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Cannabisgesetz gefährdet Tabakprävention

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Die Bundesregierung plant die Legalisierung von Cannabis. Der
Gesetzentwurf dazu („Cannabisgesetz“) steht am Mittwoch, 18. Oktober 2023,
auf der Tagesordnung des Bundestags. Die in Deutschland am weitesten
verbreitete Konsumform des Cannabis, das Rauchen, birgt jedoch
Gesundheitsgefahren und konterkariert die Ziele der Tabakprävention.
Präventionsexperten fordern daher, geeignete Präventionsmaßnahmen im
Gesetz zu verankern.

Die in Deutschland am weitesten verbreitete Form des Cannabiskonsums, das
Rauchen, wird im aktuellen Entwurf des Gesetzes „zum kontrollierten Umgang
mit Cannabis und zur Änderung weiterer Vorschriften“ (Cannabisgesetz)
nicht thematisiert.

Das gefährdet die ohnehin äußerst bescheidenen Erfolge Deutschlands bei
der Tabakprävention in den letzten Jahren. Wer Cannabis raucht, setzt sich
sämtlichen Gesundheitsgefahren des Rauchens aus. Wird Cannabis gemischt
mit Tabak geraucht, erhöht dies das Risiko, sowohl von Cannabis als auch
vom Tabak abhängig zu werden. Außerdem befürchten Experten, dass das
Cannabisrauchen die Tabakentwöhnung erschwert. Insbesondere bei jungen
Menschen könnte Cannabisrauchen den Einstieg in eine Raucherkarriere
fördern.

Über 90 Prozent der jugendlichen und rund 80 Prozent der erwachsenen
Cannabiskonsumenten in Deutschland rauchen die Droge – entweder pur oder
vermischt mit Tabak. Diese Form des Konsums von Cannabis ist auch unter
Nichtrauchern verbreitet. Das Rauchen von Cannabis ist die schädlichste
Form des Cannabisgebrauchs.

„Das Rauchen von Cannabis konterkariert das Ziel, Deutschland bis 2040
tabakfrei zu machen, wie es der Europäische Plan gegen den Krebs erfordert
- und wie es über 50 medizinische und zivilgesellschaftliche
Organisationen fordern“, sagt Michael Baumann, der Vorstandsvorsitzende
des Deutschen Krebsforschungszentrums. Rauchen kostet in Deutschland jedes
Jahr rund 127.000 Menschen das Leben.

„Diese Problematik muss dringend Eingang in die im Gesetz verankerten
Präventionsmaßnahmen finden“, sagt Katrin Schaller, kommissarische
Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen
Krebsforschungszentrum. „Die Maßnahmen zur Prävention werden jedoch im
vorliegenden Entwurf des Cannabisgesetzes nicht ausreichend festgelegt.
Dies gilt insbesondere im Hinblick auf das Risiko, dass Cannabisrauchen
den Einstieg Jugendlicher in den Tabakkonsum fördern könnte.“

Zum Schutz der Jugend und um das Rauchen in der Bevölkerung nicht zu
fördern, muss das Cannabisgesetz dem Rauchen von Cannabis durch geeignete
Maßnahmen entgegenwirken. Dazu gehört, dass zumindest vom Rauchen des
Cannabis dringend abgeraten wird. Es gibt keine anerkannt sichere Form des
Cannabiskonsums. Weniger schädlich ist nach derzeitigem Kenntnisstand die
Verwendung medizinische Inhalatoren. Notwendig sind außerdem
Präventionsmaßnahmen, die den Einstieg in den Cannabiskonsum verhindern
und den Ausstieg fördern. Diese Maßnahmen müssen auch die Gefahren des
Cannabisrauchens thematisieren.

Zudem fordern Experten, die Forschung zu den Gesundheitsgefahren des
Cannabisrauchens (mit und ohne Tabak) zu intensivieren sowie die
Entwicklung des Cannabiskonsums und der Konsumarten kontinuierlich zu
beobachten, mit besonderem Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene

Das DKFZ hat zwei Factsheets zum Thema herausgegeben:
Fakten zum Rauchen:
https://www.dkfz.de/de/krebspraevention/Downloads/pdf/FzR
/FzR_2023_Cannabis-und-Rauchen.pdf

Aus der Wissenschaft – für die Politik:
https://www.dkfz.de/de/krebspraevention/Downloads/pdf/AdWfdP
/AdWfdP_2023_Cannabis-und-Rauchen.pdf

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische
Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen
Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass
Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen
Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt
werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten
Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle
Fragen zum Thema Krebs.

Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu
übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu
verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten
Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland
Translationszentren:

Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein
Helmholtz-Institut des DKFZ
DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen
Krebshilfe)

Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist
Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.