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FH Kiel und FH Westküste entwickeln Konzept und Prototypen für digitales Besuchermanagementsystem im Tourismus

nduktionsschleifen ermöglichen die Erfassung von Fahrrädern in der Nähe des Campingplatzes Hasselberg an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.  EcoCounter GmbH
nduktionsschleifen ermöglichen die Erfassung von Fahrrädern in der Nähe des Campingplatzes Hasselberg an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. EcoCounter GmbH
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nduktionsschleifen ermöglichen die Erfassung von Fahrrädern in der Nähe des Campingplatzes Hasselberg an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.  EcoCounter GmbH
nduktionsschleifen ermöglichen die Erfassung von Fahrrädern in der Nähe des Campingplatzes Hasselberg an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. EcoCounter GmbH

Forscher*innen der Fachhochschulen Kiel und Westküste haben gemeinsam mit
Industriepartnern die Grundlagen für ein digitales
Besuchermanagementsystem im Tourismus für Schleswig-Holstein entwickelt.
Damit soll künftig die Überlastung von Naherholungsgebieten verhindert
werden. Um die aktuellen Tourismusbewegungen zu erfassen und zu
analysieren, installierte das Forschungsteam an 29 ausgewählten Standorten
in Schleswig-Holstein Sensoren und nutzte bereits vorhandene. Auf Basis
der gewonnenen Daten konnte ein Algorithmus entwickelt werden, der nicht
nur eine Vorhersage der Auslastungen touristischer Hotspots ermöglicht,
sondern attraktive Alternativen vorschlägt, wenn Orte überlaufen sind.

Forscher*innen der Fachhochschulen Kiel und Westküste haben gemeinsam mit
Lufthansa Industry Solutions und der ADDIX GmbH die Grundlagen für ein
landesweites digitales Besuchermanagementsystem im Tourismus entwickelt.
Damit soll künftig die Überlastung von Naherholungsgebieten verhindert
werden. Das Projekt „Landesweites digitales Besuchermanagement für den
Tourismus in Schleswig-Holstein“, kurz LABTOUR SH, wurde vom Land
Schleswig-Holstein gefördert.

Überfüllte Parkplätze, dicht an dicht liegende Strandbesucher*innen und
proppenvolle Skigebiete: Vor allem in der Hochphase der Corona-Pandemie
kursierten in den Nachrichten Bilder überrannter Tourismus-Destinationen.
Enttäuschte Erholungssuchende, genervte Anwohner*innen und überforderte
Beschäftigte waren die Folge. Gleichzeitig tummelten sich im näheren
Umkreis in ähnlichen attraktiven Gebieten nur wenige Besucher*innen. „Mit
einer effizienten Nutzung der lokalen touristischen Ressourcen und einer
Beachtung der Toleranzschwellen von Anwohner*innen und Naturgebieten hat
das wenig zu tun“, erklärt Prof. Dr. Julian Reif vom Deutschen Institut
für Tourismusforschung der Fachhochschule Westküste. „Gerade für
Schleswig-Holstein ist es aber besonders wichtig, dass der Tourismus, als
wichtiges wirtschaftliches Standbein, langfristig für alle Beteiligten
attraktiv bleibt – immerhin sorgt dieser für rund zwölf Prozent der
Gesamtbeschäftigung im Land“.

Projektteam installierte 29 Sensoren an touristischen Hotspots

Um Besuchsströme künftig besser steuern zu können, musste die
Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Prange von der
Fachhochschule Kiel erst einmal die aktuellen Tourismusbewegungen erfassen
und analysieren. Hierfür installierte sie unter Federführung der FH
Westküste an 29 ausgewählten Standorten in Schleswig-Holstein Sensoren und
nutzte bereits vorhandene. So konnten die Forscher*innen Ein- und
Ausfahrten an Park-, Camping- und Wohnmobilstellplätzen registrieren und
den Fahrradverkehr an beliebten Ausflugsstrecken aufzeichnen. Die FH
Westküste analysierte die Daten und verglich diese mit Daten aus
Smartphones. Diese erlaubten eine Einschätzung darüber, ob es sich bei den
Personen um Tourist*innen oder Einwohner*innen handelt.

