Neue Lehrangebote: KI und Wirtschaft
Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Würzburg erweitert ihre
Lehrangebote im Bereich Künstliche Intelligenz. Sie plant außerdem einen
neuen Bachelorstudiengang.
Bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten, die sich mit
Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigen, liegt China im weltweiten
Vergleich an erster Stelle. Nimmt man die KI-Publikationen aller
europäischen Länder zusammen, so belegt Europa Platz zwei. Auf Platz drei
stehen die USA.
Innerhalb Europas veröffentlichen das Vereinigte Königreich und
Deutschland die meisten KI-Publikationen. Die Bundesrepublik ist also
spitze bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema KI – aber warum
liefert sie dann kaum wirtschaftlich relevante KI-Produkte, mit denen sie
ja ebenfalls an der Weltspitze stehen müsste?
Gründe dafür nennt der KI-Bundesverband; eruiert hat er sie im Rahmen des
Projekts LEAM (Large European AI Models). Es fehlt demnach unter anderem
an Personal, Infrastruktur und Daten, um große KI-Modelle erfolgreich
trainieren zu können. Ein geeignetes leistungsfähiges KI-Rechenzentrum
gebe es in Deutschland nicht; der Aufbau würde 350 bis 400 Millionen Euro
kosten. Hier weitere Ergebnisse des Projekts (https://www.eco.de/wp-
content/uploads/dlm_uploads/20
Ausbildung von mehr Fachleuten ist entscheidend
„Es ist sicher wichtig, dass Deutschland und Europa bei der Bereitstellung
von geeigneter Infrastruktur zur Entwicklung von KI-Modellen aufholen“,
sagt Professor Gunther Gust, Leiter des Lehrstuhls für Prozess- und IT-
Integration für KI im Unternehmen an der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).
Allerdings ist das seiner Meinung nach nicht die alleinige Ursache dafür,
dass das Innovationspotenzial in Deutschland im Bereich KI nicht optimal
ausgeschöpft wird. Denn KI-Algorithmen könnten mittlerweile mit wenigen
Zeilen Programmiercode – oder sogar ganz ohne – trainiert und angewandt
werden.
„Wir müssen einfach mehr Leute an der Schnittstelle zwischen der KI-
Algorithmik und der Gestaltung der KI-Systeme für Anwenderinnen und
Anwender ausbilden“, meint der Professor.
Zu diesem Ausbildungsbedarf leistet die Wirtschaftswissenschaftliche
Fakultät der JMU zunehmend ihren Beitrag: „Wir bieten aktuell viele neue
Lehrveranstaltungen an der Schnittstelle zwischen KI und
Wirtschaftswissenschaften an“, sagt Gust. Etwa die Veranstaltung
„Enterprise AI“. Dort lernen die Studierenden, KI-basierte
Unternehmenssoftware zu gestalten.
Zehn Professuren mit starkem KI-Bezug
Der Zuwachs an KI-bezogenen Lehrveranstaltungen ist auch den sechs KI-
affinen Fachleuten zu verdanken, die seit 2019 neu an die Fakultät berufen
wurden.
Aktuell gibt es an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät 27
Professuren. In sechs davon wird in den Bereichen Wirtschaftsinformatik,
Logistik, Marketing und Data Science zu KI geforscht. Drei weitere gehören
zum CAIDAS-Zentrum der Universität, eine ist mit dem Zentrum assoziiert.
CAIDAS steht für „Center for Artificial Intelligence and Data Science”.
Neuer Bachelorstudiengang in Arbeit
Um künftig mehr KI-Fachleute auszubilden, entwickelt die Fakultät derzeit
auch den neuen Bachelorstudiengang „Digital Business and Data Science“. Er
setzt Schwerpunkte in diesem Themenfeld und versucht ein attraktives neues
Angebot für Studierende zu schaffen. Erstmals angeboten wird der
Studiengang voraussichtlich zum Wintersemester 2024/25.
Das KI-Zentrum der Uni Würzburg
CAIDAS wird seit 2019 in der Hightech Agenda der bayerischen
Staatsregierung gefördert. Der Freistaat stattet das Zentrum mit zehn
neuen Professuren, Stellen für weiteres Personal und mit Sachmitteln aus.
Die JMU bringt zusätzliche Professuren in das Zentrum ein – mit dem Ziel,
alle Fakultäten daran zu beteiligen. Am Ende sollen 30 Lehrstühle und
Professuren den Kern des Zentrums bilden.
Auf dem Campus Nord der JMU entsteht für CAIDAS derzeit ein Neubau, den
der Freistaat mit rund zehn Millionen Euro fördert. Das Gebäude soll
voraussichtlich zum Wintersemester 2023/24 in Betrieb gehen.
In der Hightech Agenda der bayerischen Staatsregierung bildet der Bereich
KI einen Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang entsteht ein bayernweites KI-
Netzwerk mit Knotenpunkten in München, Erlangen-Nürnberg, Ingolstadt und
Würzburg (CAIDAS).
