Zum Hauptinhalt springen

Augentumore bei Kindern und Erwachsenen: Gefährlich, aber früh erkannt inzwischen besser heilbar

Pin It

Augen-Tumoren sind selten, können aber unerkannt zum Tode führen. Der
häufigste bösartige Tumor – das Aderhautmelanom – tritt meist im höheren
Lebensalter auf. Bei Kindern bilden sich maligne Tumore meist als
Retinoblastome aus den Netzhaut-Zellen. In den vergangenen Jahren führten
bessere Frühdiagnostik und Therapieoptionen zu erheblichen Fortschritten
in der Behandlung beider Tumorarten. Welche dies sind und wie die
Heilungsaussichten bei diesen Tumorarten aussehen, berichten Experten am
21. September 2023 auf der Online-Vorab-Pressekonferenz der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die anlässlich des Jahreskongresses
der Fachgesellschaft in Berlin stattfindet.

Augenkrebs ist eher selten und daher wenig beachtet. Da Tumore im
Augeninneren häufig erst spät erkannt werden, können diese nicht nur das
Augenlicht gefährden, sondern auch lebensgefährlich sein. „Es ist daher
wichtig, diese Augenerkrankungen trotz ihrer Seltenheit im Blick zu
behalten. Zum Glück haben sich die Möglichkeiten der Früherkennung in den
letzten Jahren deutlich verbessert!“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h.c.
Nikolaos E. Bechrakis, Präsident der DOG und Direktor der Klinik für
Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen. So lassen sich Tumore mit
modernen Früherkennungsmethoden erkennen und behandeln, bevor die Gefahr
für die Sehkraft und das Leben Krebs-Betroffener zu groß werden.

Aderhautmelanom: häufigster Augenkrebs im Erwachsenenalter
In Deutschland erkranken jährlich bis zu 700 Menschen am Aderhaut-Melanom.
Die Aderhaut ist die Schicht zwischen Netzhaut und Lederhaut, in der
zahlreiche Zellen liegen, die für die Nährstoffversorgung der Netzhaut
wichtig sind. „Zu erkennen ist der Tumor durch eine bräunliche
Pigmentierung der Aderhaut und tritt meist zwischen dem 60. und 80.
Lebensjahr auf“, führt Bechrakis aus. Kritisch ist, dass diese Tumorart
meist über Monate unentdeckt bleibt, da sie weder Schmerzen verursacht
noch von außen sichtbar ist und erste Symptome wie Sehbeeinträchtigungen
häufig unbemerkt oder unbeachtet bleiben. Die Folge: Der Krebs kann in
dieser Zeit metastasieren und über die Blutbahn andere Organe befallen –
vorzugsweise die Leber. „Gerade im höheren Alter denken viele bei
auftretenden Sehproblemen eventuell an Altersveränderungen und nicht an
einen bösartigen Tumor“, berichtet Bechrakis. Der Experte empfiehlt, auch
bei kleinsten Sehveränderungen sofort eine Augenärztin oder einen
Augenarzt aufzusuchen und rät davon ab, sich selbständig mit Lesehilfen zu
versorgen.

Das Aderhautmelanom lässt sich schnell und ohne großen Aufwand für die
Patientinnen und Patienten diagnostizieren. Mit Hilfe spezieller
Weitwinkelfotoapparate können Augenärztinnen und Augenärzte das Innere des
Augapfels untersuchen. Bechrakis prognostiziert, dass in naher Zukunft
zudem Blutuntersuchungen zur Früherkennung eingesetzt werden können. Die
Therapie ist bei früh erkanntem Krebs sehr aussichtsreich: Mithilfe der
Protonentherapie, die Strahlen gebündelt in das Auge projiziert, kann der
Tumor in 95 Prozent der Fälle inaktiviert werden und bei etwa 80 Prozent
der Betroffenen bleibt darüber hinaus auch die Sehkraft erhalten.
Alternativ steht die Kontaktbestrahlung mit dem Radioisotop Ruthenium zur
Verfügung. Die größte Herausforderung besteht noch in der Therapie von
bereits metastasiertem Aderhaut-Krebs. Aber auch hier verzeichnet die
Forschung Fortschritte: Das mittlere Überleben konnte bereits auf 6 Monate
verlängert werden.

Augentumore im Kindesalter: früh erkannt gut heilbar
Mit jährlich etwa 60 Neuerkrankungen ist das Retinoblastom der häufigste
bösartige Tumor des Augeninneren bei Kindern. Weltweit erkranken jedes
Jahr über 8000 Babys und Kleinkinder daran. In Industrienationen konnte
die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Ophthalmologie, Onkologie,
Pädiatrie und weiteren Fachgebieten die Sterblichkeit auf 5 Prozent
reduzieren. „In Entwicklungsländern hingegen besteht weiterhin eine
Sterberate von 50 Prozent, da dort die notwendigen sozioökonomischen
Standards nicht gegeben sind“, kritisiert Bechrakis. Hier bestünde in der
Telemedizin ein großes Potential, um den Hürden der mangelnden Expertise
vor Ort positiv zu begegnen. Auch Blutanalysen, die im Blut zirkulierende
spezifische Tumor DNA (ct-DNA) identifizieren, sind für die Frühdiagnostik
vielversprechend und könnten dabei helfen, Überleben und Lebensqualität
der kleinen Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Auf der Vorab-Online-Pressekonferenz am 21. September 2023 erklärt
Bechrakis, wie Augentumoren früh erkannt und effektiv behandelt werden
können und klärt über den aktuellen Forschungsstand auf. Zudem berichtet
er über Highlights des DOG-Kongresses, der vom 28. September bis 1.
Oktober in Berlin stattfindet.