Riesige Freude“: Hochschule Coburg erhält zwei Promotionszentren
Heute beginnt eine neue Ära für alle Hochschulen für angewandte
Wissenschaften in Bayern: Wissenschaftsminister Markus Blume gab am Morgen
in München die Einrichtung von elf Promotionszentren bekannt.
Eigenständige Promotionszentren wird es an zwei Standorten geben – einer
davon ist die Hochschule Coburg mit „Analytics4Health“. Zusätzlich bekommt
Coburg noch ein Promotionszentrum im Verbund: „Nachhaltige und
intelligente Systeme“ wird mit der TH Würzburg-Schweinfurt und der TH
Aschaffenburg eingerichtet. Was das für die Hochschule Coburg bedeutet,
erklärt Prof. Dr. Martin Synold, Vizepräsident für Forschung.
Für besonders forschungsstarke Bereiche konnten bayerische Hochschulen
beim Wissenschaftsministerium das fachlich begrenzte Promotionsrecht
beantragen. Grundlage ist das neue Bayerische Hochschulinnovationsgesetz.
In einem wissenschaftsgeleiteten Verfahren wurden die Anträge von einer
Expert:innenkommission begutachtet. „Die Qualität der eingereichten
Konzepte ist extrem überzeugend“, sagte Wissenschaftsminister Markus
Blume. „Unsere Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Technischen
Hochschulen haben sich als herausragende Forschungseinrichtungen
etabliert. Es ist logische Folge, dass sie nun auch das Promotionsrecht
erhalten.“ Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler können in
den elf Promotionszentren nun direkt an den Hochschulen promovieren. Blume
betonte dabei auch die große Bedeutung der Praxis-Forschung für die
Wirtschaft. Weitere Details dazu gibt es in der Pressemitteilung des
Ministeriums hier:
https://www.stmwk.bayern.de/pr
Die Hochschule Coburg ist gleich mit zwei Promotionszentren vertreten. Wie
das kommt und was es für die Zukunft bedeutet? Prof. Dr. Martin Synold
beantwortet die wichtigsten Fragen.
Sie sind Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an
der Hochschule Coburg – welche Rolle spielt Forschung an Hochschulen für
angewandte Wissenschaften?
Prof. Dr. Martin Synold: Im neuen bayerischen Hochschulinnovationsgesetz
ist Forschung nicht nur für Universitäten, sondern auch für die
Hochschulen als Aufgabe verankert – hier in Coburg genießt die Forschung
aber schon seit längerem einen hohen Stellenwert. Die Professorinnen und
Professoren, der akademische Mittelbau, die Verwaltung und das Präsidium:
Alle haben jahrelang daran mitgearbeitet, dass sich ein
forschungsförderndes Umfeld entwickelt. Es wurden Bedingungen geschaffen,
damit die forschenden Kolleginnen und Kollegen neben der Lehre auch
Freiraum und Ressourcen für das wissenschaftliche Arbeiten haben. So ist
es uns gelungen, forschungsstarke Professorinnen und Professoren für
unsere Hochschule zu gewinnen. Unsere jährlich eingeworbenen öffentlichen
Drittmittel für Forschung haben sich deutlich erhöht. Zusätzlich haben
auch wir mehrere Millionen Euro für die Bearbeitung wirtschaftlicher
Forschungsaufträge erhalten. Wir haben es geschafft, in
Forschungsschwerpunkten eine Community aufzubauen, die in Franken, in
Bayern, deutschlandweit und auch international geachtet wird. Als
Bestätigung dieser Erfolge dürfen wir jetzt zwei Promotionszentren
einrichten. Das freut uns riesig!
In welchen Bereichen bekommt die Hochschule Coburg das Promotionsrecht?
Es werden zwei Promotionszentren aufgebaut: „Analytics4Health“ bündelt
Forschungsaktivitäten, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen
im Kontext ihrer Umwelt nachhaltig zu verbessern. Wir wollen hier
wissenschaftsbasierte Lösungen für komplexe, gesellschaftliche
Herausforderungen entwickeln: Themen wie der Wunsch nach selbstbestimmten
Leben bis ins hohe Alter, berufliche Rahmenbedingungen in einer alternden
Gesellschaft, Gesundheitsvorsorge bis hin zu Ressourcenknappheit auch im
internationalen Kontext. Für das Ziel innovativer,
technologieunterstützter Gesundheitsförderung verfolgen wir konsequent
einen interdisziplinären Ansatz in den Forschungsbereichen Bioanalytik,
Gesundheits- und Datenwissenschaften. Das schließt auch Querschnittsthemen
wie „Gesundes Bauen“ und Informationstechnologien ein. Hierfür haben wir
in unserer Region eine hohe Expertise und freuen uns, dass wir die Kraft
und Vernetzung im Innovationsdreieck Coburg – Kronach – Lichtenfels noch
stärker nach außen präsentieren können: Mit „Analytics4Health“ ist Coburg
einer von nur zwei genehmigten Hochschulstandorten in Bayern, die ein
eigenständiges Promotionszentrum einrichten dürfen!
