Stärkung von Hochschulen durch Wissenstransfer: Transferprogramm „GeisTreich“ für zukunftsfähigen Weinbau gestartet
Der Weinbau und die weinbaulich geprägte Kulturlandschaft des Rheingaus
stehen vor großen Herausforderungen. Ökonomische Rahmenbedingungen,
Klimawandel und Biodiversitätsverlust machen Anpassungen notwendig, die
die ganze Region betreffen. Wie kann es gelingen, den Weinbau und die
Rheingauer Kulturlandschaft ökologisch und ökonomisch zukunftsweisend
auszurichten? Strategien dafür erarbeiten die Hochschule Geisenheim und
das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung im Transferprogramm
„GeisTreich – Geisenheimer Transferprogramm für artenreichen und
multifunktionalen Weinbau“ gemeinsam mit regionalen Akteurinnen und
Akteuren. Die Auftaktveranstaltung fand am 6. Oktober 2023 statt.
So vielfältig die regionalen Akteurinnen und Akteure im Rheingau sind, so
unterschiedlich sind auch die Perspektiven auf die Region. Gemeinsam ist
vielen aber das Bewusstsein, dass es vor dem Hintergrund der ökologischen
und ökonomischen Veränderungen Anpassungen bei der Landschafts- und
Landnutzung bedarf. Drängende Fragen im Weinbau sind beispielsweise der
zunehmende Trockenstress der Reben, Bodenerosionsrisiken und der
nachhaltige Pflanzenschutz. Fragestellungen auf der Landschaftsebene
stehen in Bezug zu den häufig nicht mehr rentabel zu bewirtschaftenden
Steillagen auf der einen Seite und den ausgeräumten, intensiv genutzten
Weinbergsfluren der Flach- und Hanglagen auf der anderen. Was macht den
Weinbau und die Kulturlandschaft mit allen ihren Facetten zukunftsfähig?
Antworten darauf werden in den nächsten fünf Jahren im Transferprogramm
„GeisTreich – Geisenheimer Transferprogramm für artenreichen und
multifunktionalen Weinbau“ entwickelt. Ilona Leyer, Professorin am
Institut für angewandte Ökologie der Hochschule Geisenheim und Leiterin
des Projektes: „Wir freuen uns, dass wir mit GeisTreich die Möglichkeit
haben, das Wissen aus der Hochschule und der ganzen Region zu vernetzen,
um innovative Strategien für den Weinbau und die Kulturlandschaft der
Zukunft zu entwickeln. Diese müssen wirtschaftlich tragfähig und praktisch
umsetzbar sein – das geht nur gemeinsam mit Wissenschaft, Praxis,
Verwaltung und Gesellschaft.“
Forschungsbasierter Wissens- und Technologietransfer für und in die Region
Das Transferprogramm ist Teil der Bund-Länder-Initiative „Innovative
Hochschule“, das auf die Stärkung des forschungsbasierten Wissens- und
Technologietransfers von Hochschulen zielt. Das bedeutet für die
Hochschule Geisenheim, Wissen aus der Forschung verfügbar zu machen und
dabei gleichzeitig Ideen und konkrete Fragestellungen aus der Praxis
aufzugreifen. Dafür sind ein intensiver Wissens- und Ideenaustausch
zwischen den Akteuren ebenso wie Dialoge mit Bewohnerinnen und Bewohnern
der Region zentral. Das ISOE begleitet das Vorhaben mit seiner
einschlägigen Expertise in den Bereichen Wissenstransfer und
-kommunikation sowie einer wirkungsorientierten Evaluation.
„Die Besonderheit dieses Transferprogramms liegt in der Anwendung eines
multidirektionalen Wissenstransfers“, sagt ISOE-Wissenstransferexpertin
Verena Rossow. Ein solcher Zugang lasse zu, dass alle Akteure voneinander
lernen; auch die Forschung von der Praxis. Dieser gegenseitige Austausch
sei für GeisTreich ein zentrales Element. „Wir verstehen den Wissensfluss
nicht als Einbahnstraßenkommunikation, also von der Forschung zur Praxis.
Vielmehr wollen wir in den nächsten Jahren gemeinsam Lösungsansätze
entwickeln“, sagt Rossow.
Dafür arbeitet das Projektteam mit innovativen Dialogformaten des
Wissenstransfers: Hierzu gehört zum Beispiel eine Ausstellung in einem
mobilen „Tiny House“, die vor Ort in der Weinbergsflur eingesetzt werden
und auch beispielsweise auf Schulhöfen oder zentralen Stadtplätzen der
Region zu sehen sein soll. Neue digitale Hilfsmittel werden unterstützend
eingesetzt, um die Veränderungen der Landschaft durch die Intensivierung
des Weinbaus in den letzten Jahrzehnten nachzuvollziehen, Lösungen und
Handlungsmöglichkeiten zu reflektieren. So werden gemeinsam Ideen für die
zukünftige Gestaltung der Kulturlandschaft entwickelt und erlebbar
gemacht.
Teilnehmende der Auftaktveranstaltung begrüßen das neue Programm
Die Idee von GeisTreich, miteinander in den Austausch zu gehen, wurde auch
bei der Auftaktveranstaltung am 6. Oktober 2023 in Geisenheim umgesetzt.
Die Gäste – Vertreterinnen und Vertreter u.a. des Rheingau-Taunus-Kreises,
der Kommunen, der Weinbauverbände, des Tourismus und der Landschaftspflege
– tauschten in einem interaktiven Format ihre Perspektiven zu den
Herausforderungen und Potenzialen des Rheingaus aus. Abgerundet wurde der
Vormittag durch die Besichtigung der Agri-Photovoltaik-Anlage der
Hochschule als Beispiel für multifunktionalen Weinbau.