Algorithmus für Empfehlungen alternativer Destinationen entwickelt

„Auf Basis der gewonnenen Daten konnten wir einen Algorithmus entwickeln,
der nicht nur eine Vorhersage der Auslastungen touristischer Hotspots
ermöglicht, sondern darüber hinaus attraktive Alternativen vorschlägt,
wenn Orte zu voll sind“, erklärt Prange. Auch die konkrete Ausspielung
solcher Empfehlungen wurde im Rahmen des Projektes geschaffen. „Mit dem
#sh_wlan haben wir gemeinsam mit den Sparkassen in Schleswig-Holstein
bereits über 3.000 Access Points im Betrieb, mehr als 1,3 Millionen
registrierte Nutzer *innen und damit eine entsprechende Präsenz in der
Fläche. Auch im Tourismus liefert diese Infrastruktur digitale Teilhabe
für Besucher*innen und kann ein wesentlicher Informationskanal sein, um
entsprechende Empfehlungen auszuspielen“, erklärt Björn Schwarze, der
geschäftsführende Gesellschafter der ADDIX GmbH. Neben der exemplarischen
Aussteuerung von touristischen Empfehlungen im #sh_wlan unterstützte die
ADDIX GmbH das Projekt mit technischer Infrastruktur und ihrer
langjährigen Expertise hinsichtlich des Betriebs von Datenplattformen.
Dies beinhaltet insbesondere einen nahtlosen Informationsaustausch und
damit die Kompatibilität verschiedener Plattformen, Datenquellen und
Systeme.

Bereits vor der Corona-Pandemie hatte der Projektpartner Lufthansa
Industry Solutions (LHIND) damit begonnen, Lösungen für ein Management von
Besuchsströmen zu entwickeln. Seit 2020 nutzen Destinationsmanager*innen
der Lübecker Bucht und von St. Peter Ording eine von der LHIND geschaffene
Cloudplattform intern für die Analyse ihrer Besuchszahlen. Ergänzend
spielen sie die aufbereiteten Daten in vereinfachter Form über ihre
jeweiligen Apps an die Destinationsgäste. Das hieraus entstandene Know-how
und die gewonnenen Daten über Besuchszahlen und Parkplatzauslastungen
brachte die LHIND in das Forschungsprojekt ein. In Zusammenarbeit mit der
FH Kiel konnte so ein weitreichendes Konzept und eine erste Pilotierung
eines Empfehlungs-Moduls sowie der Ausspielung über eine Website
realisiert werden.

Beteiligte wollen Empfehlungen mit öffentlichem Nahverkehr koppeln

Die Beteiligten streben ein Anschlussprojekt an, um das System und eine
öffentlich erreichbare Webseite in den produktiven Betrieb zu überführen.
„Dabei wollen wir auch eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr
berücksichtigen, um Natur, Umwelt und Anwohner*innen zu entlasten“, so
Prange. Damit könnte es in Zukunft selbstverständlich werden, nicht nur
die Wettervorhersage für das nächste Wochenende zu recherchieren, sondern
auch die prognostizierte Auslastung des Lieblingsstrandes und die Zug- und
Busverbindung dorthin.

Hintergrund
Das Projekt „Landesweites digitales Besuchermanagement für den Tourismus
in Schleswig-Holstein, kurz LABTOUR SH, wurde vom Land Schleswig-Holstein
gefördert wurde mit einer Gesamt-Fördersumme von 713.935,48 € finanziert
durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und
Tourismus des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen des Landesprogramms
Wirtschaft 2014-2020 mit EFRE-Mitteln und Landesmitteln nach Maßgabe der
FIT-Richtlinie. Der Projektzeitraum erstreckte sich vom 1. November 2021
bis zum 30. Juni 2023.