Prof. Sabine Striebich ist Professorin für Hebammenwissenschaft an der Universitätsmedizin Halle
Prof. Dr. Sabine Striebich ist seit 8. November 2023 als Professorin für
Hebammenwissenschaft an die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-
Universität Halle-Wittenberg (MLU) berufen. Die erfahrene Hebamme zielt
darauf ab, durch Versorgungsforschung neue Erkenntnisse in die
Geburtshilfe zu bringen. Mit der Berufung übernimmt Sie auch die Leitung
des gleichnamigen dualen Bachelorstudiengangs, der 2021 an der
Universitätsmedizin Halle startete.
„Der Hebammenberuf hat sich im Laufe der Jahrzehnte stetig
weiterentwickelt und die Anforderungen sind kontinuierlich gestiegen. In
Deutschland ist seit 2020 eine Hochschulausbildung verpflichtend. Mit der
Akademisierung wird dieser steigenden Komplexität Rechnung getragen“,
erklärt Prof. Striebich den Wandel der letzten Jahre. Relativ neu ist auch
das Feld der hebammenwissenschaftlichen Forschung: „Die
Hebammenwissenschaft erforscht beispielsweise Wirksamkeit und Nutzen von
Hebammentätigkeiten und ermittelt Bedarfe von Schwangeren und Müttern.
Mein Anliegen ist es, die hebammenwissenschaftliche Versorgungsforschung
fortzusetzen, die am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften
der MLU bereits etabliert ist. Damit möchte ich dazu beitragen, dass die
gesundheitliche Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Müttern noch
stärker evidenzbasiert gestaltet werden kann. Der Transfer der Ergebnisse
in die Praxis ist mir dabei besonders wichtig“, so Prof. Striebich. Die
Schwerpunkte der Versorgungsforscherin umfassen Themen wie die Bewältigung
von Geburtsangst, die Förderung aktiver Geburten und die Entwicklung und
Pilotierung evidenzbasierter Gesundheitsinformationen für die
Geburtshilfe.
Im Rahmen der Professur ist vorgesehen, eine entsprechende
hebammengeleitete Hochschulsprechstunde für Schwangere, Wöchnerinnen und
Mütter beziehungsweise junge Eltern und ihre neugeborenen Kinder
aufzubauen. „Als wissenschaftlich fundiertes, neuartiges ambulantes
Versorgungsangebot soll die Hochschulsprechstunde die bestehenden
Versorgungsstrukturen für Schwangere und junge Familien an der
Universitätsmedizin Halle erweitern und eine neue Anlaufstelle in der
Region werden. Davon könnten zunächst Frauen mit großer Angst vor der
Geburt profitieren, für die eine individuelle und interprofessionelle
Betreuung vielerorts momentan nicht so umfangreich stattfindet, wie man
sich das wünscht. Nach und nach soll das Angebot erweitert werden. Die
Hochschulsprechstunde der Medizinischen Fakultät soll außerdem gute
Trainingsmöglichkeiten für studierende Hebammen bieten“, betont Striebich.
In der Lehre nimmt Prof. Striebich als Leiterin des dualen
Bachelorstudiengangs Hebammenwissenschaft eine wichtige Rolle ein, da die
MLU der einzige Standort in Sachsen-Anhalt ist, an dem
Hebammenwissenschaft studiert werden kann. „Die Studierenden werden
befähigt, sich aktuelle wissenschaftliche Kenntnisse anzueignen sowie
evidenzbasiert und reflektiert zu handeln und effektiv mit anderen
Gesundheitsberufen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig lernen sie in der
Praxis von sehr berufserfahrenen Hebammen und treffen auf eine gewachsene
Versorgung. Dabei werden sie von der Universität begleitet. Davon
profitieren die angehenden Hebammen letztlich enorm“, so Striebich. Für
das Üben praktischer Fähigkeiten von Studierenden wird ein neues „Skills-
und Simulationslabor Hebammenwissenschaft“ auf dem Medizin-Campus Steintor
geschaffen, welches das Dorothea-Erxleben-Lernzentrum Halle (DELH)
ergänzt. „Hebammenstudierende benötigen realistische Umgebungen wie einen
Klinik-Geburtsraum, eine häusliche Geburtsumgebung und Räume, in denen
Untersuchungen und Beratungen geübt werden können. Auch
interprofessionelle Notfallszenarien sollen dort simuliert werden. Die
Planungen haben bereits begonnen“, so Striebich. Es ist vorgesehen, im
Skills- und Simulationslabor auch Hospitationen und Fortbildungen für
Hebammen anzubieten, die Studierende der MLU als Praxisanleiter:innen
betreuen.
Sabine Striebich absolvierte 1997 eine Ausbildung zur Hebamme am
Krankenhaus Neukölln in Berlin und war bis 2008 am DRK Klinikum Westend
tätig. 2013 erwarb sie ihren Abschluss in Diplom-Medizinpädagogik an der
Charité Berlin und war anschließend Lehrerin für Hebammenwesen und
Gastdozentin für Hebammenwissenschaft an der Evangelischen Hochschule
Berlin. Ab 2015 studierte sie an der MLU im Promotionsstudiengang
„Partizipation als Ziel von Pflege und Therapie“, war ab 2017 als
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Be-Up-Studie tätig, die am Institut
für Gesundheits- und Pflegewissenschaften realisiert wurde, und
promovierte ebenda 2020 zum Dr. rer. medic. Im Frühjahr 2022 folgte sie
dem Ruf in den Norden als Professorin für Hebammenwissenschaft an der
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.
Prof. Dr. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät der MLU,
erklärt: „Die Pflege- und Versorgungsforschung sind Schwerpunkte an der
Universitätsmedizin Halle und werden mit der Berufung von Prof. Dr. Sabine
Striebich gestärkt. Mit ihr haben wir eine kompetente und erfahrene Spitze
für unseren jüngsten Studiengang Hebammenwissenschaft gewonnen.“
