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Pflanzlich, ökologisch, regional – die Ernährung der Zukunft

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Mehr pflanzliche und ökologisch erzeugte Lebensmittel, die regional
angebaut und verarbeitet werden – mit dieser Formel kann die nachhaltige
Transformation des Ernährungssystems gelingen. Wie diese drei Strategien
für eine umweltfreundliche, gesundheitsfördernde, alltagstaugliche,
ethisch verantwortungsvolle, sozial gerechte und wirtschaftlich tragfähige
Ernährung konkret umgesetzt werden können, hat jetzt ein Forschungsteam
aus Öko-Institut, Ecologic Institut und Bund Ökologische
Lebensmittelwirtschaft im Auftrag des Umweltbundesamtes beschrieben.

„Die drei Strategien – pflanzenbetonte Ernährung, ökologische
Landwirtschaft und regionale Erzeugung – müssen dabei sehr gut
ineinandergreifen, um Synergien zu nutzen und Zielkonflikte zu vermeiden“,
betont Gerolf Hanke, Projektleiter und Experte für nachhaltige Ernährung
am Öko-Institut. “Wir schlagen Maßnahmen und Politikinstrumente vor, die
in die Ernährungsstrategie der Bundesregierung eingehen können, deren
Erarbeitung dieses Jahr auf der Agenda des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft steht.“

Strategie 1: pflanzenbasierte Ernährung
Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung zu fördern, ist der
wirkungsvollste Hebel, um unsere Ernährung nachhaltiger zu gestalten.
Essen wir mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse und weniger tierische
Produkte, kann der Tierbestand reduziert werden, was sich positiv auf
Umwelt, Klima und Biodiversität auswirkt. Diese Ernährungsweise ist zudem
gesünder als die derzeitig in Deutschland gängige und trägt dazu bei, die
Nahrungsversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen.
„Politische Maßnahmen können dazu beitragen, dass wir mehr Gemüse und
pflanzenbasierte statt tierischer Lebensmittel auf unsere Teller legen“,
stellt Julia Jägle, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic Institut,
fest. „Um es Konsumentinnen und Konsumenten möglichst einfach zu machen,
pflanzenbetonte Lebensmittel und Speisen zu wählen, braucht es zum
Beispiel attraktive Angebote im Einzelhandel und in der
Gemeinschaftsverpflegung sowie einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für
alle pflanzlichen Nahrungsmittel.“
Auch die betriebliche Aus- und Weiterbildung sollte so gestaltet werden,
dass Köchinnen und Köche sowie anderes Fachpersonal attraktive Speisen-
und Lebensmittelangebote mit mehr Gemüse, Nüssen oder Hülsenfrüchten
bereitstellen können. Das Forschungsteam schlägt zudem vor, eine
gemeinnützige Organisation für die Stärkung einer pflanzenbetonten
Ernährung zu etablieren, die für die Vernetzung aller Akteure sorgt.

Strategie 2: ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft
Der ökologische Landbau wirkt sich vorteilhaft auf Böden, Gewässer,
biologische Vielfalt und Klima aus. Den Bioanbau von Lebensmitteln zu
stärken und gleichzeitig die Produktivität ökologischer Landwirtschaft zu
verbessern, trägt daher unmittelbar zur nachhaltigen Ernährung bei.
„Aus diesem Grund sollte die Bio-Lebensmittelwirtschaft weiter konsequent
gefördert werden und Forschungsaktivitäten gezielt auf eine Verbesserung
ihrer Umweltleistungen, etwa für die Boden- und Pflanzengesundheit oder
das Tierwohl, hinwirken“, betont Friedhelm von Mering, Referent für
Politik beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.
Dabei müsse neben der Landwirtschaft auch die Lebensmittelverarbeitung
berücksichtigt werden. Aber auch weitere Maßnahmen, etwa eine
Ausbildungsoffensive ökologische Landwirtschaft, der Wissenstransfer an
Praktikerinnen und Praktiker, mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung
oder die Weiterentwicklung von Züchtungsstrategien für Pflanzen und Tiere
werden vom Projektteam vorgeschlagen.

