Die Achillesferse der Künstlichen Intelligenz: Warum Diskriminierung ein ungelöstes Problem bleibt
Eine aktuelle Studie der DHBW Stuttgart am Studienzentrum
Dienstleistungsmanagement hat die Fähigkeit der Künstlichen Intelligenz
(KI) zur Erkennung diskriminierender Inhalte in Bildern und Werbeanzeigen
untersucht und dabei sowohl beeindruckende Fortschritte als auch
bestehende Grenzen aufgezeigt.
In der umfassenden Untersuchung wurde die KI mit einer Vielzahl von
Bildern und Werbeanzeigen konfrontiert und um eine Bewertung gebeten.
Darunter befanden sich unter anderem 60 Werbeanzeigen, die der Deutsche
Werberat in der jüngeren Vergangenheit gerügt hatte. Die erzielten
Ergebnisse zeigen, dass die KI eine erstaunlich hohe Fähigkeit besitzt,
Diskriminierungen in Werbeanzeigen mit einer beeindruckenden
Treffsicherheit zu identifizieren (F1 Score: 0.949). So wurden die vom
Deutschen Werberat gerügten Werbeanzeigen in aller Regel von der KI als
potenziell diskriminierend eingeschätzt. Gleichzeitig erfolgte bei den
nichtdiskriminierenden Werbeanzeigen ein solcher Hinweis in den meisten
Fällen nicht.
Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund beeindruckend, da die KI noch
vor zehn Jahren erhebliche Schwierigkeiten hatte, die in einem Bild
dargestellten Objekte korrekt zu klassifizieren. In der Zwischenzeit und
dank Millionen von Bildern hat die KI gelernt, weitgehend treffsicher
zwischen einem Hund und einer Katze zu unterscheiden. Die rasanten
Fortschritte der KI werfen die Frage auf, wo derzeit die Grenzen der KI
verlaufen. „Wir wollten wissen, inwiefern die KI ein diskriminierendes
Verhalten erkennt, wenn man dieser nur eine Werbeanzeige zur Verfügung
stellt und diese auffordert, die Anzeige zu bewerten“, erläutert Studentin
Helen Beckers das Vorgehen bei der Studie.
Algorithmische Diskriminierung
Dies ist von besonderer Relevanz angesichts des massiven Anwachsens von
Diskriminierung durch Algorithmen, die Menschen aufgrund von Geschlecht,
Religion, Weltanschauung, Rassismus oder Herkunft benachteiligen können.
Dieser Aspekt gewinnt an Bedeutung, da Diskriminierung durch Algorithmen
zunehmend zu einem ernsten Problem wird, das verschiedene Bereiche wie
Bewerbungsverfahren, Kreditvergabe, Medizin und die Berechnung der
Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftäter*innen betrifft.
ChatGPTs Fähigkeit zur Aufdeckung von Sexualisierung und Stereotypen
Besonders aufschlussreich ist die Erkenntnis, dass ChatGPT Sexualisierung
und stereotypisches Denken aufdecken kann. Eine modifizierte Anzeige mit
vertauschten Geschlechterrollen zeigte, dass die KI auch in umgekehrten
Konstellationen Diskriminierung identifizieren kann. „Diese
unterschiedliche Bewertung durch ChatGPT in den zwei Szenarien
unterstreicht die Fähigkeit, Diskriminierung auch in umgekehrten
Konstellationen zu identifizieren“, nennt Student Sven Peter als weitere
Erkenntnis aus der Studie.
Grenzen und Herausforderungen bei der Diskriminierungserkennung durch KI
An die Grenzen stieß die KI jedoch bei der Identifizierung weiterer Formen
der Diskriminierung, wie der Objektivierung, der Respektlosigkeit sowie
des Machtmissbrauchs. „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die
Notwendigkeit, KI-Systeme weiterzuentwickeln, um Diskriminierung
effektiver zu erkennen und zu verhindern“, berichtet Student Marius Funk.
Die Studie wirft wichtige Fragen auf, wie KI-Technologien in der Zukunft
eingesetzt werden können, um Diskriminierung in verschiedenen Bereichen zu
bekämpfen und die Gleichberechtigung zu fördern.
Studienzentrum Dienstleistungsmanagement
Die Studie wurde unter Leitung von Prof. Dr. U. Bucher am Studienzentrum
Dienstleistungsmanagement an der DHBW Stuttgart durchgeführt. Das
Studienzentrum Dienstleistungsmanagement bereitet die Studierenden auf
verantwortungsvolle betriebswirtschaftliche Tätigkeitsfelder in
innovativen und kundenorientierten Projekten sowie in vielfältigen
Funktions- und Servicebereichen von Dienstleistungsunternehmen vor.
Die DHBW Stuttgart:
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart gehört mit rund 8.000
Studierenden in Bachelor und Masterstudiengängen zu den größten
Hochschuleinrichtungen in den Regionen Stuttgart und Oberer Neckar. In
Kooperation mit rund 2.000 ausgewählten Unternehmen und sozialen
Einrichtungen bietet sie mehr als 60 national und international
anerkannte, berufsintegrierte Studienrichtungen in den Bereichen
Wirtschaft, Technik, Sozialwesen und Gesundheit an. Die Bachelor-
Studierenden wechseln im dreimonatigen Rhythmus zwischen der Hochschule
und dem Ausbildungsbetrieb, dem Dualen Partner. Auf diese Weise sammeln
sie bereits während der Studienzeit Berufserfahrung. Finanzielle
Unabhängigkeit, sichere Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch außergewöhnlich
hohe Übernahmequoten, kleine Kursgruppen und die internationale
Ausrichtung bieten den Studierenden enorme Vorteile. Über den
Bachelorabschluss hinaus bietet die DHBW ein duales Masterprogramm an.
Weitere Informationen unter: www.dhbw-stuttgart.de
