VoltaViewAfrica elektrifiziert Fischerboote in Gambia – mit nachhaltiger Technologie des Fraunhofer HHI
Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft ist eine
zuverlässige Energieversorgung. Das Start-up VoltaViewAfrica entwickelt
deshalb innovative Stromspeicherkonzepte und inkubiert
Elektrifizierungsprojekte. Im westafrikanischen Gambia wurde jetzt die
erste Anlage in Betrieb genommen. Initiator des Vorhabens ist Prof.
Wolfgang Schade, der im niedersächsischen Goslar am Fraunhofer Heinrich-
Hertz-Institut (HHI) die Abteilung „Faseroptische Sensorsysteme“ leitet.
Ziel ist es, die modulare Stromversorgung von ländlichen Regionen in Sub-
Sahara Afrika voranzutreiben.
Das Konzept von VoltaViewAfrica fokussiert sich auf einen regenerativen
Kreislauf: Mittels Photovoltaik wird elektrischer Strom erzeugt, der in
mobilen, tragbaren Lithium-Batterien gespeichert wird, die die
Bewohner*innen vor Ort als individuelle Stromquelle nutzen können. Das
Kraftwerk basiert auf einem modularen Blockbauprozess und besteht aus zwei
10-Fuß Containermodulen. Während das eine Modul mit einer 7,5 kWp-
Photovoltaikanlage Strom erzeugt, wird das andere für die
Trinkwasseraufbereitung verwendet. Der Strom wird in 48-Volt-Lithium-
Ionen-Batterien gespeichert und in robusten, tragbaren Batterieboxen mit
einer Speicherkapazität von 4,8 kWh untergebracht. Die
Trinkwasseraufbereitung erfolgt über eine UV-C Lichtbehandlung und eine
spezielle Filtertechnik.
Im Sinne einer Circular Economy werden für die Projekte ausschließlich
B-Ware Lithium- Batteriezellen aus der Automobilindustrie und
wiederaufbereitete Photovoltaikmodule verwendet. Prof. Schade fungiert als
technischer Leiter des Projekts. Die Abteilung „Faseroptische Sensor
Systeme“ des Fraunhofer HHI hat zusammen mit der Technischen Universität
Clausthal hierfür die grundlegenden physikalisch-technischen
Voraussetzungen geschaffen. Besonders hervorzuheben sind dabei die
Entwicklung eines innovativen Sicherheitskonzeptes für die Lithium-
Batterien sowie einer Sensorik, die eine vollständig digitalisierte
Überwachung und Steuerung der Batteriespeicher und des gesamten
Kraftwerkes ermöglicht.
Mit den tragbaren Batterieboxen kann der Strom direkt zu Verbraucher*innen
gebracht werden. Die zuvor benötigten Stromnetze und Dieselgeneratoren
werden somit durch das einfach zu bedienende VoltaViewAfrica Powerhouse
und die tragbaren VoltaMove2Go Powerpacks ersetzt. Die erste operative
Anlage wurde am 21. Juni 2023 in Gambia in dem Fischerort Balingho
feierlich eingeweiht und an die Dorfbewohner übergeben. Die Anlage liefert
ein in sich geschlossenes Gesamtkonzept: Mit den VoltaMove2Go
Batteriepacks werden in Gambia Fischerboote erstmals elektrisch betrieben.
In einer Kühltruhe im Powerhouse wird der Fischfang eingefroren. Zugleich
erhalten die Dorfbewohner*innen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Die Powerpacks können darüber hinaus als tragbare Generatoren mit nach
Hause genommen werden. Mit einer integrierten 230-V-AC-Haushaltssteckdose
können Mobiltelefone aufgeladen werden, es gibt in den Abendstunden Licht
und ein Kühlschrank kann zur Lagerung von Lebensmitteln betrieben werden.
Das Wiederaufladen der Batteriepacks erfolgt am Powerhouse durch
Sonnenenergie und somit völlig emissionsfrei. Jawo, Chairman der in
Balingho ansässigen Fischer, ist begeistert: „Mit der Gefriertruhe können
wir unseren Fang jetzt länger lagern und so einen höheren Gewinn
erwirtschaften. Dies verbessert unsere Wettbewerbsfähigkeit enorm.“ Durch
die Umstellung der Fischerboote auf e-Mobilität lassen sich die
Gesamtbetriebskosten um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Istzustand
senken. Darüber hinaus wird CO2 eingespart und das Wasser, Lebensgrundlage
der Fischer, wird nicht mehr verunreinigt. Die Digitalisierung des
Gesamtsystems ermöglicht weiterhin die Etablierung von CO2-Zertifikaten
zur Mitfinanzierung der Investitionskosten. Gemeinsam mit dem gambischen
Unternehmen Sub-Sahara United Vehicles Ltd. werden in den nächsten 12
Monaten zehn weitere VoltaViewAfrica Powerhouse-Anlagen mit insgesamt 50
austauschbaren Batterien in Gambia installiert.
Die Powerhouses werden im niedersächsischen Goslar vormontiert und
anschließend nach Gambia exportiert. Neben dem Betrieb der Anlagen steht
der Wissenstransfer zwischen lokalen Gemeinden in punkto Bedienung und
Instandhaltung im Fokus. In diesem Kontext entwickeln das Fraunhofer HHI
und VoltaViewAfrica gemeinsam mit der Anfang 2023 neu gegründeten
University of Applied Science, Engineering and Technology (USET) in Banjul
(Gambia) ein Lehrangebot über Photovoltaik, Batteriespeicher und
Elektromobilität. Studierende können theoretische und – dank der
installierten Anlage - auch praktische Kenntnisse über die eingesetzte
Technologie erwerben. Dabei ist es das Ziel, Expert*innen auszubilden, die
zukünftig Anlagen installieren, betreiben und warten können. Weiterhin
sollen neue Geschäftsmodelle entwickelt werden, die an die lokalen
Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst sind. Die Vermarktung der
Powerhouses sowie die Schulungen zur Sicherung des Wissenstransfers und
Wartung der Anlage werden im Rahmen des Renewable-Energy-Solutions-
Programms (RES-Programm) des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK) gefördert.