Strategie 3: regionale Wertschöpfungsketten
Kurze Wertschöpfungsketten für Lebensmittel sind eine weitere Strategie
für ein nachhaltiges Ernährungssystem. So wird der Anbau kleinteiliger und
vielfältiger, bleibt die Wertschöpfung in der Region und schafft Vertrauen
und Wertschätzung für die Nahrungsmittelproduktion vor Ort. Nicht zuletzt
steigt die Krisensicherheit durch ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen
regionalen und überregionalen Strukturen.
Die politische Förderung regionaler Wertschöpfungsketten sollte dabei
nicht pauschal erfolgen, sondern an ökologische oder soziale Bedingungen
geknüpft werden. Das können der Erhalt alter Sorten oder Tierrassen ebenso
sein wie die ökologische Produktion oder die Pflege von
Kulturlandschaften.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen dafür unter anderem
folgende Maßnahmen vor: ein Rettungsprogramm für regionale Lebensmittel-
Verarbeitungsbetriebe wie Bäckereien oder Molkereien mit gezielter
Förderung und Entbürokratisierung sowie die flächendeckende Einrichtung
und Finanzierung von Vernetzungsstellen für den Aufbau regionaler
Wertschöpfungsketten.

Broschüre „Bausteine für die Transformation zu einem nachhaltigen
Ernährungssystem“ von Öko-Institut, Ecologic Institut, BÖLW für das
Umweltbundesamt (https://www.oeko.de/publikation/bausteine-fuer-die-
transformation-zu-einem-nachhaltigen-ernaehrungssystem/
)

Ausführliche Teilberichte im Projekt „Nachhaltiges Wirtschaften:
Sozialökologische Transformation des Ernährungssystems (STErn)“:

„Entwicklung von politischen Handlungsansätzen für die Unterstützung
stärker pflanzenbasierter Ernährungsweisen“
(https://www.oeko.de/publikation/entwicklung-von-politischen-
handlungsansaetzen-fuer-die-unterstuetzung-staerker-pflanzenbasierter-
ernaehrungsweisen)

„Die Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft als Hebel zur
Transformation des Ernährungssystems“ (https://www.oeko.de/publikation
/die-oekologische-land-und-lebensmittelwirtschaft-als-hebel-zur-

transformation-des-ernaehrungssystems)

„Regionalisierung von Ernährungssystemen: Einschätzung von
Nachhaltigkeitspotenzialen und Darstellung politischer Handlungsansätze“
(https://www.oeko.de/publikation/regionalisierung-von-ernaehrungssystemen-
einschaetzung-von-nachhaltigkeitspotenzialen-und-darstellung-politischer-

handlungsansaetze)

Über das Öko-Institut
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen
Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der
Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien,
wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
Darmstadt und Berlin vertreten.
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Über das Ecologic Institut
Das Ecologic Institut ist ein unabhängiger, akademischer Think Tank für
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widmet sich das Ecologic Institut der Verbesserung von Umweltpolitik,
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Über den BÖLW
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) ist der
Spitzenverband der mehr als 37.000 ökologisch wirtschaftenden Bäuerinnen
und Bauern und ihrer fast 20.000 Partner*innen in Lebensmittelverarbeitung
und Handel in Deutschland. Mit seinen Mitgliedsverbänden setzt sich der
BÖLW seit 2002 für den ökologischen Umbau von Land- und
Lebensmittelwirtschaft ein und engagiert sich intensiv auch in
Forschungsprojekten mit verschiedenen Partnern. Dabei legt der BÖLW Wert
auf eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Praxis-Betrieben und
anderen Beteiligten im Sine einer transdisziplinären Zusammenarbeit.
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