Bei unserem zweiten Promotionszentrum „Nachhaltige und intelligente
Systeme“ kooperieren wir mit der federführenden TH Würzburg-Schweinfurt
und der TH Aschaffenburg. Auch hier geht es um drängende Zukunftsaufgaben:
um die Etablierung nachhaltiger Prozesse und Wertschöpfungsketten, sei es
im Bereich der Mobilität, der Energie- und Infrastruktursysteme oder bei
Produktion und Materialien. Dabei ist die Forschung der Hochschule Coburg
anwendungsbezogen und interdisziplinär: Themen wie regenerative
Energieerzeugung, intelligente Energiespeichersysteme, energieeffiziente
Gebäude bis hin zu vernetzter urbaner und regionaler Mobilität erlauben
einen direkten Wissenstransfer mit der sehr starken Wirtschaft im
Innovationsdreieck. Wir legen großen Wert darauf, dass die Lösung
konkreter, praktischer und gesellschaftlich relevanter Fragestellungen und
wissenschaftliche Exzellenz Hand in Hand gehen.
Was verändert sich durch das Promotionsrecht?
Das Promotionsrecht hat eine weitreichende profilstärkende Strahlkraft,
weil es zeigt, dass hier zum einen nachweislich exzellent geforscht wird
und zum anderen vergleichsweise fokussiert promoviert werden kann - und
zwar unabhängig von dem bisher üblichen kooperativen Modell, bei dem eine
HAW eine Promotion gemeinsam mit einer Universität betreut. Derzeit
forschen 58 Promovierende an der Hochschule Coburg– in der Regel als
kooperative Promotionen. Diese wird es auch künftig geben; die beiden
Varianten ergänzen sich. Aber: In einem Promotionszentrum werden die
formalen Strukturen zusammengefasst und dadurch deutlich vereinfacht. Es
ist wirklich sehr, sehr zukunftsweisend, dass eine intensive
disziplinübergreifende Betreuung in einem breiten Fächerkanon ermöglicht
wird. Das macht die Hochschule für den wissenschaftlichen Nachwuchs und
auch als akademische Arbeitgeberin sehr attraktiv. Das Promotionsrecht
gilt zwar nicht für die gesamte Hochschule, aber es strahlt auf andere
Bereiche aus – ich denke: Es ist der Ausgangspunkt für weitere
Entwicklungen.
Gibt es an der Hochschule Coburg Ambitionen für weitere Promotionszentren?
Wir sind sehr stolz, dass wir zwei Promotionszentren einrichten dürfen –
diese müssen wir jetzt mit Leben füllen. Mitglieder eines
Promotionszentrums haben hohe individuelle akademische Voraussetzungen zu
erfüllen. Wir werden gezielte Qualifikationsprogramme für Promovierende
auflegen und neue Kolleginnen und Kollegen an die Promotionszentren
heranführen. Das Promotionsrecht muss nach sieben Jahren verlängert werden
– die Zeit bis dahin werden wir intensiv nutzen…
Erwarten Sie, dass sich die Zahl der Promovierenden in Coburg kurz- bis
mittelfristig signifikant verändert?
<lacht> Ja, das ist das Ziel! Wenn Studierende merken: „Oh, das ist toll,
ich kann in meinem Thema wissenschaftlich weiter gehen“, dann ist der
Übergang von der Masterarbeit zu einer Forschungsarbeit ab jetzt viel
leichter. Eine direkte Betreuung und gute strukturelle Bedingungen
vereinfachen die Promotionszeit bei gleichzeitig hohem wissenschaftlichem
Niveau. Auch für Professorinnen und Professoren, die jetzt selbst das
Hauptgutachten übernehmen können und die Forschungsarbeiten unmittelbar
begleiten, hat diese neue Promotionsmöglichkeit spürbare Vorteile.
Letztendlich ist es ein sich selbst verstärkendes System, das für alle
Beteiligten attraktiv ist.
Was bedeutet das im Verhältnis von HAWs und Unis – welche
Unterscheidungsmerkmale gibt es noch?
Die Grundlagenforschung wird derzeit hauptsächlich an den Universitäten
geleistet während wir an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften
eher anwendungsbezogene Forschung betreiben. Das hat den großen Vorteil,
dass wir uns viel stärker in den interdisziplinären Bereichen engagieren
und der Wissenstransfer zu Gesellschaft und Wirtschaft einfacher ist. Die
fächerübergreifende Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen mit ihren
verschiedenen Blickwinkeln bereichert die Forschung. Außerdem:
Forschungsgelder kommen nicht von allein, sondern müssen von den
Forschenden erwirtschaftet werden – gemeinsam kann man da viel mehr
erreichen.
