen zu richten. „Unsere Konferenz nimmt ausdrücklich
die Multispezies-Welt in den Fokus“, so Fenske. „Überall leben Menschen
nicht allein, sondern verbunden mit Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen.
Dadurch haben diese Lebewesen auch einen Effekt darauf, wie Menschen
einander von ihrer Umwelt erzählen.“ So berichtet beispielsweise die
Ethnologin Gurbet Peker von der Universität Uppsala von Erzählungen über
Schafe auf der schwedischen Insel Gotland.

Die Tagung thematisiert Herausforderungen der Jetztzeit, die vor allem
junge Generationen und deren zukünftige Lebensumstände betreffen. Wegen
des jungen Zielpublikums ist die Veranstaltung bewusst ans Ende des
Sommersemesters gesetzt worden – Studierende (ebenso wie Erwerbslose)
nehmen kostenfrei teil. Zudem werden viele Vorträge von Forschenden auf
einer frühen Karrierestufe gehalten. Das Event wird unter anderem aus
Berufungsmitteln des Freistaats Bayern finanziert.

Lehrstuhl Europäische Ethnologie

Der Lehrstuhl Europäische Ethnologie an der Universität Würzburg, geleitet
von Professorin Michaela Fenske, beschäftigt sich mit der Erforschung von
Alltagskulturen in Europa. Ein Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von
materiellen und immateriellen Aspekten der Gegenwart und der Geschichte,
etwa von Werten, Traditionen und sozialen Praktiken. Zu den
Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Studien zu Mehrspezies-
Beziehungen, die Anthropologie des Ländlichen, die Untersuchung von
Erzählkultur sowie Historische Anthropologie.