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Neues Whitepaper ruft Unternehmen zum Engagement gegen Desinformation und Hassrede auf

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”Klare Kante gegen Desinformation und Hate Speech! Wie Unternehmen
Verantwortung übernehmen und dabei auch ihr Geschäft schützen” ist der
Titel eines neuen Whitepapers der Corporate Digital Responsibility-
Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV). Mitautor ist Prof. Dr. Dr.
Alexander Brink, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und
Unternehmensethik an der Universität Bayreuth. Das Whitepaper der 2018
gegründeten CDR-Initiative appelliert an Unternehmen aller Größenordnungen
und Branchen, sich aktiv gegen Desinformation und Hate Speech zu
engagieren, und zeigt konkrete Handlungsoptionen auf.

Erklärtes Ziel der CDR-Initiative ist es, digitale Verantwortung zu einer
Selbstverständlichkeit für Unternehmen aller Branchen werden zu lassen.
Mit ihrem Whitepaper rückt sie erstmals die ungelöste Problematik der
vorsätzlichen Verbreitung von Fake News und Hass im Internet in den Fokus.
Die Veröffentlichung benennt eindringlich die destruktiven Auswirkungen
auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und macht deutlich, dass
Unternehmen allein schon im eigenen Geschäftsinteresse nicht in einer
passiven Beobachterrolle verharren sollten. Das Paper bietet eine
systematische Übersicht über mögliche Vorgehensweisen bei der aktiven
Bekämpfung von Desinformation und Hate Speech. Am Beispiel vier großer
Unternehmen, die der CDR-Initiative als Mitglieder angehören, wird
gezeigt, wie ein erfolgreiches Engagement konkret aussehen kann.

„Die Verbreitung irreführender Botschaften zwecks Täuschung und sozialer
Spaltung bedroht durch ihr Ausmaß und ihre Dynamik zunehmend auch die
gewerbliche Wirtschaft. Zumindest mittelbar ist jedes Unternehmen heute
von dieser Entwicklung betroffen. Wie unser Whitepaper deutlich macht,
gibt es sehr verschiedene, in Umfang und Intensität abgestufte
Möglichkeiten, wie Unternehmen gegen Desinformationen und Hate Speech
vorgehen können. Ein erster wichtiger Schritt ist es in jedem Fall, sich
dieser dunklen Seite der Digitalisierung bewusst zu werden und
entsprechend dem eigenen Wertekanon eine klare ethische Position zu
beziehen“, erklärt Brink, der die CDR-Initiative wissenschaftlich
begleitet und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz zu Fragen der Digitalverantwortung berät.

Für viele Unternehmen wird es in Zukunft sinnvoll oder sogar notwendig
sein, durch interne Strategien und Maßnahmen die eigene Widerstandskraft
gegenüber Fake News und Hassrede zu stärken. Zahlreiche Institutionen
bieten dafür Informationen und praktische Unterstützung an, die speziell
auf Unternehmen zugeschnitten sind. Das Whitepaper fasst wichtige
Informationsquellen und Anlaufstellen in einem „Ressourcenatlas“ zusammen.
Wie Umfragen belegen, sind in jüngster Zeit auch die Erwartungen der
Öffentlichkeit an das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen enorm
gestiegen. „Wenn Unternehmen über die Stärkung der eigenen Resilienz
hinaus auch in ihrer externen Kommunikation klare Kante zeigen und dadurch
Dialog und Solidarität fördern, leisten sie einen wertvollen Beitrag für
unsere Gesellschaft. Langfristig wird dieser Beitrag, der das Ansehen von
Unternehmen in einem demokratisch verfassten Gemeinwesen festigt, auch dem
eigenen wirtschaftlichen Erfolg zugutekommen können“, sagt Brink.

Der Bayreuther Unternehmensethiker weist darauf hin, dass digitale
Verantwortung nicht allein durch ethische Normen und moralische Appelle
definiert ist. Zunehmend finden die Begriffe „Desinformation“ und „Hate
Speech“ auch in die Gesetzgebung Eingang, wodurch sie einen konkreten
justiziablen Gehalt gewinnen. Ein Beispiel ist der Digital Services Act,
der ab dem 17. Februar 2024 in allen Mitgliedstaaten der EU gelten wird.
Er soll einen sicheren digitalen Raum schaffen, in dem die Grundrechte
aller Nutzer*innen digitaler Dienste geschützt sind. Zugleich soll dieser
europäische Rechtsrahmen gewährleisten, dass in der digitalen Welt gleiche
Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen gelten.

„Viel zu oft bietet der digitale Raum Nährboden für Desinformation und
Hassrede. Die Folgen sind ernst: Die Betroffenen sind belastenden, teils
lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt, und die Spaltungslinien in der
Gesellschaft werden verschärft. Auch Unternehmen sind hier gefordert, sich
gegen Desinformation und Hassrede zu engagieren. Die in der CDR-Initiative
des BMUV aktiven Unternehmen haben eine Handreichung mit Beispielen aus
ihrer unternehmerischen Praxis erarbeitet, um andere Unternehmen
anzuregen, auch ‚klare Kante gegen Desinformation und Hassrede‘ zu
zeigen“, erklärt Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz,
nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Über die CDR-Initiative

Die Corporate Digital Responsibility-Initiative wurde im Mai 2018 vom
damaligen Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gemeinsam
mit ausgewählten Unternehmen ins Leben gerufen. Im Dezember 2021 ging die
Zuständigkeit auf das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) über. Die Initiative will vor
allem Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft dazu motivieren, die
Digitalisierung menschen- und werteorientiert zu gestalten. Die Mitglieder
der Initiative zeichnen sich durch besonderes Engagement im Bereich CDR
aus und entwickeln sich in diesem Bereich stetig weiter.

Seit dem Frühjahr 2023 unterhält die CDR-Initiative eine eigene
Geschäftsstelle. Diese wird von Prof. Dr. Dr. Alexander Brink gemeinsam
mit der concern GmbH, einer Ausgründung aus dem Bayreuther Studienprogramm
Philosophy & Economics, und mit ConPolicy – Institut für
Verbraucherpolitik betrieben.