Studierende entwickeln Carapacks-Pavillon und realisieren einen Prototyp für den Hochschul-Campus
Studierende der Hochschule Biberach haben einen beeindruckenden Carapacks-
Pavillon entwickelt und einen Prototypen für den Hochschul-Campus
realisiert. Das innovative Wabengebilde, das wie überdimensionale
Bienenwaben aussieht, wurde im Rahmen eines Design-Build-Projekts im
Architekturstudiengang der Hochschule entwickelt. Das hexagonale System
zeichnet sich durch torsionsfreie Bauteile und lotrechte Schnittkanten
aus, was eine kosteneffiziente Fertigung mittels Laser- oder
Wasserstrahlschneidetechnik ermöglichte.
Sie sehen aus wie viele überdimensional große Bienenwaben,
zusammengesteckt zu einem Wabengebilde, unter dem man hindurch laufen
kann. „Carapacks“ ist das Ergebnis eines Design-Build-Projekts, das über
mehrere Semester im Studiengang Architektur der Hochschule Biberach (HBC)
stattfand. Das Team um die Vertretungsprofessoren Simon Vorhammer und Dr.
Jonas Schikore, Prof. Dr. Christina Jeschke und Student David Ott ent-
wickelte ein Konzept, um beliebig gekrümmte Freiformflächen als
doppelschalige Stecksysteme umzusetzen. Entstanden ist ein Holzpavillon,
der am Campus Stadt errichtet wurde.
Das Besondere an diesem hexagonalen System ist, dass alle Bauteile
torsionsfrei sind und lotrechte Schnittkanten aufweisen. Dies ermöglichte
eine effiziente und kostengünstige Fertigung mittels Laser- oder
Wasserstrahlschneidetechnik. Der Prototyp wurde aus Pappelholz gefräst.
Dafür hat die Firma Georg Ackermann GmbH eine Woche lang ihre
Lasermaschine zur Verfügung gestellt. Anschließend hat das Team jedes Teil
geschliffen und in Lauge getunkt, damit bei Regen nichts abfärbt. „Uns war
wichtig, dass sich die Montage der Teile unkompliziert gestaltet und von
unseren Studierenden ohne den Einsatz schwerer Geräte durchgeführt werden
konnte“, erklärt Simon Vorhammer. Gemeinsam mit seinen Studierenden hat er
zwei Tage lang am Campus gewerkelt und den Pavillon errichtet. Auch
Student Tobias Bischoff ist von der Einfachheit des Aufbaus begeistert:
„Mich hat fasziniert, dass der Pavillon komplett vorgefertigt werden kann
und auf dem Bauplatz ohne großartiges Wissen über das Projekt leicht und
verständlich zusammensetzbar ist.“
Umso aufwendiger war dafür die Vorbereitung. Denn das Herzstück des
Carapacks-Systems ist sein digitales parametrisches Modell, das es
erlaubt, verschiedene Eingangsparameter wie Gesamtform,
Geschlossenheitsgrad, Schalenstärke und Größe der Segmente zu definieren.
Dadurch können fertigungsreife Bausätze für unterschiedlichste
Ausgangsgeometrien erzeugt werden. „Das System ist nicht auf Holzpavillons
beschränkt, sondern könnte auch auf Überdachungen und Fassaden übertragen
werden.“
Die kreativen Überlegungen und Design-Aspekte, die bei der Planung der
Pavillons berücksichtigt wurden, waren vielfältig. Das Team wollte nicht
nur eine funktionale Struktur schaffen, sondern auch ein architektonisches
Highlight, das die Besucher der Hochschule begeistert. Die Pavillons
sollten zudem eine Verbindung zwischen Natur und Technik herstellen und
die Idee von Nachhaltigkeit und Recycling vermitteln.
Ziel und der Zweck des Aufbaus des Carapacks-Pavillons war es, den
Studierenden der HBC eine Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten und ihr
Wissen in der Praxis anzuwenden. Das Team wollte ein Projekt von A bis Z
begleiten und die gesamte Fabrikationsplanung selbst übernehmen. Dazu
gehören auch Themen wie Brandschutz, Terminplanung oder das Anwerben von
Sponsoren. Prof. Jeschke sieht zudem einen weiteren Nutzen: „Normalerweise
erstellt ein*e Architekt*in Pläne nach den Wünschen der Bauherr*innen. In
diesem Fall war es umgedreht – zuerst stand der Plan fest und die
Studierenden mussten anhand diesem Sponsoren überzeugen. Aufträge kommen
einem nicht zugeflogen, man muss mit seinen Arbeiten überzeugen.“ Deshalb
will die Professorin, dass Studierende lernen, mehr als
Projektentwickler*innen tätig zu werden. Der Carapacks-Pavillon ist nicht
nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein Beispiel für die
innovative und praxisorientierte Ausbildung an der Hochschule Biberach.
Für die Studierenden der Hochschule Biberach diente das Gebilde zudem als
Location beim Abschlussfest. Zu diesem wurden neben “Carapacks” zwei
weitere Projekte des Seminars umgesetzt. Der Steckpavillon "Plattenbau"
besteht aus rechtwinkligen ineinandergreifenden Platten, die ein
begehbares, zeltartiges Konstrukt bilden. Durch die wechselnde
Orientierung der Platten entsteht ein Wechselspiel aus Geschlossenheit und
Durchblicken. Das Projekt “Stack-Bar” legt seinen Fokus auf
Wiederverwendbarkeit. Für den Bau der Bar wurden handelsübliche
Holzleisten mit einem, bzw. drei Meter Länge aufgestapelt und über
Spanngurte fixiert. Das non-destruktive Fügungsprinzip ermöglicht es,
auf Schraubverbindungen zu verzichten. So wurde das Material vom Baumarkt
vor Ort leihweise zur Verfügung gestellt, bevor es nach dem Abbau wieder
in den Handel ging.
