Blick in die Zukunft des Ozeans: METEOR- Expedition M197 nutzt östliches Mittelmeer als Zukunftslabor
Morgen startet das Forschungsschiff METEOR unter
Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel von Zypern
aus auf eine mehr als vierwöchige Forschungsfahrt durch das östliche
Mittelmeer. Dieses Ozeanbecken ist besonders stark vom Klimawandel und von
menschlichen Aktivitäten betroffen und verändert sich rapide. Die
Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, wie diese Veränderungen
aussehen und was das für die Ökosysteme eines zukünftigen (sub-)tropischen
Ozeans bedeutet. Die gesammelten Daten werden unter anderem mit
Informationen von Satelliten und mit Modellrechnungen kombiniert, um ein
umfassendes Bild der Veränderungen zu erhalten.
Das östliche Mittelmeer (Eastern Mediterranean Sea, EMS) ist eines der
sich am schnellsten verändernden Ozeanbecken auf der Erde. Es ist sowohl
vom Klimawandel als auch von umfangreichen Belastungen durch menschliche
Aktivitäten besonders betroffen. Das macht es zu einem einzigartigen
Forschungsumfeld, das Informationen über künftige Veränderungen des
globalen Ozeans liefern kann.
„Das östliche Mittelmeer als Modell für die künftige Meeresforschung“
(Eastern Mediterranean Sea as a model for Future Ocean Research, EMS FORE)
heißt denn auch ein internationales Projekt unter Leitung des GEOMAR
Helmholtz Zentrums für Ozeanforschung Kiel, das von der Helmholtz-
Gemeinschaft finanziert wird. „In dem Projekt nutzen wir das östliche
Mittelmeer von der Küste bis in die Tiefsee als natürliches Labor“,
erklärt Dr. Thomas Browning, Leiter der Nachwuchsgruppe Chemische
Ozeanographie am GEOMAR. Er ist Fahrtleiter der METEOR-Expedition M197,
einem wichtigen Teil des Projekts, die morgen [06.01.2024] startet.
„Wenn sich das Oberflächenwasser des Ozeans erwärmt, beeinträchtigt das
die Nährstoffversorgung und damit die marinen Ökosysteme“, nennt Browning
ein Beispiel für die Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen und
ozeanischen Prozessen, „und das Wasser im östlichen Mittelmeer hat sich
bereits schnell erwärmt, schneller als in anderen subtropischen Regionen
des Weltozeans.“
Die Wissenschaftler:innen werden daher untersuchen, welche Nährstoffe das
Wachstum des Phytoplanktons begrenzen und wie Nährstoffe in das
Oberflächenwasser eingetragen werden. Außerdem werden verschiedene
Mikroorganismen vom Meeresboden bis zur Oberfläche erfasst und der
Kohlenstofftransport von der Meeresoberfläche in die Tiefsee gemessen.
Kontinuierlich eingesetzte autonome Plattformen und
Satellitenbeobachtungen zur Messung grundlegender Eigenschaften sowie
Computermodellierungen werden dazu beitragen, die Beobachtungen der
Expedition in einen größeren Kontext zu stellen. Darüber hinaus werden
Untersuchungen der gesammelten Sedimente dazu dienen, vergangene
Umweltveränderungen im östlichen Mittelmeer während der letzten
Jahrtausende zu rekonstruieren.
Dazu bringt die Forschungsexpedition mehrere Teams mit unterschiedlichen
Fachkenntnissen zusammen, die eine Vielzahl von Instrumenten einsetzen
werden: von speziellen Geräten zur Probennahme, um Konzentrationen von
Spurenelementen ohne Kontamination zu bestimmen, über Instrumente zur
Sammlung von Staub, der Nährstoffe vom Land an die Meeresoberfläche
transportiert, bis hin zu geschleppten Videokameras zur Beobachtung der
Tiefseefauna.
Die Forschungsexpedition M197 steht für eine starke internationale
Zusammenarbeit, an der 28 Wissenschaftler:innen aus zwölf Ländern
beteiligt sind, darunter Mitarbeitende des GEOMAR, der Universität Haifa
und des Instituts für Meeres- und Seenforschung (Israel), des Cyprus
Marine and Maritime Institute (Republik Zypern), des Marine Biological
Laboratory und der University of Chicago (USA) sowie der Xiamen University
(China).
