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Das LIAG feiert 75 Jahre Geophysik in Hannover

Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank Doods, überreicht Prof. Dr. Martin Sauter als Leiter des LIAG die Auszeichnung.
Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank Doods, überreicht Prof. Dr. Martin Sauter als Leiter des LIAG die Auszeichnung.
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Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank Doods, überreicht Prof. Dr. Martin Sauter als Leiter des LIAG die Auszeichnung.
Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank Doods, überreicht Prof. Dr. Martin Sauter als Leiter des LIAG die Auszeichnung.

Forschende des LIAG und seiner Vorgängerinstitutionen setzen seit 75
Jahren angewandte geophysikalische Methoden zur Erkundung des
oberflächennahen und nutzbaren Untergrundes ein und entwickeln Mess- sowie
Auswertungsverfahren stetig weiter. Dies ist Voraussetzung zur
Beantwortung von Forschungsfragen beispielsweise zu Grundwasser,
Geogefahren, Georeservoire als Energiequelle, zum Beispiel Erdwärme, und
Energiespeicher. Rund 130 eingeladene Gäste, darunter der Niedersächsische
Umweltminister Christian Meyer und der Staatssekretär im Niedersächsischen
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank
Doods, nahmen am 15. November an der Jubiläumsfestveranstaltung teil.

Eins der Highlights der Veranstaltung bildete die Einrahmung der
Podiumsdiskussion „Klimaneutral heizen mit Geothermie – wie können Open
Data, Forschung und Digitalisierung Veränderungen voranbringen?“ in den
November der Wissenschaft, woran unter anderem der Niedersächsische
Umweltminister Christian Meyer teilnahm. So wurden Fragen und Anliegen in
diesem aktuellen Thema im Bereich Forschung, Politik und Gesellschaft zu
Potenzialen und Risiken in Deutschland und Niedersachsen öffentlich mit
der Bevölkerung diskutiert. Das LIAG ist Partner der Initiative
Wissenschaft Hannover, die den November der Wissenschaft alle zwei Jahre
organisiert.

Meyer gratulierte der LIAG zum 75-jährigen Bestehen und hob die Bedeutung
der Forschung für die Wärmewende hervor: „Um Niedersachsens ehrgeizige
Klimaziele zu erreichen, müssen wir auch die klimaschonende
Tiefengeothermie mit aller Kraft vorantreiben. Effizient Wärme aus einer
umweltfreundlichen und nahezu unerschöpflichen Energiequelle zu gewinnen
ist ein wichtiger Baustein beim Klimaschutz. Vom Niedersächsischen
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wurden bereits 20
sogenannte Erlaubnisfelder zur Aufsuchung von Erdwärme vergeben. Da es
derzeit keine spezielle Richtlinie zur Förderung von Geothermie gibt, hat
das Umweltministerium die Voraussetzungen für eine Förderung aus dem
Wirtschaftsförderfonds für zwei Pilot- und Demonstrationsprojekte
geschaffen. Denn das sogenannte Fündigkeitsrisiko stellt oft ein großes
Hemmnis bei der Realisierung entsprechender Projekte dar.“

Geophysik-Forschung seit Beginn der Erdwärmenutzung als Besonderheit in
der Geschichte

Das LIAG beziehungsweise seine Vorgängerinstitutionen beschäftigen sich im
Rahmen der Geophysik-Expertise seit Beginn der Erdwärmenutzung am längsten
mit der Geothermie – seit 1953. So waren Forschende schon mit
geophysikalischen Untersuchungen am ersten Geothermie-Standort Larderello
in der Toskana in Italien mit dabei. Bereits früh wurden Geothermie-
Atlanten erstellt, die schließlich im geothermischen Informationssystem
GeotIS als digitales Informationsportal für die Geothermie in Deutschland
in mehreren aufbauenden geförderten Projekten gebündelt sind.

Eröffnung mit Grußworten und Podiumsdiskussion zur Relevanz der Geophysik

Die Eröffnung durch den Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium
für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, Frank Doods, bildete
den Auftakt der Veranstaltung. Schnell wurde deutlich: Die langjährige
Spezialisierung auf oberflächennahe geophysikalische Anwendungen, die
Geräte- und Dateninfrastruktur sowie die daraus resultierende Kompetenz in
der Kombination vielfältiger geophysikalischer Methoden zeichnen heute das
LIAG als eine in Deutschland einzigartige Forschungseinrichtung aus. Das
LIAG bekam seinen Namen jedoch erst im Jahr 2008. Es ist damals als GGA-
Institut aus der Abteilung "Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben"
(GGA) des ehemaligen Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung
hervorgegangen. Die so genannten "Geowissenschaftlichen
Gemeinschaftsaufgaben" wurden durch die Höchster Vereinbarungen vom 1.
Juni 1948 gegründet.

