Ressourcenschonung im Bauwesen: Wirtschaftsministerium fördert innovatives Projekt der Hochschule Koblenz
Ein Forschungsteam der Hochschule Koblenz entwickelt eine neue Methode zur
effizienten Verwendung von Baustoffen im Bauwesen. Das Ministerium für
Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau fördert dieses Projekt zur
Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen im Rahmen des
Inkubatorprogramms Rheinland-Pfalz, das darauf abzielt, die konkrete
Umsetzung von innovativen Projekten zu fördern. Knapp 75.000 Euro wurden
dem Fachbereich bauen-kunst-werkstoffe dafür für die Dauer von zwei Jahren
bewilligt.
„Bauen in seiner gegenwärtigen Form verbraucht Ressourcen, die limitiert
sind. Die wichtigste der knappen Ressourcen des Bauwesens ist
Siliciumdioxid in Form von Quarz-Sand und Kies, das in Deutschland nur
noch für etwa 100 bis 120 Jahre verfügbar sein wird“, erläutert Prof. Dr.
Jürgen Quarg-Vonscheidt, Projektleiter und Professor für Geotechnik und
Vermessungskunde an der Hochschule Koblenz. Der Rohstoff wird für die
Betonherstellung, aber auch als Verfüllbaustoff bei Erdbaumaßnahmen
verwendet. Dieser verschwenderische Einsatz von Sand und Kies als
Verfüllbaustoff sei angesichts der Prognosen unverantwortlich, so der
Wissenschaftler. Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz und die ab August
geltende Mantelverordnung für Ersatzbaustoffe und Bodenschutz haben die
Verwertung von mineralischen Abfällen und die Schonung natürlicher
Ressourcen zur obersten Priorität erklärt. Vor diesem Hintergrund strebt
das Projekt der Hochschule Koblenz eine hohe Wiedereinbau-Quote von
Aushubmaterialien auf Baustellen an.
Eine effektive Möglichkeit Aushubmaterial wieder einzubauen, besteht in
der Aufbereitung der Erdbaustoffe zu einem zeitweise fließfähigen
Verfüllbaustoff, auch als Flüssigboden bezeichnet. Doch mit Flüssigboden
zu arbeiten, erfordert eine maßgebliche Umstellung und Weiterentwicklung
unserer bisherigen Bauverfahren. Eine dieser Weiterentwicklungen ist
Gegenstand des Projekts der Hochschule Koblenz, die ein Verfahren zur
Lagefixierung von Rohrleitungen bei der flüssigen Grabenverfüllung
entwickelt. Bislang gibt es kein vergleichbares Verfahren für eine der
größten Herausforderung der Branche. Das neue Verfahren basiert auf
elektrokinetischen Effekten und bietet nicht nur eine innovative Lösung
für die Bauindustrie, sondern hat auch weitreichende wissenschaftliche und
wirtschaftliche Vorteile. „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit
einem kommunalen Versorgungsunternehmen, um das entwickelte System in
einer realen Baustellenumgebung zu erproben“, so Quarg-Vonscheidt.
Unterstützt wurde das Projektteam bei der Antragstellung von der Abteilung
Transfer der Hochschule Koblenz. „Was sich hinter einem abstrakten
Projekttitel verbirgt, ist hochspannend und leistet einen wichtigen
Beitrag zur Ressourceneinsparung im Baubereich und damit zum Klimaschutz
in der Baubranche“, betont Prof. Dr. Heiko Weckmüller, Vizepräsident für
Transfer und regionale Entwicklung der Hochschule Koblenz. Maßgeblich für
die Förderzusage durch das Ministerium waren die Innovationskraft, der
technische Reifegrad und das große Potential des Projektes für die
Wirtschaft.