„Mit dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik und seiner
Vorgängerinstitutionen können wir auf 75 Jahre Erfahrung in der
Geophysikforschung in Niedersachsen zurückblicken. Hierzu spreche ich im
Namen der Niedersächsischen Landesregierung meine herzlichen Glückwünsche
aus“, erklärt Staatssekretär Frank Doods. „Die Niedersächsische
Landesregierung sieht das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik als
einen wichtigen Bestandteil der nationalen Forschungslandschaft an und
hält sowohl die methodische und wissenschaftliche Kompetenz als auch die
Beratungsleistung des Instituts im Zusammenhang mit aktuellen
gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitischen Fragen zur Erforschung
und Nutzung des Untergrundes für unverzichtbar.“

Vorstellung von Forschungslinie und Highlights am LIAG

Prof. Dr. Martin Sauter, der seit knapp einem Jahr das Institut leitet,
nutzte die Gelegenheit, um die Weiterentwicklung der zukünftigen
Forschungslinie zu präsentieren. Neben Grundwasser(-systemen) und
Geogefahren wird der Forschungsthemenbereich „Georeservoire als
Energiequelle und Energiespeicher“ die dritte Säule der Themenschwerpunkte
für die Geophysikforschung bilden. „Ich freue mich sehr, dass wir im
Rahmen des Jubiläums die langjährige Expertise des LIAG feiern und auf die
Forschungserfolge zurückblicken, die die gesamte LIAG-Belegschaft
erarbeitet hat“, erklärt Prof. Dr. Martin Sauter. „Zukünftig werden wir
diese Expertise in den drei Forschungsthemen Grundwasser, Geogefahren und
Georeservoire bündeln und für exzellente Arbeiten weiterentwickeln.“

Planung von Handlungsmaßnahmen im Zuge des Klimawandels

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und
Forschung diskutierten anschließend die Frage: Welche Rolle spielt die
Geophysik bei der Planung von Handlungsmaßnahmen im Zuge des Klimawandels?
Dabei wurden die verschiedenen Aspekte hinsichtlich des
Grundwassermanagements, der Energieversorgung sowie der Geogefahren und
Landschaftsgenese beleuchtet.

Geophysik-Show mit Oberbürgermeister Belit Onay sorgt für Überraschung

Und da ist sie: Die Jubiläumstorte. Mit verschiedenen geophysikalischen
Methoden wurde diese von Dr. Insa Cassens als Forschungsreferentin mit
Unterstützung des Oberbürgermeisters von Hannover sichtbar gemacht.

Wissenschaftliche Vorträge im Rahmen der neuen Forschungslinie

Es folgten Vorträge zu Wasserstoff­ im zukünftigen Energiesystem von Prof.
Dr. Richard Hanke-Rauschenbach der Leibniz Universität Hannover, zu Karst
Grundwasserressourcen von Dr. Linda Luquot, vom Centre National de la
Recherche Scientifique – Géosciences Montpellier, zur Erdbebenforschung an
der Schnittstelle von Geologie und Geophysik von Dr. Christian Brandes der
Leibniz Universität Hannover. Den Abschluss bildete Mike Müller-Petke,
Leiter der Grundwasserforschung am LIAG, mit seinem Vortrag zur Rolle der
Geophysik für das Management küstennaher Grundwassersysteme im
Klimawandel. Jan Egge Sedelies, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung, moderierte die Veranstaltung.

Festveranstaltung als Teil einer Jubiläumswoche

Den Auftakt der Jubiläumswoche bildete bereits am 14. November das LIAG-
Seminar mit dem Vortrag von Prof. Dr. Gerald Gabriel und Dr. Rodolfo
Christiansen zum Thema „Natürlicher Wasserstoff als saubere Energiequelle?
Geophysikalische Exploration“ zu dem wegweisenden Projekt HyAfrica zur
Erforschung der Entstehung und den Nutzungsmöglichkeiten von natürlichem
Wasserstoff in Afrika. Die langfristige gemeinsame Forschungs- und
Innovationspartnerschaft zwischen der Europäischen Union und der
Afrikanischen Union im Bereich der erneuerbaren Energien (LEAP-RE) fördert
das Projekt mit einem Budget von fast einer Million Euro.

Nach der Festveranstaltung zeigen Forschende am 16. November, praxisnah
über eine Ausstellung von Exponaten und Mitmach-Experimenten im aufhof,
wie Angewandte Geophysik für die Beantwortung von Forschungsfragen in den
Bereichen Grundwasser, Geogefahren und Geothermie funktioniert. Vor Ort
sichtbar ist die 2,5 Meter große LIAG-Drohne mit einem Drohnensimulator.
Ein Nachbau des am LIAG entwickelten Salzwassermonitoringsystems SAMOS
zeigt, wie die elektrische Leitfähigkeit genutzt werden kann, um
Strukturen und beispielsweise Versalzungsprozesse im Untergrund zu
erfassen. Zudem verdeutlicht die mobile seismischen Miniquelle ELVIS, die
ebenfalls eigens am LIAG entwickelt wurde, wie LIAG-Forschende unter
anderem oberflächennahe Verläufe von Störungen abbilden, die
Erdbebenpotenzial haben können. Unter anderem mit Bohrkernen,
Bohrkernscans und Logging-Tools, zeigt die Ausstellung die Erforschung der
Potenziale des Untergrundes für die Erdwärmenutzung in Deutschland
innerhalb des Forschungsbereichs Georeservoire im Hinblick auf die
Geothermie.